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PKK- Die Partei der MärtyrerInnen

by rcadmin

XELÎL ROJAN

Am Anfang fiel es mir sehr schwer, die Şehîds und ihre Bedeutung richtig zu verstehen und in mein Herz aufzunehmen. Ich denke vielen Jugendlichen geht es ähnlich. Sie kennen die Bilder der Gefallenen in den Vereinen, haben ihre Gedenkfeiern besucht oder tragen gar ihre Namen. Jedoch ist es für viele Jugendliche, die in der Diaspora aufgewachsen sind, schwer zu verstehen, wie Menschen ihr Leben für die Allgemeinheit opfern können. Der Grund dafür ist, dass wir in Europa gelernt haben, jedes Leben zu akzeptieren, sei es noch so fremdbestimmt und bedeutungslos. Wenn wir jedoch die Bedeutung der Gefallenen verstehen wollen, müssen wir unseren Blick auf die Welt und das Leben massiv erweitern. Mit den kleinen Maßstäben des bürgerlichen Lebens – Haus, Auto, Familie – kommen wir hier nicht weiter.

Aufopferung für das freie Leben

Das kapitalistisch-patriarchale System versucht sich in der ganzen Welt den Menschen aufzuzwingen, in dem es sie unter die absolute Herrschaft des Nationalstaates stellt. Es verwandelt uns dafür in Zahnräder ohne eigenen Willen. Dafür muss es zuerst die Gesellschaft, die Kultur und die Identität der Menschen zerstören. Doch die Menschen haben dies nie akzeptiert und haben dagegen Widerstand geleistet. Sie haben sich verteidigt, sich organisiert und für ihre Würde gekämpft.
Auf der ganzen Welt haben tausende Menschen ihr Leben gegeben, um der grausamen Realität dieses Systems eine andere Realität entgegenzusetzen, und zwar die eines freien und gleichen Lebens. Die kapitalistische Moderne hat solch einen Widerstand stets mit dem Tod beantwortet: Die faschistischen Regime Anfang des 20. Jahrhunderts gegen die erstarkende ArbeiterInnenbewegung, die Militärdiktaturen in Südamerika, mit denen die USA den Neoliberalismus umgesetzt hat, die Massaker der Regierung Sri Lankas als Antwort auf den heldenhaften Widerstand der tamilischen RevolutionärInnen. So möchte das System eine Botschaft senden: Gebt auf, es lohnt sich nicht, ihr werdet nie in Freiheit leben können.

Wie wir alle wissen, war und ist auch die kurdische Bewegung aufs härteste mit diesem Vorgehen konfrontiert – Sei es das Massaker von Mereş, das Gefängnis von Diyarbakir oder die anhaltende Besatzung Rojavas.

Das Leben lieben

Doch die FreiheitskämpferInnen und das Volk Kurdistans haben sich dieser Strategie nie gebeugt und sich keinesfalls ergeben. Sie haben stets Widerstand geleistet. Die Gefallenen des Gefängniswiderstandes von Diyarbakir haben ihre Aktionen folgendermaßen erklärt: „Wenn es die kleinste Möglichkeit für ein Leben in Würde gegeben hätte, hätten wir sie wahrgenommen und konsequent in Würde gelebt.“ Rêber APO zeigt die Bedeutung dieser Aktion und der dahinterstehenden Mentalität auf: “Damit haben sie Maßstäbe dafür gesetzt, wie ein Leben aussehen muss. Um die Menschenwürde zu wahren, gab es danach nur noch eines: Sie schritten zum Widerstand.”
Wir sehen hier in aller Deutlichkeit: Es geht nicht um eine Geringschätzung des Lebens, so wie es durch Antipropaganda oft dargestellt wird. Es geht sondern vielmehr darum, das Leben so sehr zu lieben, dass man unter keinen Umständen bereit ist, in Versklavung und Erniedrigung zu leben. Diese Liebe zum Leben hat Rêber APO in der Aktion Şehîd Zîlans analysiert: “Die Persönlichkeit Zîlans ist eine Persönlichkeit, die den Wunsch eines großen Lebens, Kampfes, der Organisiertheit, Freiheit und Liebe in sich birgt. Zîlan sein, bedeutet mutig sein, zu lieben, dem Leben Bedeutung zu schenken, kämpferisch zu sein.”

Oder wie auch Kemal Pir sagte: “Wir lieben das Leben so sehr, dass wir bereit sind dafür zu sterben.”


Ziele und Hoffnungen der Gefallenen verteidigen

Die Heiligkeit des Lebens wird jedoch mit jedeR Gefallenen nicht kleiner, sonder vielmehr größer: Auf die Ermordung Heval Hakis wurde mit der Gründung der Partei geantwortet. Auf den Tod der Gefallenen des Hungerstreiks im Kerker von Diyarbakir, wurde mit der Offensive des 15. August geantwortet. Und seit dem wird auf den Tod aller Gefallenen mit größerem Widerstand geantwortet. Dahinter steht ein Prinzip: Der Kampf gegen den Tod durch die Verteidigung des Lebens und die Vergrößerung des Kampfes für ein freies Leben.

In Kurdistan wird diese Utopie Schritt für Schritt in die Wirklichkeit umgesetzt. Auf der ganzen Welt beziehen sich Menschen auf die Revolution in Rojava, in Bakur und in Mexmûr. Sie tragen die Fahnen der Partei oder der YPJ und YPG und ziehen daraus Hoffnung, Stärke und ihre Identität als KurdIn und als RevolutionärIn. Wir sagen, eine andere Welt ist nicht nur möglich, sondern wir können sie auch schaffen und tun es hier und heute. Doch was wir realisieren müssen, ist, dass jedes Stück Freiheit, was dort geschaffen wird – jeder Baum, der gepflanzt wird, jeder Dorfrat, jede Krankenstation, jede Demonstration – durch die Gefallenenerkämpft wurde. Denn die imperialistischen Staaten schenken uns nichts. Wir dürfen also heute nicht von einer dieser Errungenschaft sprechen ohne die Ziele und Hoffnungen der Gefallenen vor Augen zu haben und uns ernsthaft zu fragen, wie wir diese verteidigen und vergrößern können.

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