Home ALLE BEITRÄGE Şehîd Viyan Sorans Brief: ,Ihr könnt unsere Sonne nicht verdunkeln’

Şehîd Viyan Sorans Brief: ,Ihr könnt unsere Sonne nicht verdunkeln’

by rcadmin

Liebe Genossinnen und Genossen!

Noch ein Monat verbleibt bis sich am 15. Februar die Gefangennahme des Vorsitzenden zum achten Mal jährt. Bereits jetzt brodelt mein Inneres wie ein Vulkan, der bei der erstbesten Gelegenheit auszubrechen droht. In der Natur finden sich viele Phänomene, die wie ein Vulkan zum Ausbruch kommen, wenn die Zeit reif ist. Wie z.B. ein Obstbaum… Seine Früchte liefern sich einen Wettkampf mit der Zeit, um erst vom Ast zu fallen, wenn sie wirklich reif sind. Sie warten bis zum richtigen Zeitpunkt. Gelingt ihnen das nicht, wird die Frucht nicht zur Frucht. Sie kann in diesem Fall ihre Feinheit, ihre Besonderheit und Lebendigkeit nicht unter Beweis stellen. Auch der Vulkan ist so beschaffen. Der Obstbaum schenkt seine Schönheit, seine vielen Farben in Form eines Apfels, eine Granatapfels oder vieler anderer Früchte demjenigen, der sich um ihn bemüht hat. Genauso weiß auch der Vulkan selbst am besten, wo, wann und wie er ausbrechen wird, um seiner Wut Ausdruck zu verleihen und die Ehrimans und all die falschen Menschen zu bestrafen.

Genossinnen und Genossen, Freundinnen und Freunde, schmerzerfüllte Frauen!

Ich möchte auch ein paar Worte an euch richten. Seid nicht traurig, sondern tanzt Dilan! Ihr wisst, wie sehr ich es liebe Dilan zu tanzen. Ich fühle mich dabei immer als würden mir Flügel wachsen, die mich davon tragen.

Als ein Kind der Natur, als ein kleiner Teil des Universums möchte ich Folgendes zum Ausdruck bringen: Ich bin darum bemüht, den Regeln und Maßstäben des Lebens – etwas Heiligem – gerecht zu werden und meinem Leben Bedeutung zu verleihen. Ich bin fest davon überzeugt, dass für mich die Zeit gekommen ist, ähnlich wie der Obstbaum, meinem leidenden Volk etwas zurück zu geben. Ich möchte zu einer Hoffnung werden – für all die Kinder, die ihre Hände gen Himmel strecken und für all die unerfüllten Träume. Auch wenn es nur ein kleiner Beitrag ist, möchte ich zu einem Atom werden, aus dem das Molekül der Freiheit für alle leidenden Frauen entsteht. Am allerwichtigsten ist es mir, zu einer Kerze unter all den anderen Kerzen zu werden, die sich um die Insel Imrali versammelt haben. Ich möchte euch zeigen, dass die Zeit endgültig gekommen ist, um dem hegemonialen Staat und dem verlogenen und unterdrückerischen Mann eine Antwort zu geben. Ich möchte all meine Wut und meinen Hass in der Nacht zum 15. Februar wie einen Vulkan zum Ausbruch bringen, um sie zu bestrafen.

In der Nacht zum 15. Februar spüre ich selbst das Feuer, das zuvor Mazlum Doğan, Zekiye Alkan, Berivan, Rahşan, Sema, Fikri Baygeldi und als letztes Glied dieser Kette Serdar Ari in ihren Körpern trugen. In meinen Ohren klingen die Losungen `Entweder ein freies Leben oder ein würdevoller Tod!` und `Bijî Rêber Apo`. Immer lauter werden diese Worte in mir und richten sich letztendlich an die gesamte Welt. Sie sind Ausdruck meines unzerstörbaren Willens, mit dem ich mein Ziel ins Auge fasse und garantieren, dass ich dabei erfolgreich sein werde. Während das Feuer Semas und Serdars in mir tost, werde ich zugleich niemals zulassen, dass das Feuer um unseren Vorsitzenden Apo erlischt. Inmitten dieses Winters, der von zahlreichen Widrigkeiten geprägt ist, möchte ich durch den Schmerz, den das Feuer meines Körpers auslöst, eine Nachricht und einen Aufruf verbreiten. Ich schicke euch die Nachricht der Freiheit. Ich rufe euch alle dazu auf, unseren Vorsitzenden Apo zu beschützen. Ich rufe euch dazu auf, die Aktionen und den Kampf zu verstärken, um sie zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen.

Voller Respekt grüße ich euch!
15.01.2006
(der Tag, an dem der Vorsitzende Apo mit Isolationshaft bestraft wird)

An alle geliebten Genossinnen und Genossen!

Die bedeutungsvollste Aktion in der PKK ist es, den eigenen Worten gerecht zu werden. Seid euch immer bewusst, dass dort, wo das Wort seine Bedeutung verliert, Unverantwortlichkeit, Gewissenslosigkeit und moralischer Verfall vorherrschen. Dieser Zustand führt letztendlich und unverweigerlich zum Verrat. Das kurdische Volk, die Frau, die PKK und der Vorsitzende Apo wurden stets hinterrücks erstochen. Alle Ideen, Gefühle, Gedichte, Lieder und Diskussionen erzählen mit großem Schmerz davon. Der Wille zum Widerstand und Kampf waren immer eng von Verrat begleitet. Wie Ehriman und Ahura Mazda haben sie stets gegeneinander gekämpft und sich gegenseitig bekriegt. Um es mit Zarathustras Worten zu sagen: „Egal wie beschwerlich dieser Krieg auch verlaufen mag, am Ende siegt das Licht Ahura Mazdas; unter folgender Bedingung: Denke gut, rede schön und handle richtig.“ Bis letztendlich die Ideen Ahura Mazdas zum Erfolg gelangen.

Wie ich in meinem vorangegangenen Brief verdeutlicht habe, bin ich nach langem und intensivem Nachdenken zu der Entscheidung gelangt, in der Nacht zum 15. Februar meine Aktion in die Tat umzusetzen. Als Frau und als Kurdin möchte ich den achten Jahrestag der Gefangennahme des Vorsitzenden Apos nicht noch ein weiteres Mal auf die gewohnte Art und Weise erleben. Ich bin mir bewusst, dass es unter den Bedingungen des Winters ein wenig schwer ist, wirkungsvoll gegen die Ehrimans in unserer Partei vorzugehen. Diese Ehrimans greifen jeden Tag vor unseren eigenen Augen das Herz, den Geist und den Körper unserer Volkes an. Das ist eine sehr gefährliche Situation, die von mir eine Reaktion erfordert. Ich hätte gerne eine Aktion durchgeführt, die nicht mein Leben fordert. Doch bin ich von Folgendem zutiefst überzeugt: Jeder Mensch sollte solange leben, wie notwendig. Zugleich sind Taten erforderlich, wenn Worte ihre Bedeutung verloren haben. Jede Tat hat den Zweck, dass Worte wieder ihre Bedeutung zurückgewinnen und die Hoffnung auf Freiheit gestärkt wird. Diese Wahrheit trage ich stets in Gedanken mit mir. In der Phase, die wir aktuell durchlaufen, entstehen einerseits große Gelegenheiten für die Lösung der kurdischen Freiheitsfrage. Doch andererseits steigen die Gefahren für den Vorsitzenden und das Volk. Wenn Hoffnungslosigkeit und Pessimismus Ausmaße erreichen, die Verrat ähneln, während derart große Chancen und Möglichkeiten bestehen – dann wächst mit jedem Tag meine Entschlossenheit zu dieser Aktion.

Geliebte Genossinnen und Genossen!
Meine Entscheidung ist nicht neu. Schon im Juli brachte ich sie in meinen Berichten an die PKK und die YJA-STAR zu Wort. Die Wurzeln meiner Entscheidung reichen weit zurück. Bereits 1999 fasste ich den Entschluss zu einer solchen Aktion. Aus verschiedenen Gründen ließen die Umstände deren Umsetzung jedoch nicht zu. Zum einen erforderte die schwierige Lage unserer Bewegung ab 1999 meine Mitarbeit in der Leitung der Frauenbewegung und der Organisation als Ganzes. Zum anderen waren die politischen und technischen Bedingungen nicht passend. Doch mit dem Beginn der Offensive vom 1. Juni ist die Lage nun günstig. Ich bin der Überzeugung, dass es heute Militanter bedarf, wie es sie bereits 1996 bis 1998 in den Reihen der Frauenbewegung gab. Mit ihrer Hilfe können wir die Komplotte, die sich von innen und außen gegen uns richten, im Feuer ersticken und so die zu Eis erstarrten Herzen, Gedanken und Gewissen wieder zum Leben erwecken. Auf falsche Freundschaft und unzureichende Genossenschaftlichkeit müssen wir mit unserer Art zu leben und unseren Aktionen antworten – genauso wie Zilan, Sema und Serdar.

