Der richtige Weg ist der Weg der Menschheit

Die folgende Übersetzung der Rede von Rêber APOaus dem Jahre 1994 wurde redaktionell gekürzt und bearbeitet.

RÊBER APO

Sie sagten, sie würden die Kurden vernichten, aber zum ersten Mal in der Geschichte haben wir ihnen solche Schläge versetzt, dass wir uns gerächt haben. Niemand hatte sich in der Geschichte derartig gerächt. Immer wenn sie zuschlugen, blieb dies bislang ungestraft, aber diesmal rächen wir uns tagtäglich. Wir können uns nicht mit anderen Dingen beschäftigen als mit diesen. Es findet ein großer Krieg statt.
Die KurdInnen sind zu engstirnig, sie wissen nicht, sich den Grundproblemen zu widmen, sie haben sich nicht weitergebildet. In der Tat waren wir es selbst, die sich in den Abgrund fallen ließen. Die kurdische Identität, auf das wir geschworen haben, war tausendmal gestorben. Es gab keine Hoffnung für das Leben mehr. Heute werden diese Probleme beseitigt.
Unsere Menschen sind in Bereichen wie Politik, Unabhängigkeit und Krieg sehr schwach und dienen damit mehr dem Feind. Das wollten wir ändern; einiges hat sich auch verändert. Ich weiß nicht wie ihr euch das vorstellt, doch jemand, der sich nicht gegen den Feind erhebt, ist wertlos; Er ist, ob tot oder lebendig, haram und kann nicht akzeptiert werden. Auch solch ein Leben ist haram. Wir haben uns unter Folter und Feuer behauptet. Warum? Weil alles andere haram ist.
Ohne dieses Leben wäre weder der Glaube noch das Essen, Trinken und Leben helal. Was ist das für ein Leben? Ich stand auch meinem Vater und meiner Mutter gegenüber und fragte: „Was ist das?“ Was ist das für ein Leben, das man den Kindern bietet? Weder in der Zukunft noch in der Vergangenheit gibt es was zu bieten. Ich sagte ihnen, „ihr habt keine Kraft, ihr könnt auch nicht weiterhelfen, aber seid doch keine Hindernisse.“ Mit den Worten, „wenn ihr ein wenig tapfer seid, so stellt euch gegen euren Feind“, habe ich die Familie und das Dorf verlassen. Ich habe alle Freundschaften abgebrochen und mich von meinem 7. Lebensjahr bis heute diesem Weg gewidmet.

Entweder die Menschlichkeit oder der Tod

Was jedoch ist das Leben? Ich habe die Arbeiten so sehr vorangebracht. Trotzdem denke ich dennoch, dass ich eigentlich kein vollkommenes Recht auf ein einfaches Leben habe. Unser Leben dient nicht uns, es ist dafür da, um sich dem Kampf zu widmen. Das weiß auch der Feind, daher greift er uns an.
Der Feind hat jetzt schon begriffen, dass für uns ein Erfolg möglich ist. Er setzt uns vor die Entscheidung: Entweder Tod oder Unterwerfung. In der Tat, wenn sie die Möglichkeit dazu bekämen, würden sie uns nicht einen einzigen Tag am Leben lassen. Hier musst du dich von neuem erschaffen, dich beschützen und nicht weinend weglaufen. Du hast deine Berge, Waffen und deine Partei, dem musst du dich widmen. Mit Weglaufen und Weinen schaffst du nichts, du musst Widerstand leisten.
Ich habe ganz allein angefangen und es bis hierhin geschafft. Die ganze Welt und Geschichte stellte sich gegen uns. Doch Fakt ist, dass wir klargestellt haben: Entweder wollen wir wie ein Mensch leben oder sterben. Entweder Menschlichkeit oder Tod! Mit dieser Annäherung sind wir am heutigen Tag angekommen und zur Kraft geworden.
Seit tausend Jahren sterben Millionen für andere Menschen. Dein Land, deine Identität existiert nicht mehr, du wurdest bis auf die Wurzel ausgerottet. Warum befasst du dich nicht mit dir selbst? Warum bemitleidest du dich selbst nicht? Kann man sich denn dermaßen verleugnen? Kann man sich dermaßen gehen lassen? Was kannst du auf diese Weise erreichen? Wer wird dir auf dieser Erde einen Platz einräumen? Keiner wird dir seinen Platz geben! Auf welche Seite du dich auch immer stellst, man wird dich wie ein Spielzeug behandeln. Wirst du nach Europa oder Arabien gehen? Sie haben ohnehin keinen Platz für dich. Du hast dein Land, das dem Paradies gleicht, verlassen; Wo in anderen Ländern willst du einen Platz finden? Lasst uns vernünftig sein.
Wir sprechen von einer Bevölkerung von dreißig-fünfunddreißig Millionen Menschen, und sie besitzt nicht einmal einen Quadratmeter ihrer Heimat. Ihr bemitleidet die Jugendlichen. Die Jugendlichen, die ihr erzogen habt, können nicht mal richtig laufen. Ich habe mir den Kopf zerbrochen. Ich erkläre ihnen wie sie gehen sollen, wie sie den Feind abschätzen sollen, doch sie schaffen das nicht. Außer Zigaretten zu rauchen leisten sie nichts. Sie können ihren Verstand nicht einsetzen.
Ich erkläre ihnen: „Genosse, hör auf mit dem Geschwätz, dein Feind steht dir gegenüber. Heb‘ deinen Kopf und blicke deinen Feind an“, doch sie halten sich nicht daran.

