DURAN KALKAN
Die Jugend hat innerhalb der Gesellschaft und in gesellschaftlichen Bewegungen eine wichtige Rolle. Dies ist allgemein bekannt. Es ist wichtig zuallererst die Rolle und den Platz der Jugend in der Gesellschaft zu verstehen und zu definieren. Die Jugend ist ohne Zweifel der dynamischste Teil der Gesellschaft. Es heißt, dass die Jugend die Zukunft sei. Es wir gesagt, dass Gesellschaften, welche keine junge Generation erziehen bzw. ausbilden keine Zukunft haben. Es ist die Jugend, die die Veränderungen verwirklicht, die Neues in der Gesellschaft aufbauen wird. Die Jugend bedeutet der dynamischste und jüngste Teil zu sein, der die gesellschaftliche Freiheit und Gleichheit sucht, vom Dreck der Macht und Staat nicht viel beeinflusst wurde und offen für ein demokratisch-kommunales Leben ist.
In Hinsicht für gesellschaftliche Bewegungen erklären Soziologen, dass Ideen der Gesellschaft von Außen nähergebracht werden. Auch revolutionäre Anführer bewerten dies als richtig. Wenn der Gesellschaft Bewusstsein und neue Ideen von Außen gebracht werde, ist es die Frage welcher äußerer Teil der Gesellschaft dies tut. Diese werden als Intellektuelle definiert. Sie spielen eine vorreitende Rolle für die Bestimmung der Zukunft der Gesellschaft und ihres Lebens.
Rêber APO hat die demokratische Nation als eine „Gesellschaft der ideellen und kulturellen Einheit“ definiert. Er hat die Bedeutung der kulturellen Einheit und Ideen für die Gesellschaft zum Ausdruck gebracht. Das heißt, dass die gedankliche Kraft wichtig ist, um eine Gesellschaft zu sein. Somit ist es wahr, dass das Bewusstsein von den Intellektuellen aufgebaut und in die Gesellschaft getragen wird. Doch in der gesellschaftlichen Bewegung spielt die Jugend immer die Rolle der Avantgarde. Auch wenn dabei immer verschiedene gesellschaftliche Kreise wirksam sein können, nimmt die Jugend immer den Platz ganz vorne ein. Wenn man die Intellektuellen als Gehirn der Gesellschaft bezeichnet, dann ist es die Jugend, die dieses Denken in eine Organisation und Aktion umwandet, sie als Motorkraft koordiniert.
Insbesondere in der damaligen Zeit, als versucht wurde ein politisches System nach dem Ersten Weltkrieg zu gründen, gab es in den verschiedenen Teilen Kurdistans, während verschiedenen Zeitabschnitten, ein ernsthaftes Massaker an Intellektuellen. Die in politisch und militärischer Hinsicht ganz vorne stehenden Kreise wurden ebenfalls von den Herrschenden geplant ermordet. Doch es ist der intellektuelle Kreis, den man versucht zu vernichten. Damit versucht man den Kreis zu beseitigen, der die Zukunft der Gesellschaft voraussagt. Dies prägte vor allem die Situation in der letzten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
In solch einer Atmosphäre gibt es in Kurdistan mit der Jugend zusammen eine neue Realität und Renaissance. In der neuen Jugend gibt es eine Bewusstwerdung, ein Kennenlernen der Welt. Eigentlich geht das Intellektuell-sein und das Jugend-sein ineinander über. Dies hat Rêber APO als “intellektuelle Jugend” bezeichnet. Er hat vor allem die Jugend als Grundlage genommen, die in den Oberstufen und Universitäten war. Im Kontext des kulturellen Genozids, hat er die Jugend in den Oberstufen und Universitäten als neue intellektuelle Kraft gesehen. Aufgrund des kulturellen Genozids wurde kein Gehirn übrig gelassen, das für die Gesellschaft denkt oder die Zukunft voraussieht. Rêber APO hat dies als eines der primären Besonderheiten des kulturellen Genozids als “Mentalitätsmassaker” und “gedanklichen Kolonialismus” definiert.
