Home ALLE BEITRÄGEGESCHICHTE 68er-Jugendbewegung-Teil 2

68er-Jugendbewegung-Teil 2

by rcadmin

Ein Auszug über die 68er-Jugendbewegungen aus dem Buch „Manifest der Jugend“.

Die globalen Auswirkungen der 68er-Jugendbewegung

Das Finanzzeitalter, in das der globale Kapitalismus ab den 1960er Jahren eingetreten ist, stellt eine neue Epoche dar. Durch das Gewinnen von Geld durch Geld entstehen im Sekundentakt Reiche und Arme. Die Macht des Geldes hat nicht nur die Individuen, sondern selbst die Staaten in Abhängigkeit gebracht. Es sind eigene Regeln des globalen Geldsystems entstanden. Diejenigen, die aus dem Spiel austreten, bekommen den „TerroristInnen“-Stempel aufgedrückt. Die 1968er-Bewegung ist aus diesem globalen Spiel frühzeitig ausgetreten und hat den TerroristInnen-Stempel aufgedrückt bekommen. Die Jugendrevolution von 1968 war auch eine Widerspiegelung der Wut gegen das Geldsystem, welches über die Welt und über das Leben herrschte. Denn die Herrschaft des Geldes machte seinen Einfluss so wie in jedem Bereich des Lebens auch in den Universitäten spürbar. Die „Industrialisierung der Universitäten“ ab der zweiten Hälfte der 1960er Jahre hat in jedem Land an Fahrt gewonnen. Es wurde begonnen, Universitäten, deren Zahl anfangs noch überschaubar war, in jeder Provinz, jedem Bezirk und sogar in Gemeinden wie Unternehmen zu eröffnen. Das Ziel war es, anstelle die Studierenden zu bilden, diese mehr in den Werkstätten und Laboratorien innerhalb der Universitäten arbeiten zu lassen und Profit zu machen. Die Kantinen und Universitätskliniken wurden zunehmend entgeltlich. Die den Studierenden gegebenen Kredite wurden später zusammen mit den Zinsen um ein Vielfaches zurückgefordert. Die studierende Jugend wurde Schritt für Schritt in die Abhängigkeit des Geldes gebracht. Diese Situation hat zu steigender Wut bei der studierenden Jugend geführt.
Nicht nur die studierende Jugend wurde von diesem jüngsten globalen Angriff des Kapitalismus beeinflusst, das Finanzkapital hat die Arbeitslosigkeit erheblich erhöht. Die arbeitende Jugend wurde in die Arbeitslosigkeit gedrängt. Weil die Dorfjugend nicht produzieren konnte, füllte sie die Vororte der Städte. Während die migrantischen Jugendlichen in den Vororten der Städte Zuflucht und ein Ort zum Leben suchten, wurden sie als dumm und rücksichtslos angesehen und ausgeschlossen. Sie sind aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Sprache und Lebensweise immer mit Spott konfrontiert gewesen. Kurz gesagt, sind die Probleme keiner Jugendgruppe mit dem Finanzzeitalter kleiner geworden, sondern haben sich im Gegenteil vergrößert. Die gesellschaftlichen Probleme hingegen haben sowieso die Dimensionen einer globalen Krise erreicht. Das Finanzzeitalter bedeutet im Allgemeinen die globale Krisenära des Kapitalismus. Deshalb hat die intellektuelle Jugendbewegung der 1968er vor allem auch eine Bedeutung als größte Protestbewegung gegen die Krisenära des globalen Kapitalismus. Die sich ansammelnde Wut der Jugend, die zunehmende gesellschaftliche Unruhe, der andauernde Krieg in Vietnam und das Echo der Situation in den kolonialisierten Ländern, allen voran Algeriens, in der Weltöffentlichkeit, können als Grundlage der 68er betrachtet werden. Der Mut wurde hingegen durch zahlreiche Beispiele gestärkt. Die Frage „Wenn ein kleines Land wie Vietnam gegen die USA so kämpft und Widerstand leisten kann, warum sollten wir es dann nicht können?“ genügte für den Aufstand. Als Antwort auf diese Frage begannen im Mai 1968 an den Universitäten von Paris, allen voran der Sorbonne unter Führung der Studierenden, Demonstrationen und Boykotte. Das war der ausschlaggebende Funke der weltweiten 68er-Bewegung. Niemand konnte abschätzen auf was für einem Niveau die begonnenen Aktionen der Studierenden unter der Führung des in Berlin studierenden „roten Rudi“ und des in Paris studierenden „roten Dany“ für eine Dynamik entwickeln würden. Doch in kürzester Zeit haben die SchülerInnen der Oberstufen und die Jugend aus den Vierteln an den Aktionen und Demonstrationen teilgenommen. Am 10. Mai wurde Frankreich durch und durch erschüttert. Die ArbeiterInnen und alle anderen oppositionellen gesellschaftlichen Gruppen haben sich mit der Jugendrevolte vereint. Mit dem täglichen Arbeitsstreik von 10 Millionen Menschen ist das Leben zum Stillstand gekommen. Die französische Regierung war angesichts dieser Situation dazu gezwungen zurückzutreten. Als die Jugendrevolte 1968 in Paris mit einem großen Knall explodierte, war das Echo in der Columbia Universität, in den USA, in Prag, Mexico City, Tokyo und in den italienischen Städten zu hören. Der Schockeffekt hat schnell auch alle anderen Länder umfasst. Das Einwanderungsland USA wurde durch zahlreiche Demonstrationen von Afroamerikanern erschüttert. Proteste, die sich im Kern als Reaktion auf das kapitalistische Leben in der Hippie- und Beatnik-Szene entwickelten, wurden von Seiten der studierenden Jugend politisiert. Eine Vielzahl von Kultur- und Musikgruppen haben an den Demonstrationen teilgenommen. Auch Plattformen von KriegsgegnerInnen, MenschenrechtsaktivistInnen, AnarchistInnen und Feministinnen haben an den Demonstrationen teilgenommen. Die in Frankreich mit der Avantgarde der Studierenden begonnenen und in kürzester Zeit Länder wie Italien, Westdeutschland, England, USA und die Sowjetunion mitreißenden Aktionen haben sich vereint mit anderen Widerständen und sich in einen gigantischen Geist des globalen Aktivismus verwandelt. Die Situation war wahrhaftig ein globales politisches Erdbeben. Die intellektuelle Jugend ist sich ihrer Rolle bewusst geworden. Sie hat sich auf die wirksamste Weise mit ihrer eigenen Identität der gesellschaftlichen Avantgarde angeschlossen. Es hat sich gezeigt, dass die existierenden oppositionellen, parlamentarischen, politischen Parteien eine Vorreiterinnenmission nicht spielen können. Zusammen mit den 68ern wurden von Seiten der Jugend hintereinander revolutionäre, radikale Organisationen gegründet. Seit den 68ern entwickelten sich Organisationen und Avantgardebewegungen wie die RAF in Deutschland unter der Führung von Ulrike Meinhof sowie zahlreiche antifaschistische Organisierungen; die Roten Brigaden in Italien, die Action Directe in Frankreich und in Guinea entstanden unter Führung von Amílcar Cabral eine antikoloniale Befreiungsbewegung. Zusammengefasst hat der gesellschaftliche und politische Kampf mit der 68er-Revolution zusammen weltweit neue Fahrt aufgenommen.

ÄHNLICHE ARTIKEL