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Die Neudefinition der Gesellschaft-3

by rcadmin

Dieser Text ist eine Übersetzung aus dem fünften Verteidigungsbuch “Kültürel Soykirim Kiskacinda Kürtleri Savunmak” von Rêber APO.

Die Demokratische Nation ist diejenige Form von Nation, die kein Individuum ohne Kommune und Verantwortungsbereich lässt

Ein weiteres wichtiges Standbein der Demokratischen Nation ist die Kommunenökonomie. Genauso wie der Monopolismus Grundlage der kapitalistischen Ausbeutung ist, ebenso sehr ist die kommunale Ökonomie Grundlage der Wirtschaft der Demokratischen Nation. Die Demokratische Nation und die Demokratische Moderne bauen auf der kommunalen Ökonomie auf. Wir müssen an dieser Stelle nicht zu sehr auf die Kommunenökonomie eingehen. Je nach den Bedürfnissen können diese Kommunen, angefangen von einer einzelnen Familienkommune bis zu einer Vielzahl von Kommunen, innerhalb der Demokratischen Nation ausgeweitet werden. Landwirtschaftliche Kommunen und Kommunen von kleinen Fabriken sind an erster Stelle als Beispiel anzuführen. Hinzu kommen Kooperativen mit den verschiedensten Zielen, Gesundheitskommunen und Bildungsarbeit betreibende Kommunen. Wichtig ist, dass die Kommunen nicht von vornherein gebildet werden, sondern dass sie je nach den verschiedenen Bedürfnissen mit der jeweiligen Zielsetzung gegründet werden. Ziel sollte sein, dass kein Individuum ohne zugehörige Kommune bleibt. Die Demokratische Nation ist diejenige Form von Nation, die kein Individuum ohne Kommune und Verantwortungsbereich lässt. Ein Individuum, das zu keiner Kommune gehört, gleicht einem kranken, entfremdeten Individuum. Auf der Erde, auf der sich die Gesellschaft in Form von Kommunen entwickelt hat, schlägt nun der Nationalstaat mit seinem zerstörerischen Industrialismus und seinem Drang nach endloser Kapitalakkumulation Wurzeln. Um dem entgegenzuwirken, braucht es die Revolution der Demokratischen Moderne mit ihrer Demokratischen Nation, der kommunalen Ökonomie und der ökologischen Industrie. Dies wäre eine der größten Revolutionen in Richtung einer demokratischen, gleichberechtigten und friedlichen Gesellschaft. Die Demokratische Nation und die kommunale Ökonomie werden selbstverständlich nicht die Technologie und Industrie an sich negieren. Ganz im Gegenteil, diese Moderne wird die Wissenschaft und die Technologie weiter fördern. Hier kommt dann auch der wahre Zweck der Industrie für die Gesellschaft wieder zum Vorschein. Denn die Industrie und die Technologie sind nur insofern wertvoll, als dass sie für die Gesellschaft als Ganzes von Nutzen sind. Die moralische und politische Leitung muss selbstverständlich diesen Nutzen zunächst einmal prüfen und bestimmen. Insgesamt liegt es also nicht im Interesse der kommunalen ökologischen Ökonomie, den Industrialismus und die Industrie zu verleugnen oder zu vernichten. Sondern sie sollen das Leben in der Demokratischen Moderne vervollständigen.

Die Ökonomie wird zu keinem Bereich mehr, in dem endlos Kapital akkumuliert werden kann

