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Mehmet Aksoy Sohn, Bruder und Genosse seines Volkes

by rcadmin

ZARA MELETÎ

Heval Mehmet Aksoy erblickte das Licht der Welt im Februar 1985 in Meletî Kürecik, im Norden Kurdistans und zog in jungen Jahren gemeinsam mit seiner Familie, ursprünglich aus Elbîstan, nach London, in eine der größten Metropolen der Welt.
Im Zentrum des Kapitalismus wuchs Şehîd Mehmet als das älteste Kind seiner Familie auf und kämpfte von Beginn an mit den Einflüssen, mit welchen uns das barbarische System von Beginn an zu vereinnahmen versuchte.
Mit diesem Umbruch in seinem Leben begann sein Kampf gegen den Identitätsraub, gegen die Assimilation, dem das zerstreute kurdische Volk an jedem Ort der Welt in all seiner Form ausgesetzt war. Als jemand, der den Boden Kurdistans früh verließ und in das Leben in einer Weltmetropole gestoßen wurde, begann er das Leben eines Revolutionärs.
Mehmet zu kennen, Mehmet zu gedenken und über Mehmet zu erzählen ist eine unermessliche Ehre.
Şehîd Mehmet war ein Genosse, der es schaffte, mit nur zwei Händen um die gesamte Welt zu greifen. Der es schaffte, seiner Nachwelt ein wundervolles Erbe zu hinterlassen.
Bereits im jungen Alter verinnerlichte Genosse Mehmet die schmerzerfüllte Geschichte seines Volkes und gleichzeitig die Schönheit eines aufrichtigen und revolutionären Lebens.
Schon als kleines Kind wurde ihm bewusst, dass er nicht das Leben leben wollte, was man ihm vorgab. Dass er nicht das Leben des Systems annehmen wollte, welches ihm seine Wurzeln zu entreißen versuchte. Dass er die jahrzehntelange Verfolgung seines Volkes nicht akzeptieren konnte und Teil der Wende sein wollte. Früh fing er daher an zu lesen, zu reisen und zu analysieren.
In Europa, dem Ort, an welchem das Unheil brodelte, Kurdinnen und Kurden sich von ihren Wurzeln entfremdeten und all die zerstörerischen Auswirkungen des Kapitalismus lebten, verfolgte Şehîd Mehmet mit Hingabe die Linie der kurdischen Freiheitsbewegung.
Als jemand, der sein Ziel niemals aus den Augen verlor, ebnete er gleichzeitig auch denen einen Weg, die in Europa verloren zu gehen drohten. Verständnisvoll und emphatisch näherte sich Heval Mehmet Jugendlichen von Londons Straßen, tauschte seine Ideen und Überzeugungen aus und gewann im Gegenzug dafür die Herzen von hunderten Jugendlichen, bei denen er Bewunderung und Sehnsucht hinterließ.
Heval Mehmet besaß die Fähigkeit eines Magneten, Menschen an sich zu fesseln, sich mit ihnen von jedem Ort der Welt zu vernetzen und ihnen mit seiner Überzeugungskraft zu verstehen zu geben, dass es einen Kampf gibt, für den er brennt. Ein Kampf, für den es sich lohnt, ein großes Risiko einzugehen.
Mit unerschütterlichem Vertrauen zur Linie der Arbeiterpartei Kurdistans, drückte Heval Mehmet seine Verbundenheit und Liebe in jeder seiner Handlungen aus. Seinen von morgens bis abends aus Politik bestehenden Alltag in schönster Form zu leben, kennzeichnete die Leidenschaft Heval Mehmets und seine Mühe, immer dort etwas zu verändern, wo auch immer er war.
Im Aufstand zu Hause gab Şehîd Mehmet mit der Zeit sein Zimmer im Elternhaus auf und entschied sich dazu, die Wohnzimmer seines Volkes zu seinem neuen zu Hause zu machen. Damit machte er sich möglich, das kurdische Zentrum in London in noch kürzerer Zeit zu erreichen und seinen Arbeiten diszipliniert nachzugehen. Das völlige Unverständnis der Familie brachte ihn nicht von seinem Vorhaben ab, er hatte einen Plan, den er mit all seiner Kraft zu verfolgen versuchte.
Mit den Jahren schuf Şehîd Mehmet zahlreiche Projekte, initiierte vielseitige Aktionen, organisierte dutzende Menschen und wurde zum Gesicht der Londoner Jugendbewegung. So war es undenkbar, das Kurdish Community Centre in London zu betreten und nicht auf Mehmets Spuren zu stoßen.
Ein junger Mann, unser Genosse Mehmet, voller Energie und Liebe, mit Klugheit und Weisheit beschert.
Heval Mehmets Durst nach Nähe zu seinen Wurzeln und zur Wahrheit drängten ihn mit der Zeit so stark, dass er sich dazu entschied, im Spätsommer des Jahres 2017 nach Rojava zu gehen und die Kamera seiner kürzlich gefallenen Genossinnen und Genossen aufzuheben und ihr Versprechen fortzuführen. In Reqa wollte er in den Reihen der YPG den heldenhaften Widerstand seines Volkes gegen den vom Imperialismus erschaffenen sogenannten Islamischen Staat festhalten und machte sich zur Aufgabe, die revolutionäre Befreiung von Reqa zu dokumentieren.
