Home ALLE BEITRÄGEJUNGE FRAUEN Die unerschöpfliche Liebe zur Freiheit

Die unerschöpfliche Liebe zur Freiheit

by rcadmin

ROZERÎN HÊVÎN

Wenn ich mich mit den Biografien von revolutionären Frauen wie Sakine Cansiz, Harriet Tubman, Comandante Ramona und vielen anderen beschäftige, wird mir eines klar: Obwohl diese Frauen zu unterschiedlichen Zeiten in verschiedenen Teilen der Welt gelebt haben, führten sie doch alle gemeinsam den Kampf für eine gerechtere, friedlichere und befreite Welt. Ganz gleich ob Harriet Tubman (ca.1820-1913), eine der Hauptorganisatorinnen der „Underground-Railroad”, Comandante Ramona (1959-2006), Kommandantin der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung oder gar Sakine Cansiz (1958-2013), Gründungs- und Führungsmitglied der PKK. Es ist die unerschöpfliche Liebe nach Freiheit und der Durst nach Gerechtigkeit, welche dazu führen, dass Kämpfe, die diese starken Frauen geführt haben, heute noch geführt und ebenso auch in der Zukunft noch geführt werden würden.

Harriet Tubman

Comandante Ramona

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

“Der Feind wird von diesen Frauen nicht bekommen, was er will. Er wird keine von ihnen anrühren und gegen die Revolution benutzen, nicht einmal die schwierigste und undisziplinierteste.” Dies schwörte sich einst Sakine Cansiz im Gefängnis, als die Repressionen gegen KurdInnen und andere linke Kräfte in der Türkei im Gefängnis ein besonders perverses Ausmaß annahmen. In dem zweiten Band ihrer Biografie, welche von den elf Jahren handelt, die sie in verschiedenen türkischen Gefängnissen verbracht hatte und mit ihrer Entlassung im Jahr 1990 endet, erzählt Sakine Cansiz nicht nur aus dieser Zeit; vielmehr bestärkt sie mit ihren Erfahrungen und Erlebnissen die LeserInnen, wie auch mich darin, die Hoffnung und die Liebe zur Freiheit, Natur und dem Menschen nie aufzugeben. Selbst unter schlimmster Folter hat Sakine Cansiz es geschafft im Geist frei zu sein.

Die Suche nach dem Freiheitsgedanken und dem freien Geist ist eine große Herausforderung und ein Kampf, den man ständig mit sich selber führt. Ich bin überzeugt davon, dass jeder Mensch eine gewisse Unvollkommenheit im Leben spürt und diese Unvollkommenheit eine undefinierbare Suche in den Menschen auslöst. Etwa die Suche nach einem freien Leben. Das Verlangen nach der Freiheit und das Hinterfragen derer, die sie einem nehmen bzw. sie einschränken, ist bei jedem Menschen unterschiedlich stark. Ich konnte beispielsweise beobachten, dass die Jugend mit ihrem jugendlichen Temperament viel mutiger an diese Suche herangeht und bereit ist viele Risiken einzugehen um Alternativen zu schaffen und somit dem freiheitlichen Gedanken näher zu kommen. Und schon stolpern wir über einen Begriff, der so viele Menschen beschäftig und sie anfangen lässt an der Art und Weise der Gestaltung ihres Lebens, ihres Alltags zu zweifeln: Alternativen.

Es ist das Gefühl nicht genug tun zu können, man ist gefangen in seinem Alltag und das schlechte Gewissen nicht genügend für die Heimat tun zu können macht einen verrückt. Ständig liest man Nachrichten, liest schreckliche Dinge, denen die Menschen ausgesetzt sind und ist doch gefangen in seinem Alltag und dem schlechten Gewissen nicht gegen diese Ungerechtigkeit ankommen zu können.
In der Haltung, der Stärke und der Ausstrahlung Sakine Cansiz’ ist ein entscheidender Schritt zu erkennen. Sie hat es geschafft, das schlechte Gewissen zu brechen, welches einen in Ketten legt und einen daran hindert alternatives Leben auf zu bauen. Dieses darf hier auf keinen Fall mit dem moralischen Gewissen verwechselt werden. Gemeint ist hier vielmehr das Gewissen, durch welches man immer wieder in den Teufelskreis zurückfällt, in kurzer Zeit viel zu produzieren um auf aktuelle Geschehnisse aufmerksam zu machen. Gemeint ist das Gewissen, welches uns daran hindert, langfristig und produktiv zu denken und mit der Ideologie der kurdischen Freiheitsbewegung ein alternatives Leben aufzubauen.

Sakine Cansiz ist eine Person, die trotz des harten Alltags in der Guerilla im Kampf niemals vergaß die Schönheit der Natur, des Lebens aufzunehmen und sich als Frau in dieser Schönheit zu entfalten.
Mich hat Sakine Cansiz gelehrt Menschen nicht zu kategorisieren. Sie hat es geschafft Menschen vorurteilsfrei zu begegnen. Eine Eigenschaft Sakine Cansiz’ berührt mich besonders und erweckt große Hoffnungen in mir: Sie führte ihre Beziehungen zu Menschen nicht mit gesellschaftlich moralischen Vorgaben und war sehr realitätsnah. Sie bestärkte die Menschen auf ihrem Weg, ganz gleich welchen sie einschlugen. Sie hat gekämpft für die Befreiung Kurdistans und ist zu dem eine Vorreiterrolle für die Befreiung der Frau in der Gesellschaft.

Sakine Cansiz hat sich für das universelle Leben in der Bewegung entschieden. Welcher Weg unserer wird, liegt in unserer Hand. Und was wir aus unserem Weg machen ist ebenfalls unsere eigene Entscheidung. Um jedoch einen gemeinsamen Kampf auf allen gesellschaftlichen Ebenen führen zu können ist ein Punkt enorm wichtig: Egal welcher Weg eingeschlagen wird, wir müssen beginnen uns vorurteilsfrei zu begegnen und jeden auf seinem Weg bestärken. Wenn wir unsere GenossInnen fallen lassen und sie nicht mit dem Geist Sakine Cansiz’ bestärken, egal für welchen Weg im Leben sie sich entscheiden, wie wollen wir dann eine geschlechterbefreite, basisdemokratische und ökologische Gesellschaft aufbauen?

ÄHNLICHE ARTIKEL