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Die Frau in der heutigen Gesellschaft

by rcadmin

ARIN AGIR

Die kurdische Gesellschaft kämpft seit mehreren Jahren für ihre Freiheit. Für die Freiheit der Nation, Sprache, Kultur und für ein freies Kurdistan. Doch wir als Frauen auch für die Befreiung der Frau. Rêber Apo betont immer wieder: „Die Revolution beginnt mit der Befreiung der Frau. Wenn die Frau nicht frei ist, kann der Mann und die Gesellschaft auch nicht frei sein“.

Betrachten wir die Frauen in der kurdischen Gesellschaft etwas näher. Es ist beschämend, wenn eine Frau in der kurdischen Gesellschaft ihre Meinung frei äußert. Dass Umfeld reagiert sofort empört und wandelt diese Stärke einer Frau in Respektlosigkeit um. Es wird psychischer Druck auf sie ausgeübt, indem die patriarchale Gesellschaft diese Autorität der selbstbewussten Frau in eine beschämende und charakterlose Kategorie schiebt. Die Frau wird somit aus der Gesellschaft gestoßen. Selbst die Frauen ziehen bei diesem Spiel mit und üben Drück auf ihr eigenes Geschlecht aus.

Doch wieso ist es so, dass selbst die Frau gegen die Stärke der anderen Frau herzieht?
Ganz klar; die Frauen in der kurdischen Gesellschaft sehen den Mann als Zentrum. Sie möchte dem Mann in jeder Hinsicht gefallen. In der kurdischen Gesellschaft läuft das System nämlich unter dem Motto eine gute Frau ist die, die ihre Rolle als Hausfrau, Mutter und Ehefrau in vollen Zügen übernimmt und sich stets damit zufriedengibt, ohne Auflehnung, ohne Hinterfragung, ohne zu motzen oder zu meckern.
Die Frau hat sonst keine weiteren Verpflichtungen. Doch wenn es dazu, dass die Frau sich gegen diese Art des Lebens auflehnt, diese Ungerechtigkeit nicht akzeptiert, geschieht folgendes; Die Angst wächst in den Mann, er fühlt sich angegriffen und schaltet auf Verteidigungsmodus. Die feudale Mentalität des Mannes steht nun im Vordergrund und er übt psychischen und physischen Druck auf die Frau aus, bis sie kleinlaut nachgibt. Fakt ist, und das sollten wir uns immer vor Augen führen: „Die stärkste Waffe einer Frau ist die Bildung“.

Doch wie definieren wir Bildung eigentlich?
Bildung bedeutet nicht, dass die Frau eine hohe schulische Ausbildung erhält besucht oder im Berufsleben eine hohe Stellung übernimmt. Klar ist der schulische und berufliche Werdegang auch wichtig für das Stärken der geschwächten Eigenschaft der Frau. Dazu zählt, das lesen, rechnen und schreiben lernen. Diese sind wichtige Grundvoraussetzungen für die Frau, geschweige denn für den Menschen an sich.

Die Richtlinie nach der man sich bei der Bildung halten kann, ist der immer währende kontinuierliche Prozess. Das Lernen und sich jeden Tag aufs Neue zu entfalten und seinen Wissensstand zu erneuern, ist ein Prozess, der kontinuierlich andauern muss. Deshalb ist es wichtig, dass der Mensch und vor allem die Frau sich nie vollkommen fühlen. Denn diese Vollkommenheit führt zu Arroganz, Hochnäsigkeit, Selbstverliebtheit und Neid.

Die Frauen kämpfen seit Jahrzehnten für ihre Freiheit, Anerkennung und Akzeptanz. Aber einige haben ein falsches Verständnis von Freiheit. Es wird für die selben Rechte wie die des Mannes gekämpft. Man möchte so sein wie der Mann und sieht dies als Tür zur Freiheit. Einige arbeiten hart auf die Position des Mannes hin. Somit verliert die Frau ihre eigentliche Eigenschaft als Frau und nimmt immer mehr die Merkmale des Mannes an.

Diese aufgezählten Charaktereigenschaften, die ich eben aufgelistet habe, sind eine gute Skizze um die Frau im Kapitalismus zu beschreiben und ihre Rolle in der Gesellschaft zu schildern. Zu Beginn ist es wichtig zu Erkennen, dass die Frau in der kapitalistischen Moderne als ein Sexobjekt zur Show gestellt wird. Der Kapitalismus ist der Staat. Der Staat ist männlich, feudal und patriarchal. Das heißt, alles was die Frau betrifft ist vom Mann erschaffen worden und wird vom Mann gelenkt. In der kapitalistischen Moderne, wird der größte Feind einer Frau, die Frau selbst. Die Frauen werden aufeinandergehetzt. Jede Frau sieht sich dazu gezwungen sich dem Mann zu beweisen. Dies führt zur Konkurrenz unter den Frauen.

Andauernd wird der Schwerpunkt darauf gelegt, wer;

den optisch attraktiveren und besseren Beziehungspartner hat,
die teuerste modische Kleidung und Schuhe besitzt,
die schönere und hochqualitativere Wohnimmobilie hat,
eine höhere berufliche Karriere zu haben, als die der anderen Frau,
hübscher, größer und schlanker ist.