Es kann sein, dass ihr mich für meine Aktion kritisieren werdet und euch fragt, warum ich gerade diese Aktionsform gewählt habe. Vielleicht akzeptiert auch Rêber Apo eine solche Aktion nicht. Doch ich habe verstanden, dass in der Geschichte des Freiheitskampfes in Kurdistan Lösungen und Fortschritte nie ohne Opfer herbeigeführt wurden – dies gilt auch heute noch. Das ist eine essentielle Eigenschaft bzw. Methode der apoistischen Bewegung und des Freiheitskampfes der Frau. Als Frau und Militante möchte auch ich diese Methode fortsetzen. Seitdem ich ein Mitglied der HPG und der YJA-STAR bin, beschäftige ich mich voller Liebe und Motivation mit der Planung meiner Aktion. Ich verfolgte damit ursprünglich zwei Ziele. Genau wie Zilan und Sema wollte ich in Kurdistan im Zentrum von Prostitution und Versklavung und zugleich im Führungszentrum dieses kriegerischen, bandenähnlichen Staates meine Aktion durchführen ohne dabei selbst zu Schaden zu kommen. Der Staat sollte dadurch erschüttert werden. Es gelang mir jedoch aufgrund der winterlichen Bedingungen und meiner nur spärlichen Diskussionen mit den Freundinnen und Freunden nicht, sie von meiner Aktion zu überzeugen. Nach der YJA-STAR-Konferenz entschloss ich mich schließlich meine Aktion durchzuführen, auch wenn der Ort dafür die Berge sein sollten. In diesem Jahr möchte ich dem 15. Februar nicht mit Tränen, Ausweglosigkeit und Hoffnungslosigkeit begegnen, sondern mit Liebe, Freude und großer Glaubenskraft. An dieser Stelle möchte ich drei Sehnsüchte zur Sprache bringen und auf diesem Weg mit euch teilen. Erstens; ich werde das ursprüngliche Ziel meines Planes nicht in die Realität umsetzen und daher nicht wie gewollt Rache nehmen können. Zweitens; es wird mir verwehrt bleiben die Bevölkerung Nordkurdistans aus nächster Nähe kennen zu lernen. Auch meine Sehnsucht danach, die Schönheit der Natur Nordkurdistans aus nächster Nähe zu erfahren, wird unerfüllt bleiben. Drittens; es war mir stets ein großer Traum, wenn auch nur für einen kurzen Moment, meinen Kopf auf die Schulter des Vorsitzenden Apos zu legen und einmal tief ein- und auszuatmen. Doch egal wie sehr all das als große Sehnsucht in meinem Herzen verweilen wird – ich bin von einer großen Freude erfüllt. Denn ich weiß, dass die Freundinnen und Freunde all diese Dinge an meiner Stelle und noch viel stärker als ich es zum Ausdruck bringen kann erleben bzw. umsetzen werden.

Zweifellos ist es schwer sich in meiner Position als Führungsmitglied ideologisch zu vertiefen, alle Vorbereitungen zu treffen, die notwendigen Planungen vorzunehmen und letztendlich meine Aktion umzusetzen. Denn tagtäglich wird von mir erwartet, mich mit ganzer Kraft in die laufenden Arbeiten einzubringen. Bis zum letzten Tag werde ich versuchen mich nicht herauszuziehen und all meine Kraft dafür einzusetzen. Doch ich weiß mit ganzer Gewissheit, dass ich in den letzten Monaten den Freundinnen und Freunden nicht wie gewollt zur Seite stehen konnte. Dafür möchte ich mich bei ihnen allen entschuldigen.

Mit vielen Grüßen und voller Respekt
23.01.2006

An alle KämpferInnen und KommandantInnen in Haftanin!

Ich bin erst seit kurzem in Haftanin, doch habe ich mich schnell in diese Region verliebt. Es kommt mir vor, als würde die Natur hier ununterbrochen mit mir sprechen. Es ist ein wunderschöner Zustand, der mich nicht mehr loslässt. Noch wichtiger ist der aufopferungsvolle Geist und die Aufrichtigkeit der Freundinnen und Freunde hier. Durch sie entsteht eine große Ruhe in mir. Ich habe alle Freundinnen und Freunde hier zutiefst in mein Herz geschlossen – all diese Menschen, die tagtäglich dem Tod Streiche spielen. Und trotzdem gibt es viele Dinge, für die ich Hass empfinde, die ich kritisiert habe und die ich auch in Zukunft kritisieren werde. Mich haben bestimmte Merkmale und Haltungen bei gewissen Personen wieder einmal zutiefst getroffen: insbesondere der Zweifel, der fehlende Glaube, ständige Beschwerden, die Verschmutzung von Liebe – also im allgemeinen Haltungen, durch die sich die rückständige Frau und der in sich selbst verliebte feudale Mann auszeichnen. Es kann sein, dass meine Ausdrucksart und mein Verhalten euch gekränkt haben. Dafür entschuldige ich mich. Doch stehe ich weiterhin hinter meiner konstruktiven Kritik. Es gibt Dinge, die in unserer Organisation wie Dynamit wirken: die unzureichende Annäherung an die Methode von Kritik und Selbstkritik, Tratscherei, eine intransparente Art und Weise des Kampfes. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich jeder von euch, jeder Kader der PKK dafür verantwortlich fühlt, gegen fehlende Überzeugung, Unentschlossenheit und Verrat das organisierte Leben und die Entwicklung jedes einzelnen Menschen zu verteidigen und voranzutreiben. Wenn wir im Leben und in unseren Gedanken zur richtigen Zeit und am richtigen Ort Kraft aufbringen, gibt es nichts, das wir nicht erreichen könnten. Denn die Grundlage dafür, dass die Probleme innerhalb der Partei sich wiederholen und nicht zu einer Lösung finden, liegt darin, dass die Kaderinnen und Kader sich selbst nicht verantwortlich fühlen und nicht eins mit der Partei werden. Dasselbe gilt für den fehlenden Erfolg was die Freiheit des Vorsitzenden Apos und die politisch-taktischen Versuche zur Lösung der kurdischen Frage betrifft. Unsere hierarchische Mentalität führt dazu, dass wir die Verteidigung und Weiterentwicklung der Partei nur einer kleinen Gruppe bzw. einem elitären Kreis (der Leitung) aufdrängen. Meine Kritik sollte nicht so verstanden werden, als würde ich die Verantwortung ausschließlich bei den Kaderinnen und Kader oder einzelnen Personen sehen. Denn ebenso sehr wie die Kaderinnen und Kader ist auch die Partei selbst von Fehlern und Schwächen geprägt. Ich nähere mich Problemen, Vorkommnissen und Phänomenen stets mit der grundlegenden Überzeugung an, dass die Entwicklung des Einzelnen zur Entwicklung der Partei führt. Ebenso gilt, dass die Entwicklung der Partei die Entwicklung des Einzelnen mit sich bringt.

Das Geheimnis des Prozesses, durch den der Einzelne eins mit der Partei wird, des Erfolges der Kaderin und des Kaders – dieses Geheimnis besteht in genau einer Sache: sich selbst trotz all der Unzulänglichkeiten der Partei verantwortlich für sie zu fühlen, sich stets als wichtigen Teil der Partei zu verstehen, sie zu kritisieren und sich mit ganzer Kraft für ihre Entwicklung einzusetzen. Daher müssen wir diese Art zu leben und die Partei noch besser verteidigen als das eigene Leben; und zwar trotz all der Schwierigkeiten und Enttäuschungen, die wir selbst erfahren. Weil diese Partei keine Organisation von Staaten oder der herrschenden Klasse ist, schöpft sie ihre materielle und ideelle Kraft nicht von außen. Die Partei wurde mit dem Schweiß des arbeitenden Volkes und dem süßen und reinen Blut tausender von Liebe und Leidenschaft erfüllter Frauen und Männer aufgebaut. Verantwortung für die Partei zu übernehmen bedeutet daher Verantwortung für das Volk und die Gefallenen zu übernehmen. All diejenigen, die mit dieser Haltung an die Sache herangehen, sind moralische und ehrenvolle Personen. Das Gegenteil davon ist moralischer Verfall und eine riesengroße Gewissenslosigkeit. Das Ergebnis davon ist Verrat, wie ihn Rezan und Nujin begangen haben.