Die Waffen der Demokratischen Moderne gegen die drei Waffen der kapitalistischen Moderne, also die endlose Kapitalakkumulation, den Nationalstaat und den Industrialismus, sind die Demokratische Nation, die Kommune und die Ökologie. Die Demokratische Moderne bezweckt hierdurch nicht allein, die barbarischen Auswirkungen des Kapitalismus auf die Gesellschaft zu beschränken, sondern die Kontrolle der Gesellschaft über die Ökonomie wiederherzustellen. Der Inhalt der ökonomischen Autonomie gleicht dadurch weder dem Privat- noch dem Staatskapitalismus. Ihr Inhalt stellt die demokratische Wirtschaft auf der Basis einer ökologischen Industrie und der kommunalen Wirtschaft dar. Die Grenzen, die der Industrie, dem wirtschaftlichen Aufschwung, der Technologie und dem Privateigentum gesetzt werden, sind diejenigen Grenzen, welche die ökologische und demokratische Gesellschaft schützen. Es gibt keinen Platz für Industrie, Technologie, wirtschaftlichen Aufschwung und Verstädterung, die der Ökologie und der demokratischen Gesellschaft zum Nachteil gereichen. Die Ökonomie wird zu keinem Bereich mehr, in dem endlos Kapital akkumuliert werden kann. Innerhalb der ökonomischen Autonomie wird die Kapitalakkumulation auf ein Minimum begrenzt. Das Diktat der Kapitalakkumulation wird gebrochen, aber dies bedeutet nicht, dass der Markt, der Handel, die Vielfalt an Produkten und das Konkurrenzverhalten per se verboten werden. Der Finanzmarkt wird nur in dem Maße aufrechterhalten, als dass er zum Nutzen der Gesellschaft ist. Die Möglichkeit allerdings, „das Geld arbeiten zu lassen“, also Geld ausschließlich durch Geld zu verdienen, wird als die primitivste Form der Ausbeutung angesehen und innerhalb der ökonomischen Autonomie verboten werden.

Für die Demokratische Moderne ist die „heiligste Arbeit“ der Natur- und Umweltschutz

Zu den wertvollsten Arbeitstätigkeiten werden der Naturschutz und die Bewaldung der Umwelt gehören. Die Förderung dieser Tätigkeit würde allein ausreichen, um über riesige Zeiträume hinweg Arbeitslosigkeit zu unterbinden. Für den Kapitalismus ist die „heiligste Arbeit“ dort zu suchen, wo die Profitspanne am größten ist. Für die Demokratische Moderne ist hingegen die „heiligste Arbeit“ der Natur- und Umweltschutz. Denn ohne Kapitalismus und Industrialismus kann die Gesellschaft problemlos fortexistieren, aber ohne Erde und Bäume funktioniert dies nicht. Ohnehin wurzelt die systemische Arbeitslosigkeit darin, dass der Kapitalismus die Menschen von ihrer Erde, ihren Dörfern und ihren Wäldern entwurzelt hat. Für den Kapitalismus ist die Arbeitslosigkeit eine Notwendigkeit, um über ein Heer billiger Arbeitskräfte zu verfügen. Deshalb wird die Arbeitslosigkeit durch das System permanent künstlich reproduziert. Eine Rückkehr zum ökologischen Leben würde demgegenüber nicht nur der Arbeitslosigkeit ein Ende bereiten, sondern auch der krebsgeschwürartigen Verstädterung ein Ende setzen. So würde das ökologische Leben auch die Stadt retten. Die Verstädterung, welche die Städte wie einen Tumor wuchern lässt, ist eine krebsartige Krankheit. Die Krebserkrankung einzelner Menschen entsteht ohnehin nicht selten durch dieses städtische Leben, genauso wie eine Vielzahl anderer Krankheiten. Deswegen ist die Rückbesinnung auf die eigene Erde, die Bewaldung und die ökologische Landwirtschaft nicht nur eine Lösung für die Arbeitslosigkeit, sondern auch das Gegengift für eine Vielzahl städtischer Krankheiten. Es handelt sich bei dem Besprochenen um eine wirtschaftliche Organisierung, die der Natur des Menschen am nächsten kommt. In der Kommune gibt es keinen Platz für Arbeit, die nicht im Sinne der Gesellschaft ist und aus Zwang getätigt werden muss. Wir sprechen von einer Art des Lebens, die in der Menschheitsgeschichte stets als heilig und erstrebenswert angesehen wurde. Die ökonomische Autonomie ist das Rückgrat der Demokratischen Nation und somit ebenso bedeutsam wie die Selbstverteidigung der Gesellschaft. Genauso wenig wie die Gesellschaft ohne ihre Selbstverteidigung fortexistieren kann, ebenso wenig kann sie es ohne ihre ökonomische Autonomie, den Schutz ihres Bodens, der Bewaldung ihrer Umwelt und einer ökologischen und auf der Kommune basierenden Ernährung. Wenn die Gesellschaft die Kontrolle über ihre Ökonomie verliert, ist sie zum Niedergang verurteilt. Eine vollständige ökonomische Unabhängigkeit mag zwar eine unerreichbare Utopie sein, aber die Möglichkeit einer Ökonomie, bei welcher der gegenseitige Nutzen im Vordergrund steht und die interne Autonomie der Einheiten weitgehend garantiert wird, ist eine reale Möglichkeit unserer Gegenwart.

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