Übrigens ist es wichtig noch zu erwähnen, dass das optische Schönheitsbild der Frau eine sehr sensible Position einnimmt. Durch Schleichwerbung, wird auf sehr üble Weise den Frauen vorgezeigt, wie das perfekte Erscheinungsbild einer Frau auszusehen hat. Deshalb ist die Frau auch ständig auf der Suche nach einer Veränderung, sie ist nie zufrieden mit sich und findet andauernd Mängel an ihrem Aussehen. Bei den Frauen deren optisches Erscheinungsbild nahe an dem Vorzeigebild ist, entwickelt sich, Arroganz, Hochnäsigkeit, Selbstverliebtheit und Perfektionismus. Bei den Frauen, die sehr weit entfernt von dem Vorzeigebild sind, entwickelt sich Unsicherheit, Unvollkommenheit, Unzufriedenheit, Mangel an Selbstbewusstsein, Stärke und Mut.

Das Beängstigende an der Sache ist, dass die Frau diese Rolle als schwächeres Geschlecht akzeptiert und sich darin wohl fühlt. Sie sehnen sich nach einem starken, kräftigen, mutigen, und bestimmenden Mann. Sie sind der Überzeugung, dass eine Frau solch einen Mann benötigt, da die Frau angeblich eine standhafte Schulter benötigt, die sie stützt und ihr ein Gefühl von Sicherheit gibt.

Doch woher kommt diese Einstellung von Seiten der Frau dem Mann gegenüber?
Die Geschlechteraufteilung in der heutigen Gesellschaft beginnt bei der Geburt. Bereits im Kleinkindalter werden die Rollen aufgeteilt und den jeweiligen Geschlechtern zugeteilt. Die Mädchen tragen oftmals pink und rosa, dazu viel mit Blümchen, Glitzer, Schleifen und Herze. Spielmaterial ist auch den jeweiligen Geschlechtern zugeteilt. Puppen, Back- und Kochspiele sind Mädchenspiele. Sie ist das sensible, schwache, hilflose und ruhige Geschlecht. Diese Aufteilung führt dazu, dass die Frauen stets als das schwächere Geschlecht angesehen werden. Sie werden schon von Beginn an, in die Hausfrauenrolle kategorisiert. Bei den Jungen ist es anders, da wird oftmals zur blauer oder grüner Farbe gegriffen. Autos, Flugzeuge, Hubschrauber, Ritter und Burgen sind den männlichen Kindern zugeordnet. Somit wird der Mann als der starke Held angesehen. Er ist die Heldenfigur und der Hauptdarsteller, der die Menschheit vor dem Bösen schützt und rettet. Er hat die Macht, Autorität und die Dominanz die Herrschaftsrolle zu bewältigen.

Was ich euch mit diesem Text übermitteln will ist, dass ihr euch nicht auf das Spiel einlassen müsst. Ihr müsst eure Kraft und euer ganzes Wissen sammeln und gemeinsam stark werden. Ihr müsst euch immer wieder ins Bewusstsein bringen, dass die Natürlichkeit der Frau nicht so ist, wie ihr sie zu denken wisst. Die heutige Gesellschaft in der wir leben, die selbstverständlich auch vom Staat gelenkt wird, verkauft die Frau auf eine schreckliche und eklige Weise, als eine moderne Sklavin an die männliche Mentalität. Macht eure Augen auf und wehrt euch gegen diese Versklavung, denn die Natürlichkeit einer Frau ist in keiner Weise so wie es der Staat zum Vorschein bringt. Die Schönheit einer Frau ist im Grunde in der Natur wiederzufinden. Wir Frauen sind bunt, wir sind die, die Leben geben. Wir sind rein im Herzen und immer wohlwissend. Die Gutmütigkeit und die Wärme, die in uns verankert ist, strahlen wir auch nach außen aus. Wir glauben an das Gute der Menschen, weil wir selbst die Schönheit in uns tragen. Wir Frauen sind mit der Natur verschmolzen und nichts auf dieser Welt und vor allem kein Mann dieser Welt, kann uns von unseren Wurzeln trennen. Nicht umsonst heißt „Jineologie“ die Wissenschaft der Frau und zugleich auch Lebenswissenschaft. Den „Jin“ ist kurdisch und bedeutet „Frau“. „Jin“ wiederrum stammt vom kurdischen Begriff „Jiyan“ ab, welcher „Leben“ bedeutet. „Logie“ stammt vom griechischen Begriff für „Wissen“ ab. Es gibt noch so viel zu erwähnen, doch wichtig ist zu Wissen, liebe Genossinnen, wir Frauen müssen aufwachen und wachsam in die Welt blicken. Ab sofort müssen wir alles, was mit der Frau in Bezug kommt, hinterfragen. Denn nur so können wir die Suche nach unserem eigentlichen Ich voranbringen. Unser großes Ziel ist die Befreiung der Frau. Doch um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir uns immer wieder kleine Ziele setzen und diese langsam erreichen. Denn es ist wichtig für uns, dass wir Erfolgserlebnisse erleben um uns für diesen schweren Weg zu motivieren, um an unser großes Ziel zu gelangen. Wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, das uns auf diesem Weg viele Steine gelegt werden, doch wir sind stark und nichts kann uns aufhalten, wenn wir Frauen zusammenhalten und unsere Stärke vereinen!

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