Geliebte Genossinnen und Genossen!
Meine Aktion mag euch berühren, aber ich habe eine Bitte an euch: Geht nicht emotional an dieses Thema heran. Seid nicht traurig um mich. Denn die Offensive im Jahr 2006 erfordert von uns allen eine kraftvolle und beispiellose Beteiligung. Als Kaderin und militante Frau möchte ich auf diese Art und Weise meine Beteiligung unter Beweis stellen und eine Nachricht gegen die Komplotte von innen und außen senden. Ich möchte dadurch eins mit den Protesten des Volkes werden. Ein Sprichwort besagt: „Die Zeit ist wie ein messerscharfer Dolch. Wenn du sie nicht schneidest, wird sie dich schneiden.“ Ihr habt noch bis zum Frühling Zeit für eure Vorbereitungen und Bildung. Unterbrecht wegen mir nicht einen einzigen Tag euer Programm und eure Arbeiten. Denn jeder von euch bereitet sich derzeit voller Aufopferungsbereitschaft auf den Frühling vor. Auch ich bin eine von euch. Wenn mir meine Aktion bereits jetzt gelingt, so werde ich meine natürliche Pflicht als Militante erfüllt haben. Die erforderlichen Aktionen in dieser Phase sind äußerst vielfältig. Aufopferungsbereitschaft drückt sich nicht nur auf die Art und Weise Zilans und Semas aus. Das Leben an sich, Entschlossenheit, eine Führungsrolle zu spielen, die verschiedenen Kriegstaktiken anzuwenden, ideologisches und philosophisches Verständnis, aufrichtige Beziehungen zwischen Genossinnen und Genossen, ohne Zweifel das Ziel ins Auge zu fassen, Kreativität und sich voll und ganz auf den Erfolg zu konzentrieren – all das ist ebenso wichtig. Ich bin der festen Überzeugung, dass meine Genossinnen und Genossen genauso wie sie es in der vergangenen Phase getan haben auch jetzt wieder trotz all der Unzulänglichkeiten dieser Wahrheit gerecht werden. Doch auch das ist ein Teil der Wahrheit: Es ist uns als Kaderinnen und Kader in der Vergangenheit nicht gelungen unsere Aufgaben voll und ganz zu erfüllen und unsere kleinbürgerliche Haltung zu überwinden. Das Ziel meiner Aktion richtet sich daher voller Entschlossenheit darauf, unseren Worten wieder Bedeutung zu verleihen und uns von den Problemen zu befreien, die sich in der Vergangenheit wiederholt haben. Ich meine damit natürlich nicht, dass es keinerlei Probleme geben darf. Doch ist es gefährlich, wenn sich eben diese Probleme immer wieder wiederholen. Dieser Zustand beruht darauf, dass wir unseren eigenen Worten keinen Glauben schenken und selbst von ihnen nicht überzeugt sind.

An allererster Stelle ist meine Aktion eine Selbstkritik, denn ich war dem Vorsitzenden Apo bisher keine angemessene Genossin. Ich möchte einen Beitrag zur Entwicklung der Revolution der apoistischen Bewegung auf den Ebenen von Geist, Gewissen und Moral und insbesondere in der Frauenbewegung leisten – auch wenn ich dabei nur eine kleine Rolle spielen mag. Die Kraft für meine Aktion schöpfe ich aus der Verteidigungsschrift des Vorsitzenden Apos und der Inspiration, die von der Neugeburt der PKK ausgeht. Zugleich richtet sich meine Aktion gegen die umfassenden Angriffe und Komplotte, mit denen der Vorsitzende Apo, das Volk und die Bewegung konfrontiert sind. Meine Aktion ist ein neuerlicher Ausdruck der Widerstandskultur, durch die sich die Kader der Partei und die kurdische, militante Frau auszeichnen. Sie ist ein Reflex, der sich gegen die Politik richtet, mit der die PKK marginalisiert werden soll. Und sie bringt eindeutig zum Ausdruck, dass der Versuch absolut inakzeptabel ist, eine Lösung der kurdischen Frage ohne Beteiligung des Vorsitzenden Apos herbeizuführen.

Da allen Freundinnen und Freunden diese Wahrheiten mehr als bewusst sind, möchte ich dieses Thema nicht in die Länge ziehen. Doch was fehlt, ist sowohl zu wissen, als auch zu fühlen; also unser Wissen und unsere Handlungen durch starke Gefühle miteinander zu verbinden. Weil dem so ist, setzen wir die uns bekannten Dinge nicht gut genug in die Praxis um. Zuletzt möchte ich meine Selbstkritik dafür abgeben, dass ich mich in letzter Zeit nicht ausreichend in die Arbeiten und Bildungen einbringen konnte. Dafür entschuldige ich mich bei euch. Ich grüße euch alle noch einmal von ganzem Herzen und umarme jede von euch. Ich möchte auch insbesondere die Freundinnen und Freunden um Entschuldigung bitten, mit denen ich in derselben Kommission gearbeitet habe. Ich bin fest davon überzeugt, dass sie ihrer Rolle in den Arbeiten auch in Zukunft gerecht werden.

Mit vielen Grüßen und voller Respekt!
26.01.2006

An die Kräfte der YJA-STAR in Haftanin und damit an die YJA-STAR als Ganzes!

Das kurdische Volk im Allgemeinen und die kurdische Frau im Besonderen haben in der Vergangenheit große Opfer dafür aufgebracht, eine freie und willensstarke Identität zu erschaffen. Und sie zahlen dafür bis heute einen großen Preis. Auch in Zukunft werden sie als Kultur in der Geschichte ihren Platz einnehmen. Ein Mitglied der YJA-STAR zu sein erfüllt mich mit großem Stolz, Entschlossenheit und Ehre. Denn jeden Tag opfern hier Menschen ihr Leben, deren Geist von etwas Heiligem erfüllt ist. All die lebenden Freundinnen sind stets darum bemüht sich im Kampf gegen die Sklaverei zu entwickeln. Die YJA-STAR wurde mit dem Blut tausender wunderschöner Frauen aufgebaut. Sie ist eine Bewegung, die ausschließlich der Frau gehört. Aus diesem Grund stellt sie eine Hoffnung für alle von Schmerz erfüllten Frauen dar und spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des Mutes der Frau. Die YJA-STAR ist die Mutgöttin für alle Frauen. Sie ist die Bestrafung des verlogenen, unterdrückerischen Mannes. Die YJA-STAR ist der Ort für alle Frauen, die nach Freiheit und Unabhängigkeit streben. Von daher sollte keine Kaderin, ob innerhalb der YJA-STAR oder einem anderen Teil der Frauenorganisierung, auf diese ehrenvolle Sache verzichten, sie niemals verleugnen oder für etwas Unbedeutendes halten. All diejenigen, die vor dieser Struktur fliehen oder ihr keine Bedeutung beimessen, sollten wissen, dass sie damit vor der Freiheit fliehen und dem Freiheitskampf seine Bedeutung absprechen. Denn als kurdische Frauen ist es uns gelungen in den Reihen der Guerilla Glauben, Willenskraft und die eigene Kraft der Frau unter Beweis zu stellen. Heute entstehen all die anderen Frauenorganisationen im Schoße der Göttin Star und wachsen beständig. Wenn wir uns von der Richtigkeit unserer Freiheit überzeugen wollen, müssen wir die Perspektiven des Vorsitzenden Apos richtig verstehen, denn er selbst sagt: „Selbst wenn alle die Berge verlassen sollten, muss die Frau ihren Widerstand fortsetzen und nach ihrer Freiheit suchen.“ Das ist das grundlegende Prinzip für uns alle bei unserer kurz- und langfristigen Organisierung. Für die Verteidigung der eigenen Identität der Frau müssen wir uns auch in den Städten für ihre Entwicklung einsetzen und ihre Verteidigungskraft sein; und zwar ohne uns auf dem alltäglichen Leben auszuruhen, uns ausschließlich auf die Taktik und Position der allgemeinen Bewegung zu verlassen oder auf die Lösung der nationalen Frage zu warten. Unsere Existenz in den Bergen müssen wir als einen grundlegenden Bestandteil unserer Arbeiten verstehen und uns dementsprechend stets auf alle damit verbundenen Aspekte vorbereiten. Wenn die Berge der Garant dafür sind, dass das kurdische Volk sich selbst verteidigen kann und sich den Besatzern niemals ergeben wird, dann müssen wir als kurdische Frauen in der Lage dazu sein, die Berge zu einer Festung der Verteidigung der Frau zu machen. Die Berge sind der Ort für eine erneute Renaissance. Sie bieten einer Gruppe führender Kaderinnen und Kadern einen Ort, um Aufklärung und Erkenntnis voranzutreiben. Diese Kaderinnen und Kader haben die Aufgabe, die Linie all der Institutionen, die sich in der Bewegung und in der Gesellschaft organisieren, gemäß den Prinzipien von Freiheit und Unabhängigkeit zu prägen. Die YJA-STAR und all die nach wirklicher Freiheit strebenden Frauen müssen also auf lange Sicht die Verteidigung der Frauenfreiheitsideologie garantieren und dürfen nicht zu einem Ableger des männlichen Hegemonialsystems werden. Gelingt uns dies nicht, werden wir uns definitiv nicht vor den Fängen des barbarischen und verlogenen Systems des Mannes bewahren können – dieses System, das der Frau rein gar nichts zu bieten hat. Die Berge sind also kein Ort, an dem sich die Frau ausschließlich mit plumpen Waffen verteidigt. Genauso wenig ist das Ziel der Frau ausschließlich die Lösung der nationalen Frage. Vielmehr sind die Berge ein Ort für alle Kaderinnen, die über eine eigene Identität verfügen, und bieten ihnen die Gelegenheit, die Willenskraft der Frau zu stärken und das Bewusstsein der Frau zu erleuchten bzw. zu befreien. Die Lösung der nationalen Frage wird so lange unmöglich sein, wie wir den Bergen nicht genau diese Bedeutung und Mission geben; wie wir unsere Persönlichkeiten nicht mit der entsprechenden Aufregung, Entschlossenheit und bewusster Entscheidungskraft ausstatten; wie wir keinen Kampf gegen Sklaverei und unsere eigene Rückständigkeit und gegen die verlogene, hinterlistige, heuchlerische Hegemonie des Mannes führen. Im Zuge der regionalen politischen Entwicklungen in den Jahren 2003 und 2004 taten sich uns große Gelegenheiten auf, um Schritte in Richtung einer Lösung zu unternehmen. Doch die verräterische und bandenähnliche Gruppe innerhalb unserer Partei verhinderte genau das. Deshalb sahen wir uns als Bewegung großer Gefahren ausgesetzt.