Dieser Prozess des Intellektuellen und Jugendlichen wurde in Kurdistan darauf ausgerichtet, dass die intellektuelle Jugend die Vorreiterrolle in der Herrschaft der türkischen Nation gegen die kurdischen Gesellschaft einnimmt, sodass die intellektuelle Jugend die Vorreiter des kulturellen Genozids werden. Dieses Ziel lässt der hinterfragende Blick der Jugend ins Leere laufen. Es gibt eine innere Hinterfragung. Denn es herrscht eine gesellschaftliche Realität vor. Wenn mit dieser Realität eine Verbindung aufgebaut und die Geschichte reflektiert wird, entwickelt sich genau das Gegenteil des gewollten, nämlich die Entwicklung einer eigenen Haltung als kurdische Jugend und kurdische Intellektuelle. Natürlich können diejenigen, die von ihrer Realität entfernt bleiben und die an der aufgezwungene Realität festhalten, Repräsentanten der türkischen Sprache, Kultur und Denkens sein und damit eine Vorreiterrolle im kulturellen Genozid gegen die KurdInnen einnehmen.
In solch einer Situation hat Rêber APO einen Vorstoß gewagt und eine Entschlossenheit für die Freiheit, Unabhängigkeit und Demokratie Kurdistans und der kurdischen Gesellschaft vorgebracht. Mit der PKK ist im Grunde eine vorreitende intellektuelle Jugend entstanden, die eine gegenteilige Haltung und ein alternatives Leben zum organisierten kulturellen Genozid entwickeltet hat. In diesem Sinne ist die PKK als eine Jugendbewegung geboren.
Rêber APO ist als ein Jugendanführer hervorgetreten. Er ist innerhalb der studierenden Jugend mit einer nahen Beziehung zur revolutionären Jugendbewegung der Türkei hervorgegangen. Seine erste Organisierung und Aktion hat er innerhalb der revolutionären Bewegung umgesetzt. Rêber APO hat sich sowohl in der Zeit vor und nach dem Putsch vom 12. März 1971 in der revolutionären Jugend der Türkei organisiert. Die Praxis während Ankara Demokratik Yüksek Öğrenim Derneği (Demokratischer Hochschulverband in Ankara) zeigt dies klar und deutlich. Doch hierbei gab es einen Unterschied: Während er für die revolutionäre Jugend der Türkei Aktionen organisierte, hat er darin auch die kurdische Realität, die kurdische Freiheit und auch eine Idee für die Lösung der kurdischen Frage, die im Zuges des 1. Weltkriegs vom System der kapitalistischen Moderne geschaffen wurde, vertreten.
In diesem Sinne ist die PKK eine Jugendbewegung aber keine objektiv entstandene Jugendbewegung, sondern eine mit den Ideen, Gedanken Rêber APOs gebildete und geformte Jugendbewegung – eine apoistische Jugendbewegung. Deshalb muss man zu dem Titel kurdische Jugend auch apoistische Jugend sagen. Denn es gibt eine Jugend die anders ist. Rêber APO hat in der Entwicklung der PKK davon gesprochen, dass es zwei Kurden gibt: Einmal den versteinerten Kurden, also den Kurden, der zum Fossil geworden ist, und einmal den freien Kurden. Einerseits KurdInnen wie Barzani, andererseits apoistische KurdInnen. Das gilt vor allem für die Jugend. Deshalb sollte man keinen objektivistischen Blick haben. Man sollte nicht mit einer objektivistischen Logik denken, dass die Jugend als gesellschaftlich, als Gruppe existierte, diese in den Schulen aufgeklärt wurde und sich auf Grund dessen innerhalb des türkischen Bildungssystem eine intellektuelle Jugend gebildet habe, aus welcher dann Rêber APO und die PKK entstanden. Solch eine Logik ist falsch, um die Realität Rêber APOs, der PKK, als auch die Jugendbewegung zu verstehen. Wir können zwar sagen das dies als eine objektive Entwicklung innerhalb der Jugend und revolutionären Bewegungen entstanden ist, es ist jedoch eine historische Realität, dass im Gegensatz zu den gegen die kurdischen Gesellschaft aufgezwungenen und zwangsläufig scheinenden Entwicklungen eine kurdische Existenz und Freiheit entstanden ist. Deshalb betrachtet das globale kulturelle System die PKK als etwas widersprechendes. Es wird abgelehnt. Die PKK drückt eine Loslösung vom globalen Macht und Staatensystem und der kapitalistischen Moderne aus.