Kühnheit bedeutet sich nicht täuschen zu lassen

Was bedeutet Kühnheit? Kühnheit bedeutet sich nicht täuschen zu lassen. Es bedeutet von der Realität nicht abzukommen, nicht bedeutungslos zu reden, und wie ein Kind bedeutungslose Dinge zu verlangen. Genau das schaffen sie nicht, sie akzeptieren den Tod. Seit fünfzehn Jahren befinde ich mich im Ausland. Ich war fürs Volk so geduldig, weil es notwendig war. Wenn es nicht um unseren Kampf ginge, hätte ich es keine fünfzehn Tage hier ausgehalten, geschweige denn fünfzehn Jahre. Ich beobachte unsere GenossInnen; Sie befinden sich an den Berggipfeln, ihre Plätze sind hundert mal besser als unsere. Trotzdem halten sie es nicht aus. Sie liefern sich dem Schlag des Feindes aus. Sie machen sich selbst zu ihrer eigenen Plage. Der Feind hat mit ihnen gespielt, sie geschwächt, daher können sie sich selbst nicht auf den Beinen halten. Das sind Probleme vor denen wir stehen. Wir werden uns Tag und Nacht mit ihnen beschäftigen.
Legen wir mal das Kämpfen beiseite – wie ihr wisst, hat der türkische Staat jegliche Aufstände niedergemetzelt. Er hat ihnen nicht einmal eine Woche oder 1-2 Monate Zeit gegeben, er hat sie alle liquidiert. So ist es in der Geschichte gewesen, niemand hat länger als drei Monate Widerstand leisten können. Gegenwärtig ist unser Feind hundertmal stärker als zuvor. Er besitzt alle Arten von Waffen, und hat mehr im Besitz als früher. Zuletzt war es im Süden, als Barzanî nicht mal vierundzwanzig Stunden Widerstand leisten konnte. Sobald die Unterstützung vom Ausland eingestellt wurde, lief er innerhalb von vierundzwanzig Stunden weg. Das einzige was er tat, war weglaufen.
Wir führen diesen Kampf seit Jahren selbständig. Der 15. August jährt sich zum zehnten Jahrestag. Der Feind hat tausende male Feldzüge gegen uns gestartet. Er sagte sogar selber, dass es in den letzten fünf Monaten mehr als tausend Offensiven gegeben hat. Alle erfolglos. Wenn man berechnet, dass es jedes Jahr zweitausend Offensiven gibt, dann macht das auf Dauer mehr als Zehntausende. Dennoch haben wir Widerstand geleistet. Es gibt eine Richtlinie: Wenn du nur einen Tag von deinen Prinzipien abkommst, gehst du zugrunde. Du musst dich Minute für Minute auf deine Prinzipien konzentrieren.
Ihr wisst, Saddam hat eine Bombe abgeworfen, schon sind sie weggelaufen und haben den Süden verlassen. Ihr wisst es ganz genau: Man hat in Duhok eine Bombe abgeworfen, daraufhin lief ihre ganze Führungskraft weg. Der Feind geht jeden Tag mit hunderten von Kampfflugzeugen und Panzern gegen uns vor, wirft tausende von Bomben ab. Dennoch schafft der Feind es nicht die Berge einzunehmen.
Das wichtige hierbei ist; wenn ein vernünftiger Mensch auf seinem Weg aufrichtig läuft, kann er große Erfolge erzielen. Wir haben alle vom Zerfallen bedrohten Angelegenheiten geklärt. Selbst, wenn eine Sache nur zu einem Prozent sicher war, haben wir sie gemeistert. Wir haben uns gegen den Feind behauptet.

