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68er-Jugendbewegung-Teil 3

by rcadmin

Ein Auszug über die 68er-Jugendbewegungen aus dem Buch „Manifest der Jugend“.

Die Auswirkungen der 68er-Bewegung im Mittleren Osten

Die 68er-Bewegung hat sich nur begrenzt auf den Mittleren Osten ausgewirkt. In den arabischen Gesellschaften äußerte sie sich mehr in Form radikaler, militärischer Bewegungen. In den arabischen Ländern gab es eine Entwicklung in Form von radikalen Offiziersbewegungen. Diese Phase hat sich dort in Form von Militärputschen ereignet. Eigentlich haben Strömungen wie der Nasserismus, der Baathismus und die Muslimbrüder, die innerhalb des allgemeinen politischen Aufschwungs betrachtet werden müssen, sich zuallererst in Form von Jugendbewegungen entwickelt. Auch wenn es nicht richtig wäre, diese Bewegungen als Bewegungen der 68er-Jugendgeneration zu bewerten, ist es möglich, von einem indirekten Einfluss zu sprechen. Daneben gab es im Mittleren Osten zudem eine antizionistische, palästinensische Revolution. Die Palästinensische Revolution kann nicht vollständig als eine 68er-Bewegung bewerten werden, aber ein ausgesprochen wechselseitiger Einfluss beider Bewegungen ist der Fall. Der Einfluss der 68er-Jugendrevolution hat eine sehr wichtige Rolle für das Wachsen des palästinensischen Widerstands gespielt. Die Guerillaromantik der 68er-Revolution hat die Guerilla Palästinas stark beeinflusst. Die weltweiten Guerillakämpfe, insbesondere der Kampf Che Guevaras und der Guerilla Vietnams, hatten eine äußerst positive Wirkung auf den palästinensischen Widerstand. Die Guerilla Palästinas als wichtigste Kraft dieser Phase ist auf dieser Grundlage entstanden.
Auch die Kommunistische Partei Irans hat 1969 unter Führung der Jugend eine sehr starke Offensive begonnen. Diese Partei, die bis in das Jahr 1980 einen starken Einfluss im Mittleren Osten hatte, verfügte insbesondere in Kurdistan über einen hohen Organisierungsgrad. Ein bedeutender Teil der Anführer dieser Bewegung waren kurdischer Abstammung; beispielsweise war Fuat Mustafa Sultani der Parteisekretär der Partei und ist nach der Iranischen Revolution 1979 gefallen. Die 1970 in Südkurdistan gegründete „Marxistisch-Leninistische Vereinigung Kurdistans“ wurde auch eine wichtige Bewegung. Ihre Gründer waren Xale Sahap, Şehid Cafer und Şehid Aram. Diese Bewegung war in Süd- und Ostkurdistan, als auch im Irak und im Iran einflussreich. Nach dem Tod ihrer Gründer ist sie unter die Kontrolle von Celal Talabani geraten.
Auf der anderen Seite war eine andere Kraft, die die 68er-Bewegung im Iran repräsentierte; die Organisation der Volksfedajin. Die als Guerillaorganisation entstandenen Volksfedajin waren eine wirksame Organisation im Kampf gegen den Schah. In der selben Phase hat sich die Organisation der Volksmodschahedin entwickelt. Die Volksmodschahedin waren eine kleinbürgerliche Organisation mit stark islamischem Format. Der Einfluss der 68er auf sie war nicht sehr ausgeprägt. Es war eine Bewegung, die sich mit religiösen Strömungen verschachtelte, aber auch über eine soziale Dimension verfügte. Die Jugend im Iran wurde mehr durch die Volksfedajin beeinflusst. Sie waren es, die den Widerstand gegen das Schah-System entwickelten. Sie hatten großen Einfluss auf den Sturz des Schahs im Jahr 1979. Noch immer gibt es im Iran jugendliche Massenbewegungen. Ihre Wurzeln reichen bis zu den Widerständen gegen den Schah zurück. Sowohl Guerilla ähnliche Aktionen als auch Massenbewegungen fanden in dieser Zeit häufig statt. Die Rolle der studierenden Jugend in dieser Phase ist bedeutend. Sich illegal organisierende Studierende haben innerhalb der Tudeh-Partei des Iran Platz eingenommen. Die intellektuellen Erfahrungen der Studierenden des Iran, welcher auch historisch ein geistiges Zentrum darstellt, sind sehr ausgeprägt. Eine studierende Jugend, die mit den Einflüssen der aufständischen Tradition gegen den Schah geformt wurde, ist im Iran auch heute noch stark. Auch die in Afghanistan gegründete Organisation der Taliban wurde von einer Gruppe studierender Jugendlicher gegründet. Das arabische Wort talib bedeutet „Schüler“. Die Taliban, die heute zu einem vom Imperialismus selbst erschaffenen Monster geworden sind, verfügten in ihrer Vergangenheit über eine studierende Jugendbasis. So sehr der Charakter der Taliban reaktionär ist, sind sie doch Beispiel dafür, wie eine Studierendenbewegung zu einer politischen Kraft werden kann, wenn sie sich entlang gesellschaftlicher Widersprüche organisiert.

 

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