Unter diesen Verrätern befand sich auch eine Gruppe Frauen. Wären diese Frauen tatsächlich Wahrheitssucherinnen gewesen und hätten ein wenig gemäß Gewissen und Moral gehandelt, dann wäre es ihnen sicherlich gelungen Einfluss auf die Gruppe von Verrätern auszuüben und einen derartigen Verrat zu verhindern. Doch ganz im Gegenteil haben sie den Verrat entscheidend gestärkt und ihn auf ein ganz anderes Niveau gehoben. In der apoistischen Bewegung gibt es viele Beispiele für die Rolle von Frauen sowohl was Widerstand, als auch was Verrat angeht. Das jüngste Beispiel dafür sind Rezan und Nujin. Das zeigt, dass unsere Rolle und Mission in solchen Situationen entscheidend ist. Wir müssen uns diesem Umstand stets bewusst sein, nicht oberflächlig damit umgehen und dürfen das niemals vergessen. Denn `Vergessen bedeutet Verrat`.

Ich möchte nicht allzu lang schreiben. Ende Februar werden in allen Regionen Kaderinnenkonferenzen stattfinden, auf denen viel intensiver über die zahlreichen relevanten Themen diskutiert werden wird als über meine Worte. Dort werden Entscheidungen getroffen und Projekte angestoßen werden. Mein Vermächtnis an diese Konferenzen ist Folgendes: Wir sollten uns Nichts vormachen und nicht nach völlig neuen Beschlüssen suchen. Es gibt genau eine wichtige Entscheidung, die wir fällen müssen: Leben wir entsprechend unseres Freiheitswunsches, oder tun wir es nicht? Entscheidend wird sein, ob wir unsere Antwort auf die Frage des Vorsitzenden Apos `Wer ist die freie Frau und wie lebt sie?` von ganzem Herzen, mit vollem Bewusstsein und ganzem Gewissen geben. Wer in Bezug auf sein Ziel entschlossen und klar ist, wird wissen, wie gekämpft, Krieg geführt und sich organisiert werden muss – und wird sein eigenes System aufbauen können. Ich hoffe daher, dass die Leitung und alle kämpfenden Freundinnen und Freunde – ob neu oder alt – diese Konferenz zu einer Gelegenheit machen werden, um ihre Herzen und ihren Geist zu reinigen. Ich bin auch voller Hoffnung, dass nichts anderes als Tatendrang und Freiheit ihre Gedanken erfüllen wird; dass sie sich nicht beschweren und voller Mut für den Erfolg entscheiden werden.

All die alten Freundinnen und Freunde, die bereits viel geleistet haben und über umfangreiche Erfahrungen verfügen, müssen sich vom Nihilismus befreien, sich ihres großen Wertes bewusst sein. Sie müssen dementsprechend handeln und ihr Versprechen gegenüber der Partei erneuern. All die neuen Freundinnen und Freunde dürfen sich nicht hilflos fühlen, denn es bieten sich mehr als genug Gelegenheiten die Freiheit zu erreichen. Sie dürfen nur nicht in Pessimismus, Nachlässigkeit und Unaufmerksamkeit verfallen. Um zu verstehen und zu den Kaderinnen und Kadern der Zukunft zu werden, müssen sie vom Vorsitzenden Apo und der Frau lernen. Sie müssen die Frau als die Kraft erkennen, die sie ist. Sie dürfen nicht allzu schnell aufgeben oder gar Schritte zurück machen.

Jede Einzelne von uns Frauen hat sich aus der Gesellschaft verabschiedet und ist in die Berge gekommen, um nach Freiheit im Leben zu suchen. In der Gesellschaft boten sich uns viele verschiedene Wege wie z.B. Prostitution, Heirat, Selbstmord oder Studium. Doch bewusst oder unbewusst haben wir uns gegen diese Wege entschieden und uns dem Leben in den Bergen angeschlossen. Genau an dieser Stelle besteht ein sehr wichtiger Widerspruch, den es gilt aufzulösen. Dieser Widerspruches basiert auf zwei Dingen: zum Einen Flucht und Verrat, zum Anderen sich im Namen von Liebe von einen Mann abhängig zu machen und dadurch auch den Mann selbst zum eigenen Besitz zu erklären. Es mag einige Freundinnen geben, die sich auf die Suche nach der Bedeutung von Liebe gemacht haben. Einige gelangen zu der Überzeugung `Liebe ist etwas Verbotenes. Je mehr ich sie unterdrücke, desto besser. Lieber arbeite ich für die Partei.` Diese Charaktere flüchten ununterbrochen vor dem bestehenden Widerspruch. Andere wiederum sagen sich `Ich verfüge über ein gewisses Niveau. Ich kann mit einem Mann zusammen leben, ihm einen Platz in meinem Herzen und meinem Geist geben. Gleichzeitig kann ich für den Vorsitzenden Apo, das Volk und die Frau arbeiten.` Auf die eine oder andere Art leben wir alle mit diesem Widerspruch. Obwohl die Haltung des Vorsitzenden Apos zu diesem Thema eindeutig ist, sucht jede von uns nach einer eigenen Umgangsmethode. Ich betrachte das als grundlegendes und wichtiges Problem. Ich teile nicht die Einschätzung einiger Freundinnen, dieses Problem sei nach der sozialen Reform entstanden. Denn es handelt sich um ein Problem der Gesellschaft und der Menschheit als Ganzes. Deshalb tragen wir es als ideologisches Problem in uns. Wäre es uns in der Vergangenheit gelungen, angemessene Persönlichkeitsanalysen vorzunehmen, hätte die soziale Reform keinen größeren Einfluss erlangt. Die Gruppe, deren Ziel es war aufzugeben und Verrat zu üben, hat genau dieses Problem für sich genutzt und daraus Kraft geschöpft. Aus diesem Grund ist es unverzichtbar, dass ihr die Ideologie und Philosophie des Vorsitzenden Apos gut versteht. Denn diese Philosophie nichts anderes als die Liebe selbst. Wie ein Objekt abhängig zu sein oder besessen zu werden, Besitzansprüche zu stellen – für all das gibt es in dieser Philosophie keinen Platz. Diskutiert deshalb umfassend über diese Themen und macht in Verbindung damit grundlegende Entscheidungen; entscheidet euch bewusst dafür. Wenn wir uns bezüglich dieses Themas dem Standpunkt des Vorsitzenden Apos anschließen und seine Ideologie verinnerlichen, dann werden wir uns auch bei all den anderen Themen seiner Ideen annehmen. Dann wird sich uns kein einziges Hindernis in den Weg stellen können. Der Vorsitzende Apo sagt selbst `Der Kern unseres Kampfes ist der Kampf um Liebe`. Wenn heute die Arbeiten von uns Kaderinnen und Kadern nur teilweise oder gar überhaupt nicht ihre Ziele erreichen, dann liegt der Grund dafür in genau diesen Problemen. Genau deshalb kämpfen wir nicht mit Liebe und stellen unsere Kraft nicht in den Dienst unseres Zieles. Immer noch ist Liebe in unseren Reihen wie ein Tabu, mit dem wir unvertraut sind. Bis heute verstehen wir es entweder als etwas, das verboten werden muss oder erst nach der Revolution gelebt werden kann. All diese Herangehensweisen sind unvollständig und falsch. Meiner Meinung nach liegt Liebe im Leben selbst verborgen. Durch unseren Kampf und unseren Einsatz wird sie sichtbar. Um Liebe zu leben bedarf es keines Mannes und keiner Frau, die wir auserwählen und ausschließlich zu unserem Eigentum erklären. Denn wir können auch als Mensch lieben. Wir sind nämlich zuallererst Menschen oder Kinder, nicht Frauen und Männer. Unsere Liebe sollte so rein sein wie der Mensch und das Kind. Niemand von uns darf Liebe und Gefühle auf eine Person begrenzen und sie so gewissermaßen in Gefangenschaft nehmen. Für mich bedeutet es nichts anderes als Ignoranz sich in einer Phase wie dieser auf die Suche nach einem Mann oder einer Frau zu machen und das als Liebe zu bezeichnen. Denn noch immer ist die Bewusstseinsrevolution nicht abgeschlossen, insbesondere die Revolution der Liebe. Aus diesem Grund führt die enge Beziehung zwischen zwei Menschen, führt diese Art der Liebe zu Sklaverei. Ich sage nicht, dass es keine Liebe gibt. Es gibt sie durchaus, doch muss sie eine allgemeine Form im Menschen annehmen. Es gibt Prinzipien, die ich akzeptiert habe und die für alle Frauen und Männer gelten. Aber es gibt an dieser Stelle noch etwas Anderes: Die Kriterien, die für mich gelten, um einen Mann zu lieben, kann ich unmöglich alle in nur einem einzigen Mann verwirklicht finden. Denn ein jeder verfügt über die Grundlagen dafür, aufzugeben und zu verraten. Aus diesem Grund bin ich der Überzeugung, dass – egal wie – die Suche nach einer einzigen Person ignorant ist. Es ist nichts anderes als sich abzulenken und Zeit tot zu schlagen. Ich sage also, bevor wir unsere Liebe einem Mann schenken, sollten wir die Menschheit, die Natur und das Leben lieben.