Ich möchte euch nicht zum Sterben hier haben. Ihr seid hier fürs Leben

Wer seine Identität und seine Geschichte verleugnet, ist identitätslos. Selbst wenn du sie nicht verleugnest, würde der Feind dir einen Schlag versetzen. Das ist der schlimmste Tod: Du kannst weder dein Selbst ausdrücken, noch kannst du dich in Luft auflösen. Genauer gesagt, ist das ein halbtotes Leben! Ein Leben, das jeden Tag in Dunkelheit verkommt! Ein Mensch, der bei Verstand ist, kann dieses Leben nicht akzeptieren. So war es bei mir. Wir haben dieses harte Leben verlassen, haben uns mit uns selbst befasst, und uns ein neues Leben geschaffen. Diesen Kampf habe ich für meine eigene Würde begonnen. Ich sagte mir selbst, dass ich mich sonst nicht als Mensch bezeichnen kann. Ich war allein, habe auch niemanden um Hilfe gebeten. Im Gegenteil, ich habe jedem geholfen. Wir haben einigen Personen etwas beigebracht, sie zum Laufen gebracht und sie sind gelaufen.
Bis wann wirst du davonrennen? Warum haben wir das Kurdenproblem so stark thematisiert? Dies liegt darin begründet, dass wir uns furchtlos unserer Realität bzw. Wahrheit gewidmet haben. Das, was richtig gemacht werden sollte, haben wir gemacht. Die Kurdenfrage hat sich weltweit zur Pflicht gemacht. Millionen von Menschen geben sich mit ihrem Herz und ihrem Verstand dieser Frage hin. Sie müssten sich dieser immer mehr hingeben. Der Mensch ist dazu gezwungen, eine Lösung zu finden. Das Weinen bringt nichts.
Zu Beginn habe ich dies sowohl meiner Mutter als auch meinem Vater gesagt; Sie waren arm und konnten darum nichts Besonderes tun. Das einzig Gute, was sie in Bezug auf mich machten, war, dass sie mir nicht im Wege standen! Dies hätten sie sowieso nicht machen können. Sie wollten sich mir in den Weg stellen, jedoch habe ich ihnen dazu keine Möglichkeit gegeben. Ich habe ihnen gesagt: „Was habt ihr denn für mich gemacht, dass ihr nun etwas von mir verlangt? Ein Kind kann nicht landlos sein; Es gibt notwenige Dinge, Dinge die unentbehrlich sind!“ Ist es an dieser Stelle überhaupt noch möglich, dass sie antworten? Eure Kinder sind wahrscheinlich auch so: Sie wollen etwas von euch, das ihr ihnen jedoch nicht geben könnt. Die Konsequenz daraus ist, dass sie ihr Zuhause verlassen und der PKK beitreten, wobei sie dieser wiederum Schwierigkeiten bereiten. Wieso? Weil sie nicht bereit dafür sind. Bis ich ihnen einige richtige Dinge beibringe, schöpfe ich mich aus. Denn sie wissen nichts, weinen nur und sagen: „Versucht mich so auszuhalten, nehmt einfach hin wie ich bin.“ Das funktioniert nicht so.
Wir sind ausgeschöpfter als ihr es seid. Warum? Ihr sagt: „Ich bin zum Sterben gekommen.“ Ich möchte euch nicht zum Sterben hier haben. Ihr seid hier für das Leben. Es sterben sowieso so viele. Mir geht es ums Leben, nicht um den Tod! Märtyrertode geschehen, jedoch sollten sie am richtigen Ort und zur richtigen Zeit geschehen. Irgendwann sterben wir alle, doch sollte dieser Tag erst dann kommen, wenn man das Nötige erbracht hat. Nicht mal das können sie erbringen. Wenn ich dies sage, meine ich nicht, dass ihr schlechte Menschen seid. Darum geht es hier nicht. Es geht darum, dass man dem Feind mutig gegenübersteht. Es ist besser zu sterben, als ein Leben zu führen, bei dem man sich seinem Feind beugt und vor ihm auf die Knie fällt.

Der Feind möchte uns bis auf die Wurzeln ausrotten

Der Feind sagt, „Wir werden sie vernichten, sie eliminieren.“ Man muss sich selbst kennen. Wer ist dieser Feind? Wieso möchte er uns eliminieren? Selbst ein Schaf würde unter dem Messer Widerstand leisten. Es ist ein Feind, der dir nichts anderes wünscht als deinen Tod, weshalb du auch Widerstand leisten musst. Während der Feind dir deine Augen aussticht, schaust du ihn blind an? Das geht nicht! Du musst endlich deine Augen öffnen. Jeden Tag ertönt er, hör ihm zu. Du kannst nicht immer sagen: „Ich bin taub, stumm und blind“! Du hast sowohl Augen und Mund als auch Ohren, die du auf deinen Feind richten wirst.
Der Feind sagt doch „Wir werden dies und jenes aus unserem Weg räumen.“ Dann muss ich demgegenüber Widerstand leisten! Ich muss meine Arbeiten umso mehr erweitern und vergrößern. Wenn ich auch nur eine so kleine Chance, wie die Größe der Nadelspitze gefunden habe, muss ich diese in Möglichkeiten umwandeln. Sonst wäre es auch bedauernswert für mich. Ich sehe euch an; Ihr habt euch alle vollkommen auf den Boden geworfen. Wenn ich mich auch nur ein wenig so verhalten würde wie ihr, werdet ihr alle „oje“ sagen und weinen. Ihr seid dazu schon bereit, jedoch werde ich nicht in eure Falle tappen.