Die Loslösung der PKK vom machtbasiertem staatlichem System, ihre damit verbundene philosophische und ideologische Haltung ist radikal. Dies bedeutet, dass solch ein gedankliches System und solch eine Aktion ganzheitlich, nachhaltig und produktiv ist. Sie kann unter jeden Bedingungen kämpfen und sich selbst behaupten. Das ist die wichtigste Antwort auf die Frage: “Wie wurde solch eine Bewegung erreicht? Wir konnte sie von einer Jugendorganisation zu einer Bewegung werden, die den ganzen Mittleren Osten und die Welt beeinflusst?” Man kann die PKK nicht mit anderen Bewegungen vergleichen. Dies sind nämlich die wesentlichen Unterschiede.
Als zweite Ebene muss die Verbindung zur Realität Kurdistans, der kurdischen Realität, und die Situation des 20. Jahrhunderts betrachtet werden. Solch ein Genozid der gegen die KurdInnen angewandt wurde, wurde sonst gegen keine andere Gesellschaft angewandt. Der Kern des kurdischen Genozids ist die Assimilation. Die Assimilation ist nicht wie man denkt, die kurdische Sprache zu vergessen und türkisch zu sprechen. Die Assimilation wendet sich nicht nur gegen die Sprache. Die Assimilation nur darauf zu begrenzen vereinfacht den kulturellen Genozid.
Rêber APO bewertet Genozid als Assimilation und redet von „kultureller Genozid und Assimilation”. Im Kern der Assimilation steht der Angriff auf die Mentalität. Die Assimilation des Gedankens hat er auf die Weise definiert „die Unfähigkeit die eigene Zukunft zu sehen”. Unabhängigkeit wird von gedanklicher Unabhängigkeit und Freiheit repräsentiert. Frei zu denken bedeutet ein freies Individuum und eine freie Gesellschaft zu sein.
Die PKK ist keine Bewegung von sehr starken Soldaten, sehr großen Politikern und einer sehr straffen Organisierung An diesem Punkt müssen wir akzeptieren, dass die Organisation der Bolschewiki, die die Russische Revolution umsetzte, sehr viel straffer und systematischer war. Folglich rührt die Stärke der PKK nicht daraus her diese zu überwinden. Im Gegenteil gibt es darüber hinaus zwei Dimensionen. Zum einen ist es die Aktion, die aus der großen Wut und dem Zorn gegen die Assimilation entsteht, wenn die Assimilation der Gesellschaft vor Augen geführt wird. Dies hat den Widerstand vergesellschaftet. Zweitens ist in solch einem Kampf das Niveau von Mut und Opferbereitschaft sehr hoch. Deshalb ist die PKK solch eine Fedai-Bewegung1. In der Geschichte sind viele Fedai-Bewegungen entstanden, doch blieben diese mechanisch. Sie nutzen die Menschen wie Werkzeuge. Die PKK ist nicht so engstirnig, sie nutzt Menschen nicht als Bomben aus. Es ist eine von den Menschen selbst entwickelte Opferbereitschaft, Bewusstsein und Organisierung. Es gibt keine Bewegung wie die PKK, die so viel Mut und Opferbereitschaft, hervorgebracht hat.
Das Wachsen der PKK hängt auch damit zusammen diese Realität zu sehen und die Menschen und Gesellschaft aufzuklären, sowie zur Aktionskraft zu verwandeln. Das ist die wichtige Antwort auf die Frage wie eine kleine Jugendgruppe zu einer revolutionären Bewegung wurde, die die ganze Welt beeinflusst. Rêber APO sagt: „Die größte Technik ist der Mensch. Andere schaffen Energie durch die Spaltung von Atomen, wir werden die Energie durch das Verständnis der gedanklichen, emotionalen und seelischen Realität der Menschen schaffen”. Und er hat wirklich eine Widerstandsbewegung hervorgebracht, die keine Technik aufhalten kann, alle mögliche Technik ins Leere laufen lässt. Sie hat bewiesen das die Kraft des Menschen über jeder Energie steht. Das ist eine sehr wichtige Dimension, die die PKK vergrößert hat und widerständig gegen jede Art Angriff gemacht hat. Es ist also der große Erfolg Rêber APOs und der PKK, die Wut und Zorn der kurdischen Gesellschaft gegen das Genozid auf Kurdistan zu entfesseln und Bewusstsein, Organisation und Aktion zu schaffen.