Es ist an der Zeit eine Entscheidung zu treffen und die Ideologie des Vorsitzenden Apos zu verinnerlichen. Für eine Person, die in ihrem Herzen nur Platz für einen Mann oder eine Frau hat, ist es unmöglich, dem Leben des Volkes und des Vorsitzenden den Weg zu ebnen. Selbst wenn ein Mensch diesen Zielen einen Platz gibt, wird er es nur schwach tun und sich früher oder später aus unseren Reihen verabschieden. Es ist wahr, dass der Mensch von seinem Gegenüber beeinflusst wird und es ebenso beeinflusst. Das kann niemand bestreiten. An dieser Stelle ist die Kunst zu kämpfen entscheidend; nicht vor den eigenen Gefühlen zu fliehen und sich ihnen ebenso wenig zu ergeben. Wem das gelingt, wird zu einer stabilen Persönlichkeit, die in der Lage ist eigene Entscheidungen zu fällen. An diesen Punkt gelangen wir, indem wir uns jeden Tag erneuern. Versteht mich in diesem Punkt nicht falsch. Sagt nicht `Die Freundin Viyan hat die Persönlichkeitsfrage gelöst und ist zu einer freien Frau geworden.` Folgendes ist eine Wahrheit: Solange der Mensch lebt, muss er kämpfen und darf nicht zulassen, dass sich seine Persönlichkeit zurückentwickelt oder Schritte in Richtung Sklaverei geht. Auch ich verfüge als Frau über traditionelle Eigenschaften. Doch ich habe mich immer dafür entschieden, nicht vor meinen Gefühlen zu fliehen und bin ihnen nie unterlegen bzw. habe mich ihnen nie ergeben. Ich war sehr wütend auf mich selbst und habe mich hinterfragt, als ein Freund innerhalb des Kampfes Gefühle für mich entwickelte und sein eigener Beitrag zum Kampf dadurch geschwächt wurde. Denn als Kurdin, als Frau habe ich das Recht zur Entwicklung eines Revolutionärs beizutragen, aber es steht mir nicht zu einen Menschen von unserem Kampf zu entfremden.

Abschließend gebe ich als Frau meine Selbstkritik ab gegenüber der Wahrheit des Vorsitzenden Apos, dem Volk, allen freien Frauen und euch geliebten Genossinnen, den Frauenkräften in Haftanin, der YJA-STAR und allen kämpfenden Freundinnen und Freunden. Ich möchte mich bei euch allen entschuldigen, falls ich unzulänglich gehandelt oder euch traurig gemacht habe. An dieser Stelle komme ich zum Ende dieses Teils meines Briefes. Mit dem festen Glauben daran, dass ihr die Kaderinnenkonferenz und den Kampf als Ganzes erfolgreich umsetzen werdet, grüße ich euch mit meinen Frauengefühlen aus dem Innersten meines Herzens und küsse jede von euch einzeln.

27.01.2006

An den Vorsitzenden Apo – die Quelle des Lichts in den dunklen Nächten!

Seitdem ich deinen Namen gehört und dich kennen gelernt habe, fühle ich mein Leben, weiß wer ich bin und wie ich zu leben habe. Durch deine Ideen habe ich mich selbst kennen gelernt und erfahren, was es heißt ein bedeutungsvolles Leben zu führen. Du hast mir das Alphabet der Freiheit beigebracht. Auch wenn ich mich in deiner Schule ab und zu schwer getan habe, so habe ich nie Zweifel empfunden oder etwas bereut. Denn in ihr habe ich die Kraft der Bedeutung, der Gedanken und des Menschen entdeckt. Ich habe – wenn auch nur in Bruchteilen – verstanden, dass es nichts gibt, was unmöglich ist. Die einzige Bedingung dafür ist, dass der Mensch voller Ernsthaftigkeit und Glauben an seinem Ziel festhält bis er es erreicht hat. Als Frau und als Kurdin wurde die Freiheit zu meinem Ziel. Ich habe stets von ganzem Herzen an dieses Ziel geglaubt. Ich habe mich daher immer danach gesehnt, wenn auch nur für einen kurzen Moment, dich aus nächster Nähe zu sehen, zu umarmen, an deine Schulter gelehnt tief Luft zu holen und dann mit dir über Freiheit, die Frau und all die Dinge in meinem Herzen zu diskutieren, die mein Volk betreffen.

Doch durch das schmutzige internationale Komplott, das sich 1998 von innen und außen entwickelte, wurden wir voneinander getrennt. Wie mir ging es tausenden Freundinnen und Freunden, die voller Hoffnung darauf waren dich zu sehen. Nach deiner Gefangennahme war ich zutiefst erschüttert. Doch die Kraft in meinem Herzen für zukünftige Entscheidungen und die Suche nach Freiheit wurde nur umso stärker. Ich habe nie aufgehört mich nach einem Treffen mit dir zu sehnen und die Hoffnung darauf nie aufgegeben. Ich habe mich stets darum bemüht dir mit meinen Gefühlen nah zu sein und andauernd im Inneren Dialoge mit dir geführt. Wie eine Energie und ein Geräusch hast du mein Inneres erfüllt. Daraus habe ich Kraft und Inspiration geschöpft. Häufig warst du ein Besucher in meinen Träumen, was mich überglücklich gemacht hat. Doch in Wahrheit muss ich eingestehen, dass ich all meine Gefühle und Gedanken dich betreffend nicht in Worte fassen kann. Ab dem Jahr 1999 trug ich stets eine Wahrheit in mir: Mit der Gefangennahme eines derart bedeutenden Menschen wie dir konnte ich mich nie abfinden. Ich sagte mir stets, dass du als Mensch diese Strafe nicht verdient hattest. Ohne Zweifel betrachte ich nicht nur die betrügerischen Staaten, die sich an dem Komplott beteiligten, als verantwortlich für die Gefangennahme und Isolation von dir – eines Volksrepräsentanten und Wegweisers für die gesamte Menschheit. Ebenso sehr wie der Verrat der betrügerischen, verlogenen und verräterischen Staaten ist auch die schwache und unzureichende Genossenschaftlichkeit von mir und all den anderen Freundinnen und Freunden für dieses Komplott verantwortlich. Deshalb haben sich das Volk und all die Frauen, die ihre Freiheitshoffnungen an Sie knüpfen, stets für sich geschämt.