Freund: „Das stimmt auf jeden Fall.“
Rêber APO: Ist das nicht so? Wenn ich mich auch nur einen Moment gänzlich zurückziehe, so wird der Feind euch bis auf die Wurzel ausrotten. Was eine Schande, wenn der Feind dich bis auf deine Wurzeln ausrottet. Man wird nichts mehr von dir haben.
Was wollen sie mit den Jugendlichen auf den Bergen anstellen?“ Ich denke mehr an ihre Lage als sie es für sich tun. Sie selbst sind nicht so erschöpft, wie ich es bin. Stattdessen sind sie entspannt, sie sind bei guter Laune, doch sie denken nicht nach. Sie sind zwar mutig, jedoch ist Mut allein nicht ausreichend. Die Taktiken fehlen.
Ich vermute nicht, dass sie uns aus dem Weg räumen werden. Ich denke, dass sie selbst verschwinden. Sie sagen diese Dinge aus Angst. Wer sind Süleyman Demirel, Doğan Güreş und diese Frau namens Tansu Çiller, die sie vor uns aufgerichtet haben? Tag und Nacht sagen sie „Wir werden sie aus dem Weg räumen.“ Dann werden wir auch Widerstand leisten.

Freund: „Hoffentlich, hoffentlich.“

Rêber APO: Sie vertrauen uns zwar, aber einzig mit einem Menschen kommt kein Ende. Ich war jahrelang allein, aber nun steht ein ganzes Volk auf Beinen. Auch wenn eine Million von ihnen zu MärtyrerInnen werden, die Bevölkerung ist zum wiederholten Male bereit. Aus diesem Grund können sie uns nicht aus dem Weg räumen. Dennoch sollte man nicht schlafen. Man muss völlig aufmerksam sein, mehr Wissen ansammeln und koordinieren, sowie umso mehr zurückschlagen.
Ich möchte weder sie, noch mich zu sehr drängen, aber wir dürfen nicht einmal eine Minute unsere Feinde und unsere Freunde aus den Augen lassen. Wir werden verstärkter auf unsere Ziele eingehen. Wir werden dem Feind keine Chancen darbieten. Im Gegenteil, wir werden mit großem Geist, einer Weitsicht und einem großen Einsatz auf unsere Ziele hin arbeiten.
Unser Wunsch, der an euch gerichtet ist: Leistet auch ihr eine große Mühe in Bezug auf den Weg der Partei. Schöpft euch ein wenig aus. Dieser Weg ist mehr euer als mein. Wir haben ihm ein wenig gedient, dennoch muss nun eine größere Leistung von euch erbracht werden. Dieser Weg ist der Weg der kurdischen Gesellschaft. Für sie wurde ein Weg geöffnet, den man antreten sollte.
Erbringt all das ab heute, was ihr bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht machen konntet. Das ist die Chance, die seit tausenden von Jahren das erste Mal ermöglicht wird. Wenn es mit Sprache möglich ist, dann mit Sprache; wenn es mit Mut möglich ist, dann mit Mut; wenn es mithilfe von Materiellem möglich ist, dann mithilfe des Materiellen; wenn es das Leben kostet, dann das Leben; wenn es mit Waffen funktioniert, dann mithilfe von Waffen; wenn es mit Steinen möglich ist, dann mit Steinen! Kurz gesagt: Tut das Gute, was von euch verlangt wird. Löst euch von der alten Lebensweise, einer voller Intrigen und Unheil los. Begebt euch in großen Wahrheiten; haltet euch von billigen Sachen, von falschen Angelegenheiten fern. Integriert das Bauern- und Familienleben nicht viel in die Beziehungen zwischen euch und euren ParteigenossInnen. Wenn ihr auch nur ein wenig den Weg unserer Märtyrerinnen und Märtyrer fortführen wollt, diesem Weg dienen wollt, dann muss das so gemacht werden. Ihr habt kein Recht darauf, das Erbe unserer MärtyrerInnen auf einer anderen Art und Weise zu schützen.

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