Schnell zeigte Heval Mehmet große Zufriedenheit und wurde zum geschätzten und geliebten Freund; sowohl für seine Genossinnen und Genossen als auch für die Bevölkerung von Reqa, welcher er sich liebevoll näherte. Mit seiner Energie schaffte er es, selbst zwischen den Ruinen von Reqa eine Glücksquelle für seine Genossinnen und Genossen zu sein und mit all seinem Dasein zu untermauern, dass es die richtige Entscheidung war, London zu verlassen und das Leben unter der Bevölkerung Rojavas zu wagen.
Şehîd Mehmet, ein beispielhafter Revolutionär, der in Reqa die Liebe der Bevölkerung gewann, jemand, der seinen GenossInnen mit offenen Armen begegnete, jeden grüßte, mit Kindern selbst zu einem Kind wurde und sich im Umgang mit seinen Mitmenschen immer als zärtlich, verständnisvoll und geduldig bewies. Mit Stolz trug er das Abzeichen der YPG, er wuchs mit jedem Tag, er liebte es, die Revolution, die er mit all seiner Kraft von zu Hause aus verteidigte, nun selbst riechen zu können und sich am Wiederaufbau und am Widerstand zu beteiligen.
Seine Kamera, mit welcher er die Kriegsspuren und die lächelnden Gesichter von Reqa aufzeichnete, machte Şehîd Mehmet zu einem Symbol. Lachend begann Heval Mehmet jenen seiner Tage und war willig, für seine Visionen immer wieder aufs Neue all seine Energie und sein Herz zu schenken.
Umso schmerzvoller ist es, ihn bereits nach drei Monaten verloren zu haben, ohne ihn zu sein, seinen Sarg auf zittrigen Armen getragen zu haben.
Umso schmerzvoller ist es, ihn nicht die Siegesszenen eines befreiten Reqas filmen gesehen zu haben.
Nach nur wenigen Monaten verloren wir Heval Mehmet, unseren Genossen, unseren Sohn, unseren Bruder. Wir verloren unseren wertvollen Freund der Kinder, unseren Helden Londons, unsere strahlenden Augen hinter dem Objektiv.
Am 26. September 2017 erschütterte uns die Nachricht über Şehîd Mehmets Tod. Wie tausende seiner Gefährten hatte nun auch er den Weg in die Unsterblichkeit geebnet. Heval Mehmet war nun fort.
Ein weiterer Stern erleuchtete nun den Himmel der Unsterblichen, er war zu ihnen gestoßen, zu all seinen Genossinnen und Genossen, die ihr junges Leben dem würdevollen Kampf der Revolution gewidmet hatten. Zu all denjenigen, die ihre Schulbänke, ihr zu Hause, ihre Familien verließen, um ein neues Kapitel in der Geschichte des kurdischen Volkes zu schreiben. Um die Fesseln zu zerbrechen, die unserem blutenden Volk auferlegt wurden, um denen zu trotzen, die uns zu vernichten versuchten.
Şehîd Mehmet war nun bei ihnen, ein mutiger Held seiner Zeit, ein Revolutionär mit dem Herz in der Hand.
Schmerz und Wut überrannten tausende Herzen, „Şehîd Namirin“ hallte durch die Straßen Londons, Heval Mehmet war angekommen. Heval Mehmet war gekommen, um sich von Londons Straßen zu verabschieden. Ein letztes Mal winkte er durch die Räume, in denen er Tage und Nächte verbrachte. Er verabschiedete sich von dem Ort, an dem es begann.
Am 10. November 2017 sah Londons Straßen eine Zeremonie, wie sie in der Form keiner erlebt hatte. Tausende Menschen waren zusammengekommen, um Şehîd Mehmet in die Unendlichkeit zu verabschieden. Londons Straßen standen still, Trauer aber tiefe Entschlossenheit zeichnete sich in tausenden Gesichtern seines Volkes.
Heute schmückt auch Heval Mehmet das Buch der Unsterblichen Kurdistans. Das Buch derjenigen, die uns lächelnd die Trophäe der Freiheit übergaben.
In dem Wiederaufbau von Reqa leuchtet heute das Licht Şehîd Mehmets und all seiner Genossinnen und Genossen, die Hand in Hand die Befreiung Reqas zeichneten.
Mit tiefem Respekt, endloser Liebe und großer Dankbarkeit haben wir unserem Genossen Mehmet versprochen, seinen Kampf fortzuführen. So liegt es in unserer Hand, jeden Tag als die Genossen Şehîd Mehmets zu starten. Ihn zu ehren, ihm zu danken und ihn mit unserem Handeln immer am Leben zu lassen.
Lebe wohl Fîraz Heval, deine Kamera halten wir in der einen, deine Waffe in der anderen Hand.

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