Home ALLE BEITRÄGEJUNGE FRAUEN Gemeinsam Fesseln zerschlagen!

Gemeinsam Fesseln zerschlagen!

by rcadmin

ROSA ÇİYA

Die Notwendigkeit der Selbstverteidigung

Xwebûn – Xweparastin“ – „Selbstsein – Selbstverteidigung“ ist das Motto, unter dem die jungen Frauen die Selbstverteidigungs-Kampagne führen.

Xwebûn“, was so viel wie „Selbstsein“ bedeutet, ist ein wesentlicher Bestandteil des Kampfes für die Freiheit aller jungen Frauen. Nur wenn wir als junge Frauen uns unseren eigenen freiheitlichen Charakter und Willen wieder erkämpfen, können wir trotz der allgegenwärtigen kapitalistischen Moderne, unser Ziel eines freien Lebens verwirklichen. Heute schreibt uns die kapitalistischen Moderne in jedem Bereich des Lebens vor, wie wir als junge Frauen zu sein haben, um als attraktiv gesehen zu werden und letztendlich als Objekt in dieses System zu passen. Wir sollten die kapitalistische Moderne kritisch analysieren, um dann die kapitalistische Mentalität in unserem eigenen Denken gemeinsam zu überwinden. Uns allen wird vermittelt, wie wir ein angepasstes, assimiliertes, ein vermeintlich bequemes und unmündiges Leben im Kapitalismus führen können. Doch auch wenn junge Frauen versuchen dieses Leben als Objekt perfekt zu erfüllen, gibt es immer etwas, was in den Augen des Systems und des unterdrückten Selbst mangelhaft ist. So äußert sich uns allen die Verachtung des Systems gegenüber Frauen. Junge Frauen sehen sich im System selbst als nicht schön genug, nicht erfolgreich genug oder nicht beliebt genug. Allein die negativen Gedanken, die eine Frau im System hat wenn sie vor einem Spiegel steht, zeigen den wahren Charakter dieser verinnerlichten Unterdrückung. Diese Gedanken sind Ausdruck eines Selbst, welches in viele kleine Teile zersplittert wurde, um so unmündig vor den Anforderungen des Kapitalismus und der patriarchalen Familien klein bei zu geben. Wir müssen dieses unterdrückte Selbst überwinden, sodass wir ein authentisches Selbst im Kampf für unsere Freiheit entwickeln. Dann sind wir nicht mehr 1000 verschiedene kleine Teile für viele verschiedene Zwecke des Systems, sondern eine Person, eine Revolutionärin, mit einer Identität der widerständigen Frau. So können wir uns als Kurdinnen und als Internationalistinnen der unmenschlichen kapitalistischen Moderne entgegenstellen. Es ist doch etwas wunderschönes, eine widerständige Frau, eine Kurdin, eine Internationalistin zu sein und im Kampf für ein menschenwürdiges Leben uns selbst zu finden. Schon viele Frauen vor uns haben uns diesen Weg gezeigt. Betrachten wir das Leben einer mutigen Frau, Rosa Luxemburg, so hat sie mit vollster Entschlossenheit für ihre internationalistischen, revolutionären Ideale eingestanden, bis sie am 15. Januar 1919 in Berlin ermordet wurde. Sie hat Jahre damit verbracht unermüdlich zu lesen, zu diskutieren, sich zu organisieren und ohne zu zögern die reformistische Frage in ihrer Partei auf eine revolutionäre Art zu beantworten. Ihr Denken und ihr Handeln legen heute ein Beispiel, einen Baustein auf unserem Weg der Befreiung, ab. Auch wie Rosa Luxemburg müssen wir uns bilden, organisieren und gemeinsam für unsere Freiheit, unser freies Selbst kämpfen. Dabei ist unsere eigene Entschlossenheit, unsere eigene Entwicklung unseres Selbst der entscheidende Schritt zur Freiheit.