In diesen Tagen, also am 15. Februar 2006, beginnt das achte Jahr der Gefangennahme Rêber Apos. Im Zuge dessen haben die Kräfte des internationalen Komplotts gegen Imrali und das kurdische Volk eine neue und gefährliche Phase eingeläutet. Sie zielen darauf ab, die Friedens- und Demokratiebemühungen Rêber Apos und des kurdischen Volkes ins Leere laufen zu lassen. Ganz offen rufen sie dazu auf sich zu ergeben und von dem Vorsitzenden Apo zu distanzieren. Sie möchten uns gewissermaßen zähmen und an ein Leben ohne den Vorsitzenden Apo, ohne Ideologie und eigenen Willen gewöhnen. Deshalb bringt das kurdische Volk zur Zeit in allen Teilen der Welt seinen Protest gegen die Vernichtungs- und Verleugnungspolitik zum Ausdruck, die sich gegen den Vorsitzenden Apo richtet. Als eine Ihrer Schülerinnen möchte ich an diesem 15. Februar aus Protest gegen die illegitimen Angriffe gegen Sie meine Verbundenheit mit Ihnen erneuern und zugleich die Protestaktionen unseres Volkes unterstützen. Mit dem Feuer meines Körpers möchte ich einen Aufruf an die zu Eis gefrorenen Herzen und Köpfe der klassengesellschaftlichen Zivilisation richten; wie so viele Menschen vor mir möchte ich vor der Geschichte und ihrem Gerechtigkeitssinn zu einer Zeugin werden, die die Lügen und den Betrug des Internationalen Menschengerichtshofes des Westens zum Vorschein bringt.

Mein Vorsitzender! Der Grund für meine Aktion liegt darin, dass ich das Komplott gegen dich und das kurdische Volk nicht akzeptiere. Ich lehne mich gegen die Ungerechtigkeit der hegemonialen Staaten auf, mit denen sie dir und dem kurdischen Volk begegnen. Zugleich gebe ich mit meiner Aktion Selbstkritik für meine unzureichende Genossenschaftlichkeit ab. Ich möchte mich von meiner Scham gegenüber dem Volk und der Geschichte befreien. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir deine ideologische Linie und Philosphie zum Erfolg führen werden – selbst wenn nur eine einzige Person von uns übrig bleibt. Zahlreiche Menschen denken, sie könnten durch die Angriffe auf dich eine ideologische Linie vernichten. Doch ich betrachte diese Versuche als unbedeutend und nehme sie nicht weiter ernst. Du hast mittlerweile Platz in den Herzen, Köpfen und jeder einzelnen Zelle von Millionen von Menschen gefunden, insbesondere von Frauen. Du bist zu etwas unbeschreiblich Wertvollem für die Geschichte und die Gesellschaft geworden. Du hast uns gezeigt, dass die Frau stets von großer Verbundenheit und Ehrlichkeit ausgezeichnet wird. Ich möchte heute trotz all meiner Unzulänglichkeiten und unserer Schwächen meine Selbstkritik abgeben. Zugleich möchte ich meine Entschlossenheit im Kampf für Demokratie, den wissenschaftlichen Sozialismus und das neue Paradigma unter Beweis stellen. Auch wenn es nur ein kleiner Beitrag sein sollte, möchte ich eine Nachricht an die Rückständigkeit in unseren eigenen Reihen und die Angriffe von außen richten. Ich habe mir oft genauso wie all die gefallenen Freundinnen gewünscht, dass ich etwas Wertvolleres als mein Leben als Opfer für den Vorsitzenden Apo, mein Volk und all die unterdrückten Frauen zu geben hätte.

Seit Ihrer Gefangennahme im Jahr 1999 habe ich stets die Entscheidung für meine Aktion in mir getragen. Doch waren die Bedingungen dafür nicht günstig. Vor allem trug ich die Gewissheit in mir, dass Sie diese Aktion nicht akzeptieren würden. Deshalb führte ich einen Kampf im Leben selbst, um Ihnen meine Treue und Verbundenheit unter Beweis zu stellen. Auch heute bin ich mir bewusst, dass sie meine Aktion nicht akzeptieren, sondern kritisieren werden. Aber was soll ich denn tun, mein Vorsitzender? Manche verlieben sich und flüchten Hand in Hand. Meine Art zu lieben drückt sich eben auf diese Art und Weise aus. Mein Herz findet keine Ruhe, solange sie nicht bei uns sind und die Kinder meines Landes kein Lächeln in ihren Gesichtern tragen. Ich entschuldige mich bei Ihnen dafür, dass ich meine Entscheidung in solch einer Phase acht Jahre hinausgeschoben habe – acht Jahre voller Trennung und Distanz zu Ihnen.

Ich möchte auch zum Ausdruck bringen, dass ich fest entschlossen und äußerst glücklich bin. Es war das größte Geschenk und eine Ehre für mich, dass Sie sich nach mir erkundigt und mich für die Mitarbeit im `Komitee für den Neuaufbau` der PKK vorgeschlagen haben. Ich betrachte das auch heute noch als große Ehre. Dass Sie in ihren Perspektiven die Revolution in Südkurdistan stets als Frauenrevolution definiert haben, hat meinen Glauben an den Kampf gestärkt. Jetzt möchte ich als südkurdische Frau auf die Totenstille in Südkurdistan und Ihren großen Einsatz und Ihre Werte eine – wenn auch bescheidene – Antwort geben. Ich bin sehr glücklich, weil ich weiß, dass ich mein Ziel erreichen werde.

Zum Schluss schicke ich Ihnen – diesem beispiellosen Menschen – all meine Liebe, viele Grüße und versichere Ihnen, dass ich voller Sehnsucht nach einem Treffen mit Ihnen bin. Mein Vorsitzender, vergessen Sie niemals: Wir vermissen sie sehr; wir vermissen Sie wirklich sehr.

Ich grüße Sie voller Respekt und Sehnsucht!
21.01.2006

An das patriotische und widerständige kurdische Volk!

Die Geschichte hat bewiesen, dass die Kurdinnen und Kurden ein heldenhaftes und aufopferungsvolles Volk sind. Unser Volk hat sich stets trotz all seiner Unzulänglichkeiten gegen die Verleugnungspolitik, die Arabisierung, Türkisierung und Persifizierung zu wehren gewusst und bis heute seinen Platz in der Geschichte bewahrt. Die Haltung der Besatzerstaaten war immer: `Wenn ihr zu Türken, Persern und Arabern werden, erhaltet ihr das Staatsbürgerschaftsrecht und das Recht zu leben.` Die imperialistischen Staaten sind kontinuierlich um Wege bemüht, wie, wann und wo sie die Kurdinnen und Kurden am besten für ihre eigenen politischen Vorteile instrumentalisieren und somit ihre Ziele erreichen können. Die hegemonialen kurdischen Klassen bzw. die kollaborierenden Kurdinnen und Kurden waren immer bereit, dass arbeitende kurdische Volk zu verkaufen und auf seinem Rücken Verhandlungen zu führen – nur im Interesse von kleinen Vorteilen für die eigene Partei, Familie oder sich persönlich. Das kurdische Volk ist dadurch in eine Situation geraten, für die es auf der ganzen Welt und in der Geschichte der Menschheit kein anderes Beispiel gibt. Es wurde zu einem isolierten und vereinsamten Volk gemacht, dass von allen Seiten als eine Gruppe Sündiger und Verbrecher betrachtet wurde. Dieser Zustand dauert seit 5000 Jahren an. Es ist dem kurdischen Volk seither gelungen die eigene Existenz trotz tausender Kriege, Morde, Hinrichtungen und Vertreibungen zu bewahren und bis ins heutige 21. Jahrhundert fortzusetzen.

