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Das Aufblühen der internationalistisch militanten Persönlichkeit

by rcadmin

XELÎL ROJAN

Wenn wir an internationalistische Militanz denken, dann sind unsere Herzen und unsere Gedanken bei Hakî Karer, Sara Dorşîn, Hêlîn Qereçox, Bager Nûjiyan und allen anderen, die in den letzten Jahren aus der „Sicherheit“ des Lebens im Westen aufgebrochen sind und im Kampf um eine menschliche Welt in Kurdistan unsterblich geworden sind. Wenn wir an sie denken, wollen unsere Gedanken aus dem kleinen Horizont ausbrechen, den uns der Liberalismus aufzwingt und uns damit vormachen will, dass unser Leben keine Bedeutung in der Geschichte haben kann und wir keine ernsthafte Rolle in diesem Kampf spielen können. Unsere gefallenen FreundInnen zeigen uns das Gegenteil. Sie haben diese Ideologie der Gleichgültigkeit mit ihrem Leben durchbrochen und sind zum Vorbild für militante Persönlichkeiten geworden. Entgegen der Gedanken einiger, dass die Revolution in Rojava ein kurdischer Kampf sei, mit dem man sich von außen etwas solidarisch zeigt, haben sie gezeigt, dass dies ein internationalistischer Kampf ist, den es gemeinsam zu verteidigen gilt.

Suche nach Wahrheit

Wenn wir uns das Leben und die Gedanken der Şehîds genauer ansehen, so sehen wir eine andere Herangehensweise an das Leben und die Revolution. Es ist kein Zufall, dass ihre Suche sie in das Herz der Revolution, nach Kurdistan geführt hat. Wer glaubt, sie hätten sich dieser Revolution nur angeschlossen, weil sie so erfolgreich ist, sieht nur einen Teil der Wahrheit. Auch der gemeinsame Feind, der Faschismus als wahres Gesicht des Kapitalismus, ist als Begründung nicht ausreichend. Ausschlaggebend ist das Paradigma der PKK-Bewegung. Dieses liegt in der Geschichte der kommunalen, indigenen und natürlichen Gesellschaft, welche die Werte eines menschlichen Zusammenlebens gegen Kolonialismus und Imperialismus verteidigt.
Das ist es, was wir Welatparezî nennen: Die Verteidigung des Landes, das Leben schenkt; die Verteidigung der Gesellschaft, die Gemeinschaft gibt; und die Verteidigung der Geschichte, der Werte und der Lebensweisen, die Sinn geben. Jede militante Persönlichkeit der PKK kämpft mit dem Bewusstsein, einen Kampf um die Menschlichkeit und gegen die Barbarei zu führen. Das Ziel ist der Aufbau einer politischen Gesellschaft auf der Grundlage ethischer Werte für die gesamte Menschheit. Die PKK ist daher von Anfang an eine internationalistische Bewegung und wurde es nicht erst, nachdem sich FreundInnen aus dem Westen ihr angeschlossen haben. Schon bei der Gründung war sie internationalistisch.

„Ich bin, weil du bist“

In verschiedenen afrikanischen Weisheiten finden wir die Ubuntu-Philosophie, die besagt „Ich bin, weil du bist“. Diese bringt das grundlegende Prinzip des Menschseins, nämlich des kollektiven Lebens, zur Sprache.
Menschen mit solch kommunalen Ideen sind die größte Gefahr für die Kapitalistische Moderne, da sie die Unmenschlichkeit des Systems nicht akzeptieren können und ihr Leben nach ethischen Werten ausrichten. Hierin liegt der wahre Grund für die Angriffe und Kolonialisierung von Rojava, Qendîl, der Zapatistischen Gebiete und besonders für die Isolation von Rêber APO. Diese Werte aufzubauen, zu verteidigen und zu verbreiten, ist die erste und wichtigste Aufgabe einer militanten Persönlichkeit.

Kolonialisierung des Geistes und der Herzen

Dieses Erbe wurde und wird von den revolutionären Bewegungen des Westens ignoriert. Die Gründe sind ein positivistischer Fortschrittsglaube und ein individualistisches Freiheitsverständnis: Die westliche Zivilisation sei im Grunde die Krönung der Schöpfung, die nur von einigen Übeln befreit werden müsse und Freiheit bedeute, dass jede Person einfach den eigenen Neigungen nachgehen könne. Dabei fällt nicht auf, dass damit eigentlich die Strategie der kapitalistischen Staaten übernommen wird, ethische Werte, nach denen die Menschen natürlicherweise ihr Leben ausrichten würden, auszulöschen. So sieht niemand die Notwendigkeit, das eigene Leben und die Persönlichkeit grundlegend zu ändern. Es ist diese fehlerhafte Ideologie, die uns wieder an dieses System bindet, das wir eigentlich bekämpfen wollen. Dies können wir Kolonialisierung des Geistes und der Herzen nennen. Es ist vor allem der Geist des Egoismus, der uns nur auf unser eigenes Leben blicken lässt. Wir planen unsere Zukunft so, dass wir ein einigermaßen erträgliches Leben aufbauen können und überlegen immer, wie die Menschen um uns herum dafür nützlich sein könnten. Ob es ein angenehmer Job ist, eine Beziehung, ein interessantes Studium, das ist es worüber wir oft hauptsächlich nachdenken und dabei steht immer nur das eigene Ich im Mittelpunkt der Gedanken. Die Welt existiert nur für die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse. Der Kampf gegen diese Mentalität ist wohl der Schwerste für Menschen aus dem Westen.
Wenn wir eine militante Persönlichkeit im Sinne des Internationalismus unserer Zeit aufbauen wollen, müssen wir den Kampf gegen den Kolonialismus in unseren eigenen Köpfen beginnen. Erst dann können wir uns dem Widerstand gegen den globalen Kolonialismus anschließen, mit dem die kapitalistische Moderne ihre Macht aufrechterhält. Unser Ziel ist dabei aber nicht nur einfach der Widerstand, sondern der Aufbau einer ethisch-politischen Gesellschaft und ein System der Selbstverwaltung.
Nehmen wir uns die Gefallenen als Beispiel.

Şehîd namirin!

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