Home ALLE BEITRÄGEKULTUR & KUNST Dep (Karakoçan) – Der Geburtsort Mazlum Doğans

Dep (Karakoçan) – Der Geburtsort Mazlum Doğans

by rcadmin

STÊRKA CİWAN

Wo liegt Dep?

Dep ist eine Kreisstadt, die zu Elezîz (wird auch Xarpêt oder Mazra genannt; türkischer Name Elazığ) gehört. Sie ist flächenmäßig die viert größte Stadt der 8 Kreisstädte in Elezîz und ist nordöstlich gelegen. Ihre Fläche beträgt 1085 km2 und sie liegt 1090 Meter über dem Meeresspiegel. Noch 2017 lag die EinwohnerInnenzahl in Dep bei ca. 28.000. Mehr als die Hälfte der EinwohnerInnen Deps leben noch in den Dörfern. Insgesamt gibt es 88 Dörfer.
Ein wichtiger Fluss in Dep ist der Peri (armenisch բերրի, perri, ergiebig) Fluss. Dieser durchläuft kurdische Städte wie Kixi, Kanîreş (Karlıova), Tatos (Tekman) und mündet in den Fluss Firat.
Ein näherer Blick auf die Geografie Deps wird zeigen, dass die Kreisstadt mit Bergen umrahmt wird. Der höchste Berg Deps Kirûcê umfasst eine Höhe von über 2300 Metern. Auch Kızıldağ mit ca. 1538 Metern ist eines der höchsten Berge. Erwähnenswert sind auch die Berge Tor, Celo und Diyarê Gazê. Nachbarn Deps sind im Norden Dêrsim, im Nordwesten Erzingan (Erzincan), im Südwesten Meletî (Malatya), im Südosten Amed und im Osten Çewlîg (Bingöl). Dep ist 50 km von Çewlîg und 100 km von Elezîz entfernt.
Zu dem kann man sagen, dass die Winter lange andauern und bekannt für ihren starken Schneefall sind. Die Sommer sind heiß und trocken.

Kultur

Aufgrund von Grenzen, die der faschistisch türkische Staat als Plan seines KurdInnen- Vernichtungsplans 1936 gezogen hat, gehört Dep geografisch zu Elezîz. Sozial und kulturell betrachtet ähnelt Dep eher der Kultur und sozialen Strukturen Dêrsim und Çewligs (Bingöl). In Dep ist Kurmancî die meist gesprochene Sprache, dicht gefolgt von Kirmançkî.
Der Militärputsch vom 12. September 1980 und die Vernichtungspolitik des türkischen Staates hat auch in Dep Spuren hinterlassen. Gerade aufgrund der starken Welatparêzî (kurd. Beschützen der Heimat) wurde die Kultur stark angegriffen. Vorhandene kulturelle Riten und Traditionen wurden umkehrt, vernichtet oder als „türkisch“ aufgezwängt. Besonders nach dem 12. September 1980 wurde zunehmend eine Degenerationspolitik eingefahren. Doch die widerstandsfähige Kultur hat sich nicht vollständig zerstören lassen. Noch immer werden Govends (traditionelle Folklore Tänze), wie Delîlo, Tamzara getanzt. Gerichte, die man regional wiederfinden wird sind Zilfet (Bavko), Boranî, Keşke, Klor, Sirin usw.
Besonders bekannt ist Dep für die Bienenzucht und ihre Nüsse. Die Wälder Deps bestehen hauptsächlich aus Pappel-, Weiden- und Eichenbäumen. Eine ökonomisch wichtige Beschäftigung für die BewohnerInnen aus Dep ist die Viehzucht.
Spricht man von Dep, so wird man die zahlreichen Mineralquellen erwähnen müssen. Die bekanntesten sind die Golan Heilquelle, der Baxin-Brunnen und der „Dieb“-Brunnen (Hırsız Çeşmesi). Die Golan-Heilquellen sind Mineralquellen aus denen 43°C heißes Wasser fließt. Diese Quelle ist 27 km vom Zentrum Dep entfernt und befindet sich im Dorf Golan (Yoğunağaç). Direkt neben dieser Quelle fließt der kühle Peri Fluss. Aus dem Baxin Brunnen, der sich theoretisch in Mazgêrd (Mazgirt) befindet, jedoch näher an Dep ist, fließt Wasser mit Chlor und Sulfaten. Der Dieb-Brunnen befindet sich im Sarpuça (Hamurkesen) Dorf in einem Waldgebiet. In dem selben Wald in Sarpuça wird man sehr viele historische Ruinen und Höhlen aus der Zeit des Urartäischen Reiches wiederfinden. Allgemein sind die meisten Bauwerke aus Steinen aus der Zeit der Urartu.