Der Vorsitzende Apo und die nationale Befreiungsbewegung Kurdistans intervenieren seit mittlerweile 30 Jahren in dieser Gemängelage und haben das kurdische Volk in die Lage versetzt zu kämpfen. Sie haben dem vermeintlichen Schicksal der Kurdinnen und Kurden ein Ende bereitet, sich ausschließlich verteidigen zu müssen oder getötet zu werden. Heute soll dieser Tragödie ein Ende bereitet werden, weshalb sich das kurdische Volk mit einem Aufruf an die gesamte Welt richtet. Die Kurdinnen und Kurden fordern, dass man ihnen die Hand reicht, um eine Lösung, Frieden und Demokratie herbeizuführen. Doch weder die Kräfte, die von sich behaupten die Menschenrechte zu verteidigen, noch die Besatzerstaaten in Kurdistan antworten auf diesen Friedensaufruf. Ganz im Gegenteil reagieren sie mit unvorstellbarer Grausamkeit, Krieg und Unterdrückung, um Unterwerfung und Sklaverei zu verbreiten. Als Fortsetzung des internationalen Komplotts wird heute ein neues Konzept angewendet, dass eben dieses Ziel verfolgt. Mit diesem neuen Konzept soll der Willen der unabhängigen Kurdinnen und Kurden gebrochen und ihnen ihre Würde genommen werden. Sie behaupten, das kurdische Volk nicht zu verleugnen, doch streben sie zugleich eine Lösung ohne den Vorsitzenden Apo und die PKK an. Die Absicht dieser Staaten, einerseits den Vorsitzenden Apo, die Guerilla und das Widerstand leistende Volk anzugreifen und andererseits den von ihnen abhängigen Kurden eine zentrale Rolle im Greater Middle East Project zu geben, indem man ihnen einen von anderen Mächten abhängigen Staat zuspricht – das kann nicht als akzeptabler bzw. normaler Zustand betrachtet werden.

Es sieht ganz danach aus, als werde das Jahr 2006 konfliktreich verlaufen. Unser Feind hat einen umfassenden Krieg angekündigt und bereits mit seiner Umsetzung begonnen. Vor diesem Hintergrund müssen wir als kurdisches Volk einen sehr vielseitigen und entschlossenen Kampf führen. 2006 wird nicht nur ein Jahr der Selbstverteidigung werden. Wir werden in diesem Jahr eine Lösung für die kurdische Frage herbeiführen. Unter der Voraussetzung, dass sich alle an der Verteidigung ihrer selbst und des Volkes und an diesem ehrenvollen Krieg beteiligen, liegt der Erfolg in unseren Händen. Deshalb müssen in diesem Jahr alle einem klaren Aktionsplan folgen – Kurdin oder Kurde, Intellektuelle, alle Organisationen, alle gesellschaftlichen Klassen, Städte und Dörfer und all diejenigen, die sich selbst als Mensch und Kurdin bzw. Kurde bezeichnen. Das einzige Ziel dieses Aktionsplanes müssen die Freiheit und der Erfolg sein. Die Zeit für Ausweglosigkeit und Niederlagen ist vorbei. Im 21. Jahrhundert werden wir aus eigener Kraft unser Schicksal bestimmen. Kurz- und langfristig müssen wir drei grundlegende Dinge zur Grundlage unseres Aktionsplanes machen und all unsere Kraft und unser Talent für deren Umsetzung einsetzen.

Erstens; als kurdisches Volk und kurdische Frauen müssen wir unter der Losung `Ohne den Vorsitzenden Apo ist ein Leben unmöglich!` voranschreiten. Diese Losung muss mit Leben gefüllt werden. Jeder unserer Tage muss genauso mutig und bedeutungsvoll wie der 15. Februar 1999 verlaufen, doch auf bewusste und organisierte Art und Weise. Die Aufstände des kurdischen Volkes am 15. Februar 1999 waren äußerst kraftvoll. Die Kurdinnen und Kurden haben damals klar zum Ausdruck gebracht, dass Rêber Apo für sie unverzichtbar und der ausschlaggebende Grund für Krieg oder Frieden ist. Ich glaube daran, dass wir die Willenskraft aus dem Jahr 1999 gegen das Komplott noch einmal in unseren Herzen erneuern können. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir dadurch eine entscheidende Verbesserung der Situation des Vorsitzenden Apo und letztendlich die Bedingungen für seine Freiheit erreichen werden. Denn der Geist der Proteste vom 15. Februar 1999 erschütterte die gesamte Welt. Ich rufe die Kurdinnen und Kurden in allen Teilen der Welt dazu auf, auch den diesjährigen 15. Februar zu einem erneuten Beginn für den Freiheitskampf zu machen.

Zweitens; gemäß unser Linie der legitimen Selbstverteidigung rufe ich alle Jugendlichen – ob Frau oder Mann – dazu auf, sich wie die Guerilla den Bergen zuzuwenden und in den Städten die Umsetzung ihres Rechts auf Vergeltung nicht nur von der HPG zu erwarten. Der demokratische Protest und der Widerstand des Volkes müssen in Verbindung damit erfolgen – ohne der Völkerfreundschaft Schaden zuzufügen und mit dem Ziel, jegliches Blutvergießen zu verhindern. Die materiellen und ideologischen Quellen unseres Feindes und all der Kräfte, die auf Krieg aus sind und eine führende Rolle in der Vernichtung der Kurdinnen und Kurden spielen, müssen zu Angriffszielen gemacht werden. Denn sie alle spielen eine wichtige Rolle bei der Ermordung und Vernichtung des kurdischen Volkes. Die kurdischen Jugendlichen und Frauen müssen ähnlich wie in der Vergangenheit ihrer Aufgabe gerecht werden. Das bedeutet unter den heutigen Umständen den passiven Aktionsstil zu überwinden und im Stile der Guerilla in den Städten umfassende Aktionen durchzuführen. Denn heute ist die Zeit des Kampf und der Entschlossenheit. Unzureichende Aktionen werden zu großen Opfern und zu Ergebnissen führen, die wir nicht verdient haben. Die Möglichkeiten für unseren Widerstand sind günstig, denn der Staat strauchelt und ist lang nicht so stark, wie angenommen. Wenn wir also unsere Linie der Selbstverteidigung in die Praxis umsetzen, wird der Staat keine andere Wahl haben, als Imrali zur Anlaufstelle für eine Lösung zu machen und dem kurdischen Volk die Hand für den Frieden auszustrecken. Gelingt uns das, werden die Friedenswünsche all der kurdischen Frauen und Jugendlichen Wirklichkeit werden. Denn Frieden und eine Lösung erfordern große Opfer.

Der dritte Bestandteil dieses Aktionsplanes für das Volk ist der Aufbau des konföderalen Systems in Kurdistan. Der Vorsitzende Apo kritisiert schon seit Langem die verantwortlichen Institutionen und Organisationen für ihre Trägheit, was dieses Thema betrifft. Der Aufbau des konföderalen Systems ist der grundlegende Maßstab für uns. Er zeigt, wie gut wir unseren Gefallenen gerecht werden. In ihm drückt sich unsere Verbundenheit mit dem Kampf, den unser Volk seit Jahren führt, und mit dem Vorsitzenden Apo aus. Denn der Demokratische Konföderalismus ist der Weg für eine demokratische Lösung. Er ist das Selbstverwaltungssystem für das kurdische Volk. Wenn wir dieses System richtig verstehen und es von der Basis aus angemessen organisieren, werden wir niemals Bedarf nach einem eigenen Staat haben. Die Umsetzung unserer Rechte auf Sprache, Kultur und Identität dürfen wir nicht vom Staat erwarten, sondern müssen sie aus eigener Kraft erreichen. Dafür bedarf es einer starken Beteiligung auf militärischer, politischer und organisatorischer Ebene. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Freiheit des kurdischen Volkes naht. Genauso wie die Phase des nationales Aufstandes erfolgreich war, werden wir auch diese Phase der demokratischen Lösung mithilfe unserer eigenen Anstrengungen und unseres Willens zum Erfolg führen. Unsere nationale Tragödie wird damit ein Ende finden. Als ein Kind dieses Volkes möchte ich mich euren Protestaktionen anschließen. Ich möchte meine Schuld gegenüber euch, meinem so wertvollen und kämpferischen Volk, begleichen. Ich möchte mit einer Aktion voller Feuer die Aufrichtigkeit und Verbundenheit der Guerilla unter Beweis stellen. Dafür werde ich die Kälte des Winters und all die Hindernisse überwinden, die heute in den heiligen Bergen Kurdistans aufgrund der Politik des Feindes zwischen dem Volk und der Guerilla bestehen. Zugleich möchte ich die folgende frohe Botschaft verbreiten: Solange wir vom Geist der PKK und der kurdischen Identität erfüllt sind, werden wir trotz all unserer Unzulänglichkeiten genauso wie Sema und Serdar Ari bereit sein, uns voller Entschlossenheit und Glaubenskraft aufzuopfern. Ich bin der Überzeugung, dass ein Leben voller Frieden und Freiheit nicht in weiter Ferne liegt. Selbst wenn es noch eine Weile dauern sollte, wird die Zeit niemals unseren Glauben an den Kampf und unseren Willen brechen können. Zuletzt möchte ich betonen, wie glücklich ich bin ein Kind dieses Volkes zu sein.