Dazu dieses Selbst zu entwickeln, also wir selbst zu sein, gehört auch „Xweparastin“, also die Selbstverteidigung. Wenn wir zusammenkommen um unser Selbstsein, unseren Widerstand mit den Mitteln des Demokratischen Konföderalismus zu organisieren, dann gehört dazu auch uns Selbst zu verteidigen. Verteidigung findet sowohl auf körperlicher, als auch auf ideologischer Ebene statt. Dafür bilden wir uns gemeinsam, organisieren uns politisch. In dieser Zeit, in der die kurdische Befreiungsbewegung intensiv angegriffen, der Komplott gegen Rêber APO intensiviert wird und die Widersprüche der kapitalistischen Moderne sich in Europa so weit vertiefen, dass sie eine kaum noch zu ertragende erdrückende Last sind, ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass wir unsere ideologische Selbstverteidigung als junge Frauen in Europa intensivieren. Wir dürfen uns weder durch die kapitalistischen Staaten, noch durch unsere patriarchalen Familien einschüchtern lassen. Denn letztendlich fürchtet das bestehende System uns als widerständige Frauen, da wir in der Lage sind für ein schönes, ein wertvolles und freies Leben zu kämpfen. Dafür müssen wir uns aber organisieren. Eine Form der Organisierung, neben theoretischer Bildung, sind praktische Erfahrungen, die man gemeinsam als junge Frauen realisiert.

In Bielefeld, Berlin und Hannover hat die JXK zum Beispiel zusammen mit Feministinnen und Internationalistinnen der Gemeinsam Kämpfen Kampagne, im November Selbstverteidigungsworkshops organisiert. In den Workshops wurde auf ideologischer Ebene, aus den individuellen und politischen Erfahrungen heraus, gemeinsam über Selbstverteidigung gesprochen. Wir kamen auf Themen wie sexualisierte Gewalt, Ausbeutung und alltäglichen Sexismus zu sprechen. Wir redeten über die Erfahrung aus internationalistischen und kurdischen Kämpfen um die Befreiung der Frau. Gleichzeitig machten wir auch Übungen, bei denen wir ausprobierten, wie es sich anfühlt „Nein“ zu sagen oder wie wir entschlossen bei einer Übung in eine Pratze schlagen konnten. Was uns in den Workshops stärkte war unsere Entschlossenheit, uns selbst mehr mit unserer Situation auseinandersetzen und mehr Wege zu finden um gegen das Patriarchat zu kämpfen. Es ist Zeit, dass wir uns entschlossen gegen die patriarchale Mentalität und Gewalt verteidigen!

Am 25.11 sind in einigen Städten Deutschlands kurdische Frauenräte und junge Frauen zusammen auf die Straße gegangen. Der Tag ist dem Gedenken an den Schwestern Mirabal gewidmet, welche am 25. November 1960 in der Dominikanischen Republik vom militärischen Geheimdienst nach monatelanger Folter getötet wurden. Bis heute gelten sie als Symbol des Widerstands gegen das Patriarchat. Die Demonstrationen standen dieses Jahr im Zusammenhang mit der „Gewalt gegen Frauen ist politisch: Es hättest auch du sein können“ Kampagne. Die Kampagne fordert ein Ende der Gewalt gegen Frauen und versucht das Bewusstsein dafür zu stärken, dass Gewalt gegen eine Frau, als Gewalt des Patriarchats gegen alle Frauen zu verstehen ist. Sie ruft uns auf uns gemeinsam zu Verteidigen und Verantwortung für unser aller Leben im Kampf gegen das Patriarchat kollektiv zu übernehmen. Es ist an der Zeit, dass wir nicht mehr akzeptieren, dass Frauen in unseren Städten von ihren Ehemännern umgebracht werden, dass so viele Frauen sexualisierte Gewalt erleben. Es ist an der Zeit, dass wir uns selbst aus der patriarchalen Mentalität befreien! Lasst uns unsere Fesseln gemeinsam Zerschlagen!

ÄHNLICHE ARTIKEL