Je suis Erdogan – Die Geschichte einer großen Liebe

Dîrok Havîn

Jeden Tag erreichen uns neue Nachrichten von Kriegsverbrechen der faschistischen, türkischen Armee aus Efrîn, doch auch hier zu lande reißen die Nachrichten über Unterstützung des deutschen Staates für die Diktatur am Bosporus nicht ab. Erst kürzlich wurde bekannt, das die Freilassung des Journalisten Deniz Yücel und eines anderen Deutschen wohl im Gegenzug mit knapp 31 Genehmigungen für Waffenexporte in die Türkei verbunden war. Mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit ist dabei wohl auch die versprochene Aufrüstung der deutschen Leopard II Panzer enthalten.
Wenn man ließt, möchte möchte man folgende Dinge fragen:
Was kostet ein Deutscher? Wie viele Kurden ist ein deutscher Panzer wert? Was wird Merkel noch alles tun um Erdogan zu gefallen?

Einen Vorgeschmack davon konnte man in den letzten Tagen noch einmal stärker bekommen. Allein in dieser kurzen Zeit reihten sich eine Vielzahl von absurdesten Vorfällen aneinander. Am morgen des 20. Februar stand eine komplette Hundertschaft, ausgerüstet mit Maschinengewehren und in voller Kampfmontur vor dem Gasthof Molchefitz im Wendland. Auf Grund des Auftritts dieser hundert Polizisten müssen man meinen, eine ganze Rockergang, schwer bewaffnet und unberechenbar würde verhaftet, doch das ganze Aufgebot: für ein Transparent. „Afrin halte durch! Türkische Truppen & Deutsche Waffen morden in Rojava! Es lebe die YPJ/YPG!“ stand dort einmal, bis der Deutsche Staat es entfernte. Zeitgleich passiert in der Türkei ähnliches, eine Tür wird aufgebrochen, morgens, es ist noch nicht hell, die Terroreinheit der „Anti-Terroreinheit“ stürmt eine Wohnung. Auch hier möchte man meinen, der Täter, ein bewaffneter Schwerverbrecher, doch sein Verbrechen: Aufruf zum Frieden. Wie konnte er nur? Der Staat sagt: Krieg. Wie kann er also nur etwas Anderes denken. Deutschland sagt: die Türkei ist super. Wie kann man also nur etwas anderes Denken.

Liebe macht blind

Zum gleichen Zeitpunkt erhält das AJZ Bielefeld, eines der ältesten, selbstverwalten Jugendzentren der Welt, einen Brief. Darin werden sie aufgefordert, das Wandbild, das seit 23 Jahren!!! an ihrer Außenfassade die Zeit überdauert, zu übermalen. Drauf zu sehen, ein Bild von Halim Dener, der vor 24 Jahren in Hannover von einem deutschen Polizisten erschossen wurde. Außerdem steht dort: „Ermordet von Bullen – Halim Dener“ im Hintergrund die Fahne der PKK. Oft schon hat die Polizei das AJZ belagert, gestürmt und aufgesucht, es ist ein wichtiger Treffpunkt der Linken in Bielefeld, bis heute wurde das Graffiti nie beanstandet. Bis heute!

Gestern dann der nächste Vorfall, die nächsten Vorfälle. In München wir ein Verfahren gegen den Künstler Johannes König eröffnet, weil er einen Link einer Nachricht des Bayrischen Rundfunk über die YPG geteilt hat!!! In Wuppertal wird das gesamte Gebiet um das Autonome Zentrum in Wuppertal zum Sperrgebiet erklärt. Alle die Links aussehen oder als mutmaßliche Gäste des AZ Wuppertals in Frage kommen werden von der Polizei, die in den umliegenden Straßen Kontrollpunkte eingerichtet hat, durchsucht und kontrolliert. Der Grund: Die Polizei hat eine Antifa-Fahne auf der Solidaritätskundgebung mit Efrîn gesichtet!!!
Weitere solcher Nachrichten werden in den kommenden Tagen folgen, da können wir uns sicher sein.

Man sagt ja, liebe macht blind. In ihrer liebe zum faschistischen, türkischen Regime, eine Liebe die nun schon mehr als hundert Jahre dauert, hat Merkel, haben SPD und CDU vollkommen den Blick für die Realität verloren. Was Erdogan und seine anderen faschistischen Minister ihnen diktieren, wird umgesetzt. Als Binali Yildirim vor kurzem nach Berlin kommt, sagt er in einem Interview, wie zufrieden sie mit den Verboten von Demonstrationen sind. Besonders die Verbotspraxis, das Vorgehen gegen Busse, Studierende und Facebook-User hat im letzten Jahr, seit Deniz Yücel eine Geisel der türkischen Regierung war, massiv zugenommen. Immer mehr gleicht sich dabei die Praxis Deutschlands an die Türkei an. Verbote, Festnahmen, Repression. Das Ziel, die kurdische Freiheitsbewegung und die, die mit ich sympathisieren.

Schon einmal schrieb ich darüber, erneut muss es jedoch gesagt werden. Die Angst, die für sie am größten ist, ist der Gedanken der Freiheit, den diese Bewegung verkörpert. Sie verkörpert die Wahrheit, hinter dem Satz: Eine andere Welt ist möglich. Denn wir können es sehen, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute in Rojava, in Efrîn. Das, was Rêber APO in seinen Schriften, die er in vollkommener Isolation auf der Gefängnisinsel Imrali, bewacht von 1000 Soldaten, geschrieben hat, ist für die Unterdrückten dieser Erde die größte Hoffnung, für die Unterdrücker die größte Angst geworden.

Gegen den Hass, den sie Liebe nennen, die Wahrheit des freien Lebens verteidigen

Das, was sie Liebe nennen, diese Beziehung von dem Schlipstragenden IS-Anführer Erdogan und Angela Merkel, ist das was wir als den Hass auf die Völker, den Hass auf Minderheiten, den Hass auf die Demokratie entlarven müssen. Gemeinsam. Wenn sie gerade innerhalb nur weniger Tage so viele Projekte der deutschen Linken angreifen, die sich mit Rojava, mit dem kurdischen Befreiungskampf solidarisieren, dann heißt das nur eins, sie haben, wie schon so oft gesagt, am meisten Angst vor dieser Solidarität. Sie wollen das kurdische Volk in Deutschland isolieren, um seinen Kampf gegen Kolonialismus als illegitim darzustellen.

Wenn wir sagen, Solidarität ist eine Waffe, dann stimmt das, aber muss jeden Tag in die Praxis umgesetzt werden. Um also diese Hoffnung auf Freiheit, die mit der Revolution von Rojava erneut in die Herzen vieler Menschen gekommen ist, nicht zu verlieren, lasst uns die Idee, die Wahrheit des freien Lebens gemeinsam gegen den Faschismus verteidigen. Ob an der Front in Efrîn, auf den Plätzen in Köln oder Nachts mit schwarzen Jacken und allem was man so für direkte Aktionen braucht, auf der Straße.

 

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