Die Rolle der Waffen in Kurdistan und im Mittleren Osten

In letzter Zeit wird sehr oft in den türkischen Medien darauf beharrt, dass die Waffen vonseiten
der PKK niedergelegt werden. Die Medienapparate des türkischen Staates stellen hier ein Bild dar, als
würde alles davon abhängen, dass die Gerîlla ihre Waffen niederlegen. Dabei stellt man sich natürlich die
Frage, wieso der türkische Staat sich so sehr auf die Niederlegung der Waffen konzentriert.

RÜSTEM KURTAY

Selbstverteidigung ist das legitime Recht eines Volkes

Es liegt klar in der Natur des Menschen, dass er/sie sich verteidigt. In der Verteidigung gibt es drei Faktoren: als Erstes haben wir die Verteidigung des eigenen Daseins, indem man sich vermehrt. Als Zweites haben wir die Verteidigung, indem man sich ernährt. Der dritte Faktor ist die Verteidigung gegen äußere Angriffe. Diese Faktoren werden durch die Geschichte in vielen Hinsichten belegt. Kurz gesagt; der Mensch kann sein „Dasein“ nicht schützen, wenn der Verteidigungsmechanismus nicht vorhanden ist. Diese Verteidigung kann hier auf keinen Fall der Staat erfühlen. Der Staat ist eine Institution, die nicht an das Wohl der Gesellschaft denkt. Ganz im Gegenteil, der Staat ist der Grund, dass die Vielfalt der Gesellschaft immer weiter verloren geht und eine eintönige „Gesellschaft“ errichtet wird. Erdogan sagt hierzu: „Es kann in der Türkei nur ein Volk, eine Sprache, eine Nation und eine Religion geben“. Sogar von der Gesellschaft zu sprechen, wäre hier der Mentalität des Staates nicht angepasst. Viel mehr wird alles gesellschaftliche ausgelöscht und das Individuum ins Zentrum gebracht. Es wird dem Menschen eine individuelle Freiheit zugesprochen, die sehr beschränkt ist und im Gegenzug nimmt die Versklavung an Legitimität an. Denn nur durch die Gesellschaft wird der Mensch frei. Die kapitalistische Moderne ist die moderne Versklavung der heutigen Zeit. In diesem System werden andere Gesellschaften, andere Religionen, andere Sprachen, andere Meinungen und andere Farben nicht akzeptiert. Mit der speziellen Kriegsführung durch die moderne Technik verleiht es dem Ganzen noch eine ganz andere Form.  Kulturelle und Soziale Genozide werden hier in die Tat umgesetzt. In einem Zeitalter, in der die Unterdrückungen und Versklavung seinen höchste Form angenommen hat. Wie am Anfang schon gesagt, liegt es in der Natur des Menschen, dass er/sie sich dagegen verteidigt. Natürlich spielt hier nicht nur die körperliche Verteidigung eine große Rolle. Es ist wichtig, dass der Mensch sich in jeder Hinsicht verteidigt. Ob durch diplomatische, kulturelle, organisatorische, soziale oder ideologische Arbeit.

Der Mittlere Osten

Der Mittlere Osten hat weltweit eine unvergleichbaren Rolle bzw. Situation. Hier, wo die ersten Zivilisationen entstanden sind und auf der ganzen Welt einen großen Einfluss hinterlassen hat, herrscht momentan der 3. Weltkrieg. Es wäre nicht falsch zu sagen, dass es sich hier um den größten und längsten Krieg handelt. Der Mittlere Osten, der den Ursprung der menschlichen Geschichte in sichverbirgt, hat eine große Bedeutung und dies ist den hegemonialen Mächten bewusst. Denn wer über den MittlerenOsten herrscht, herrscht somit auch über die Ursprung der Menschheit und kann dadurch großen Einfluss auf die ganze Welt ausüben. Ein Krieg zwischen der kapitalistischen Moderne und der demokratischen Moderne. Dieser Krieg dauert schon seit 5.000 Jahren an. Da der Mittlere Osten so eine Mentalität mit sich bringt, kann man nicht ohne Waffen im Mittlerem Osten überleben bzw. sich verteidigen. Die Waffen haben deswegen eine große Bedeutung im Mittlerem Osten. Die orientalische Denkweise bzw. die westliche Denkweise setzt hier auf eine „politische Lösung“, um die Konflikte zu lösen. Aber das trifft im Mittleren Osten nicht zu. Ein gutes Beispiel wäre wohl der Irak-Krieg. Immer noch herrscht ein Durcheinander, der durch die westlichen Mächte entstanden ist. Eine weiteres Beispiel ist deutlich an den Wahlen in der Türkei zu erkennen. Obwohl man versucht hat einen Friedensprozess zu führen, um die Probleme zu lösen, wurden immer wieder Provokationen, Hinrichtungen usw. seitens der türkischen Regierung ausgeführt. Hier erkennt man noch einmal deutlich, dass eine Gesellschaft, Sprache, Kultur, Ideologie, oder Meinung ohne eine Selbstverteidigung nicht überleben kann.

15. August – der Beginn des bewaffneten Kampfes

Es ist wohl eines der bedeutendsten Ereignisse in der kurdischen und menschlichen Geschichte – der 15. August und der Beginn des bewaffneten Kampfes. Der 15. August muss in der Geschichte wohl am besten interpretiert werden. Eine falsche Interpretation würde der Bedeutung des 15. August nicht entsprechen.
Nach der Niederlage von 28 Aufständen von Stammesführern, die durch Massaker, Verfolgung, Folter, Verleugnung und Versklavung niedergeschlagen wurden, verwandelte sich Kurdistan in ein Grab. Dieser Grab der vom Feind errichtet wurde und durch Beton bedeckt wurde, löscht alle Hoffnungen der Kurden. Auf diesem Grab stand geschrieben „der Traum von einem freiem Kurdistan liegt hier begraben“. Nun befanden sich die Kurden in einer Situation, wo sie sich selber assimilierten und sich für ihre Sprache, Kultur und Herkunft schämten. Eine erniedrigende Vernichtungspolitik, die fast ihr Ziel erreicht hätte. Der 15. August brachte dem Ganzen ein Ende. Die drei Buchstaben PKK hat durch den Genossen Egît (Mahsum Korkmaz) eine neue Hoffnung in den Herzen der Kurden erweckt. Würde es den 15. August nicht geben, gäbe es vielleicht so etwas wie die Kurden nicht. In so einer Realität haben sich die Kurden befunden. Es ist wichtig dem eine Bedeutung zu geben. Keine Selbstverteidigung bedeutet kein Dasein Die türkische Regierung weiß ganz genau, dass die Niederlegung der Waffen das Ende der Kurden bedeutet. Sie sagen ganz offen: Kapituliert, gebt auf und kämpft nicht für eure Werte. Unsere Werte sind Rêber APO, unsere Märtyrer, unsere Prinzipien und Maßstäbe, unsere Menschlichkeit. Wir sind es dem Genossen Egît schuldig, dass wir seine Aktion weiterführen. Es ist die Aufgabe der Apoistischen Jugend, diese Werte zu schützen und eine neue Gesellschaft mit einem freien Leben aufzubauen.

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