BODOYA BESAYE
Vor nicht all zu langer Zeit lebten die Menschen noch in Gesellschaften, in denen das soziale Leben noch zu den wichtigsten Aspekten des Lebens gehörte. Durch die kapitalistische Moderne verschwanden Stück für Stück das soziale, die Kultur und die traditionelle Dorfgemeinde unter anderem. Die Menschen fingen an in die Städte zu ziehen auf der Suche nach Arbeit, und der neue Sinn des Lebens bestand darin so viele und so teure Dinge wie möglich anzuhäufen. Der Mensch wurde durch die kapitalistische Moderne zu einem Egoist gemacht, aber der Mensch sehnt sich von Natur aus nach einem sozialen Leben miteinander. Um weniger an der Vereinzelung und der sozialen Einsamkeit zu leiden, fing der Mensch an Gruppen wie z.B. Nationen und Religionsgemeinschaften zu erfinden, um sich identifizieren zu können. Durch die technologischen Veränderungen veränderten sich die Art und Weise der Menschen um etwas gegen die Vereinzelung zu unternehmen. So kamen in den letzten Jahren auch die sozialen Medien auf, welche ebenfalls das Ziel hatten die Menschen wieder näher aneinander zu bringen. Das Problem ist nur, dass die sozialen Medien ein Produkt der kapitalistischen Moderne sind, weshalb sie die Vereinzelung nur Verstärkt haben. Durch die sozialen Medien sind die sozialen Beziehungen zu einer Ware verkommen mit der man quasi handeln kann. Das heisst, dass Freundschaften nun einen Wert bekommen haben. Freundschaften haben heutzutage nun verschiedene Werte, je nachdem welche Person einem in dem Moment von Nutzen ist. Eine Folge davon ist auch, dass man versucht angebliche Freundschaften zu vermehren. Das beste Beispiel hierfür ist Facebook. In Facebook sammelt man im Laufe der Zeit eine riesige Menge an angeblichen Freundschaften an, obwohl man mit den meisten Personen auf der Strasse gar nicht erst reden würde, oder sie sogar nicht einmal mag. Man addet diese Personen nur, weil sie einem entweder irgendwann von Nutzen sein könnten, oder weil man dem Gruppendruck nachgibt, da alle anderen diese Person auch in der Freundesliste haben. In anderen Worten gesagt kann man Freunde nun ‘besitzen’, sei es als Freund bei Facebook, oder auch als Nummer bei Whatsapp.
Ein weiteres Problem der sozialen Medien besteht darin, dass sich durch die Technologie auch die Art und Weise der Kommunikation verändert hat. Heutzutage kann man über Whatsapp und Facebook weder den Gesichtsausdruck noch die Körperhaltung sehen, wodurch es einem viel leichter fällt sich zu verstellen. Man kann auch sagen, dass die
anonymität der sozialen Medien dazu verführt zu lügen. Durch die Verbreitung der Smartphones, vor allem in Europa, setzten sich Programme wie z.B. Whatsapp als Alternative zu den SMS durch. Whatsapp ist ein Programm, das zum versenden von Nachrichten, Fotos und Videos dient, und dabei eine Internetverbindung benutzt, wodurch man nur die Internet kosten übernehmen muss, was es günstiger macht als eine SMS zu verschicken. Insbesondere bei Jugendlichen hat sich Whatsapp wegen der geringen Kosten durchgesetzt. Durch die Tatsache, dass man jederzeit und fast überall mit allen Freunden reden bzw. schreiben kann, verlieren die zwischenmenschlichen Beziehungen, also die Freundschaften, an Wert. Das ist so extrem geworden, dass es üblich ist die Menschen in Cafe’s zu sehen während alle auf ihre Smartphones gucken statt miteinander zu reden. Das traurige daran ist, dass sie ihre Smartphones beim Zusammensein mit Freunden auch noch nutzen, um mit anderen Menschen zu schreiben. Früher hat man sich gefreut, wenn ein Freund sich die Zeit und den Weg genommen hat, um mit einem zu reden.
In anderen Worten kann man sagen, dass man vor der Nutzung der sozialen Medien die Freundschaften viel mehr wertgeschätzt hat. Aber wie in allen Lebensbereichen muss man auch bei den sozialen Medien die positiven Seiten aufzeigen und aus den Fehlern und Problemen lernen. Aufgrund der Tatsache, dass man dank der sozialen Medien schnell viele Personen erreichen kann, erspart man sich die Zeit und Kosten die man hätte, wenn man die Freunde z.B. ohne Facebook erreichen wollte. Durch den Zeitgewinn hat man mehr Zeit für andere Dinge wie z.B. politische und kulturelle Arbeit, aber auch um sich im echten Leben mit Freunden treffen zu können. Aus politischer Sicht hat vor allem Facebook den Vorteil, dass man schnell sehr viele Menschen mit politischen Botschaften erreichen kann. Dass die Verkrüppelung der sozialen Beziehungen mit der kapitalistischen Moderne zusammenhängt erkennt man daran, das z.B. die kurdische Kultur noch sehr viel Wert legt auf Freundschaften und zwischenmenschliche Beziehungen, anders als in Europa. Das beste Beispiel hierfür ist das gemeinsame Çay (Tee) trinken mit Freunden. Der Kapitalismus hat sich nämlich noch
nicht so lange durchgesetzt wie in anderen Ländern, und auch die Bevölkerung Kurdistans wehrt sich stärker gegen die kapitalistische Moderne als die Menschen in anderen Ländern.
An der Verkrüppelung der sozialen Beziehungen erkennt man, dass die kapitalistische Moderne gegen die Natur des Menschens ist. Soziale Medien, allen voran Whatsapp und Facebook sind Produkte der kapitalistischen Moderne. Auch wenn die sozialen Medien vielleicht entstanden sind um die Menschen wieder näher aneinander zu bringen, so haben sie genau das Gegenteil bewirkt. Die sozialen Medien können aber auch im positiven Sinn genutzt werden, man muss sie aber bewusst nutzen. Bewusst nutzen bedeutet zu wissen, wieso in der kapitalistischen Moderne die sozialen Medien die Vereinzelung und die Einsamkeit des Menschen verstärken statt sie zu bekämpfen. Das einzige was die Vereinzelung aufheben kann ist die Aufhebung der kapitalistischen Moderne.