Geschichte

Von Anfang des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts hatten sich ArmenierInnen in Dep angesiedelt. Das heutige Dep war eine lange Zeit eine Gemeinde der ArmenierInnen, und ihr Zentrum lag im heutigen Êxî (Bulgurcuk). Dieses Dorf hieß auf Armenisch „Oxi“ bxw. „Oxu“. Später wurde das Zentrum nach „Tepe“ (Dep-Zentrum) verlegt. Es gibt auch historische Befunde, die darauf schließen lassen, dass Dep Teil des Urartäisches Reiches war. In ganz Elezîz verteilt gibt es Gräber aus der Zeit der Urartäer, so auch in Dep. Dort wurde ein 50-60 Tonnen schwerer Felsen gefunden, der den Felsengräbern der Urartäer ähnelt. In der Antike sollen die Hethiter und die Urartäer in dieser Region geherrscht haben. Ein weiteres Indiz dafür ist die Burg in Baxin (in Mazgêrd). Diese Burg befindet sich auf der anderen Seite des Peri Flusses. Man vermutet, dass diese Burg Menua, dem König der Urartu, der ungefähr von 810 bis 785 v. Chr. Regierte, gehörte.
Nach der Herrschaft der Urartäern, herrschten die Meder über Dep, anschließend die Perser und dann die Römer. Im südlichen Teil Deps wurden bei Ausgrabungen Gräber mit Kelchen, Schmuck und Tontöpfen gefunden. In der Umgebung der Çan Straße wurden zudem Felsengräber aus der römischen Zeit wiedergefunden. Die Region wurde während der römischen Zeit als Pufferzone zwischen dem Sassanidenreich und dem Oströmischenreich verwendet. In diesem Sinne ist Dep eine Reflexion der Kriege, die die äußeren Mächten ständig in Mesopotamien führten: Dep war Zentrum der arabisch-byzantinischen Kriege, der persisch-arabischen Kriege und der arabisch-türkischen Kriege.

Märtyrer

Von allen Kreisstädten in Elezîz ist Dep die Stadt, in der sich der Patriotismus am stärksten bewiesen hat. Viele wichtige revolutionäre Persönlichkeiten stammen aus Dep. Einer von diesen ist Şehîd Mazlum Doğan, der auch als der zeitgenössische Eisenschmied Kawa bezeichnet wird. Mazlum Doğan ist eigentlich aus Dêrsim, wird jedoch 1955 in Dep geboren. Während seiner Zeit als Student vertiefte sich seine Leidenschaft für den Sozialismus. Organisationen wie die DDKD kamen ihm zu liberal vor. 1976 lernte er Haki Karer kennen und wurde maßgeblich beeindruckt. So beschloss er Ende 1976 sich vollständig der Revolution Kurdistans zu widmen.
Şehîd Mazlum Doğan wurde am 1. Oktober 1979 auf dem Weg von Riha nach Wêranşar festgenommen. Trotz der Versuche seitens des faschistischen Staates ihn mit Folter zur Kapitulation zu zwingen, zeigen sich sein Wille und seine Haltung als unzerbrechlich. Am Abend vom 20. zum 21. März lässt Şehîd Mazlum Doğan seinen Körper in Flammen aufgehen, um das erloschene Newroz-Feuer der KurdInnen neu zu entflammen und dem Widerstand eine wichtige Bedeutung zu verschaffen: „Widerstand ist Leben“. Şehîd Mazlum zeigt mit seiner Entschlossenheit die Kraft des freien Willens und eines ideologischen Lebens. Mit seiner Aktion wurde er zur Legende in den Herzen und Gedächtnis aller KurdInnen. Sein Bruder Delîl Doğan fiel ebenfalls in den Reihen der PKK. Heval Delîl hat das bekannte Lied „Cane Cane“ geschrieben.
Heval Mehmet Hayri Durmuş, ein wichtiger Name innerhalb der Geschichte der Freiheitsbewegung, kommt ebenfalls aus Dep. Heval Hayri Durmuş war Gründungsmitglied der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), gleichzeitig auch Arzt, und einer der vier Freunde (Ali Çiçek, Kemal Pîr und Akif Yilmaz), die im 14 Juli 1982 im Diyarbakir Gefängnis mit dem Todesfasten begannen und später zu Märtyrern geworden sind. Sowohl sein Bruder Hüseyin Durmuş als auch seine Schwester Yıldız Durmuş sind in den Reihen der PKK gefallen. Şehîd Hayri Durmuş als auch Şehîd Mazlum Doğan waren im Redaktionsausschuss des Serxwebûn Verlages und haben zusammen mit Rêber APO 1978 das erste Manifest der Partei „Der Weg der kurdischen Revolution“ herausgebracht.
Auch Zeki Yılmaz ist innerhalb der Geschichte der PKK eines der ersten Revolutionären aus Dep. Aufgrund von revolutionären Arbeiten, die er vor der PKK führte, wurde Zeki 1974 festgenommen. Nachdem er im Gefängnis die „Kurdistan Revolutionäre“ kennen gelernt hatte, widmete er sich immer mehr der Revolution Kurdistans. Als Şehîd Haki Karer in Dîlok (Antep) erschossen wurde, entschloss er sich seinen neugeborenen Sohn Haki zu benennen. Als die Repressionen des faschistischen Staates immer mehr zunahm beschloss er sich den Bergen zu widmen. Eine Zeit lang befand er sich in den Bergen in Dep und Çewlîg. Am 23. August 1981 besucht er seine Familie in Kumik, doch dort wird das Haus vom türkischen Militär umzingelt. In dem bewaffneten Konflikt der entstand wurde Heval Zeki zum Märtyrer.
Im Jahre 2018 ist Delîl Karakoçan in den Medya-Verteidigungsgebieten gefallen. Dieser Genosse war ein wichtiger Kommandant im Zagros Gebirge. Er ist 1962 in Dep geboren, jedoch migrierte er in den 80er Jahren mit seiner Familie nach Deutschland. Das Leben in Deutschland erschien ihm als unerträglich, deshalb beschloss er 1992 auf die freie Berge zu gehen.

ÄHNLICHE ARTIKEL