An das kurdische Volk in Nordkurdistan!

Ich war stets von der Sehnsucht erfüllt, mich auf den Weg in Richtung der Berge Nordkurdistans und des Feuers euer Aufstände zu machen. All meine Hoffnungen und meine Ziele richten sich darauf, dass auch ihr, so wie alle anderen, in Frieden und Freiheit ein Leben gemäß euer Sprache, Kultur und nationalen Identität leben könnt. Vielleicht werde ich das selbst nicht erleben können. Doch bereits jetzt fühle ich, dass all das Realität werden wird und bin von einem festen Glauben daran erfüllt. Es ist sowieso nicht so wichtig, ob wir selbst Zeugen all dessen werden. Es ist völlig ausreichend, wenn all die Kinder diese Zukunft erleben, die mit ihren kleinen Händen Steine auf diejenigen werfen, die ihr Leben zu einem Albtraum gemacht und ihre Sonne verdunkelt haben.

Der Vorsitzende Apo ist ganz in euer Nähe. Ihr könnt euch dafür glücklich schätzen. Doch ich weiß auch sehr gut, dass eine schwere Last auf euren Schultern ruht. Der Vorsitzende ist nicht nur eine Führungspersönlichkeit eines Volkes, er wurde der gesamten Menschheit und ihrer Geschichte anvertraut. Daher ist es äußerst schwer ihn zu befreien und zu beschützen. Euer Kampf, den ihr ohne Pause und ohne müde zu werden führt, ist daher mehr als heilig. Indem ich meine Selbstkritik abgebe, beglückwünsche ich euch zugleich zu euren Kampf. Ich bin voller Hoffnung, dass die Unterschriftenkampagne des kurdischen Volkes für ein demokratisches Referendum und alle anderen demokratischen Aktionen eine Friedensphase einleiten werden. Zum Abschluss rufe ich unser gesamtes geliebtes Volk dazu auf, sich um den Vorsitzenden und seine Organisationen zu versammeln. Lasst euch von keiner Gruppe oder hoffnungslosen Stimme aufhalten. Richtet eure Augen einzig und allein auf den Erfolg!

Mit vielen Grüßen und voller Respekt

An das kurdische Volk in Südkurdistan!

Zuallererst möchte euch als Guerillera aus den wundervollen Bergen Kurdistans meine Grüße ausrichten, meinen Respekt und meine Verbundenheit euch gegenüber zum Ausdruck bringen. Ich bin in diesen Tagen sehr glücklich angesichts der historischen Errungenschaften und Erfolge in Südkurdistan. Für all diese Erfolge beglückwünsche ich euch. Sie wurden mit dem Blut tausender Gefallener und durch den seit Jahrhunderten andauernden Kampf unseres Volkes errungen. Die Entwicklungen in Kurdistan, die euch Patriotinnen und Patrioten heute glücklich stimmen, wurden durch große Opfer erkämpft. Halabdscha, die Enfal-Operationen, Flucht, Tod und Plünderungen wurden dafür erlitten. Vor diesem Hintergrund ist es die Pflicht all der Kurdinnen und Kurden, die Würde und Ehre in sich tragen, die Willenskraft des kurdischen Volkes zu schützen bzw. zu entwickeln und die Demokratisierung des Iraks zu unterstützen. Alles Andere wäre ein großer Fehler. Der ausschlaggebende Punkt ist, dass unser Volk die erkämpften Errungenschaften beschützt und sich für ihre Weiterentwicklung einsetzt. Denn wir müssen uns bewusst sein, dass die Gefahren und Kriegsdrohungen weiter über dem kurdischen Volk schweben. Gegen diese Gefahren bedarf es einer klaren Haltung.

Im Verlauf der Geschichte waren es die westlichen Staaten, insbesondere die USA, die für die Entstehung der kurdischen Frage gesorgt haben. Trotz dessen spielen sich genau diese Mächte heute auf dem Rücken des Blutes unserer Gefallenen und des Einsatzes unseres Volkes auf – und das ohne sich auch nur im geringsten dafür zu schämen. Sie betrachten sich selbst als Verantwortliche für die Errungenschaften in Kurdistan. Südkurdistan wollen sie in diesem Zusammenhang zu einem Verteidigungsposten machen, der ihre Politik und Profiten im Mittleren Osten beschützt. Zum einen sind sie als Teil ihrer schmutzigen Pläne stets darauf aus, die Kurdinnen und Kurden in Südkurdistan gegen die Türkei, Syrien und den Iran zu instrumentalisieren. Zum anderen achten sie penibel darauf, dass die Kurdinnen und Kurden nicht die Grenzen überschreiten und stets unter ihrer Kontrolle bleiben. Die westlichen Mächte möchten Südkurdistan zu einer Falle für die Kurdinnen und Kurden in den anderen Teilen Kurdistans machen und sie dadurch gegeneinander ausspielen. Es ist kein Zufall, dass die PKK auf die Terrorliste gesetzt und der Vorsitzende Apo gefangen genommen wurde, während gleichzeitig die Regierenden und die Föderation in Südkurdistan grünes Licht erhielten. Dieses Spiel muss klar erkannt und darf vom südkurdischen Volk nicht unterstützt werden. Syrien, der Iran und die Türkei sind weiterhin fest entschlossen, die Errungenschaften in Südkurdistan zu zerschlagen und ihre feindliche Politik fortzusetzen. Die hegemonialen kurdischen Klassen, einzelne Cliquen, Familien und Parteien verstecken sich unter dem Mantel kurdischer Politik, um auf dem Rücken des Blutes unseres Volkes Profit zu machen. Wir befinden uns in einer sehr kritischen Phase, in der in allen vier Teilen Kurdistans, insbesondere im Norden, über eine politische Lösung für die kurdische Frage diskutiert wird. In solch einer Zeit ist es eine riesige Schande, dass Mam Celal von der Türkei und den USA fordert, Apo zum Schweigen zu bringen. Das muss ganz klar abgelehnt werden. Mittlerweile ist es für Kurdinnen und Kurden zu einem Anlass der Scham geworden, wenn sie gegeneinander Krieg führen oder Pläne zum Nachteil des Anderen schmieden. Denn die Probleme in den einzelnen Teilen Kurdistans betreffen Kurdistan als Ganzes. Das Schicksal aller vier Teile Kurdistans ist aufs Engste miteinander verbunden. Die Lösung der kurdischen Frage in Nordkurdistan, dem größten Teil Kurdistans, ist von besonderer Bedeutung. Ohne sie ist ein würdevolles und freies Leben in den anderen Teilen Kurdistans unmöglich. Ich rufe daher alle Kurdinnen und Kurden in Südkurdistan dazu auf, das Schweigen und die fehlende Verantwortungsübernahme gegenüber der Revolution in Nordkurdistan nicht hinzunehmen. Denn Schweigen bedeutet Tod und wird auch zur Zerschlagung der jüngsten Errungenschaften in Südkurdistan führen. Als Frauen, Kinder, Jugendliche, Alte und Intellektuelle müsst ihr alle eure Stimme im anstehenden demokratischen Referendum dafür abgeben, dass der Vorsitzende Apo beschützt und als politischer Repräsentant der Kurdinnen und Kurden akzeptiert wird. Ihr müsst all eure Möglichkeiten und Errungenschaften dafür einsetzen, Solidarität mit den Kämpfen in den anderen Teilen Kurdistans zu üben. Ich habe in diesem Punkt größtes Vertrauen in den Widerstandswillen unseres Volkes. Denn das südkurdische Volk ist ein aufopferungsbereites Volk, das Halabdscha und zahlreiche Aufstände für die Freiheit miterlebt hat.

Auch ich bin eure Tochter. Ich bin eine Frau, die seit zehn Jahren in den Bergen Kurdistans meinen Beitrag zum Kampf für die Freiheit des kurdischen Volkes und der kurdischen Frau leistet – auf der Grundlage der Widerstandskultur, die ihr mir weitergegeben habt, und des Willens und Wissens, das ich vom Vorsitzenden Apo und der Bewegung der freien Frau erhalten haben. Die Demokratisierung Südkurdistans und die Befreiung des Bewusstseins sind nah. All die Selbstmorde, die Ausweglosigkeit, die Versklavung der Frau, die Flucht der Jugend und die anderen gesellschaftlichen Probleme werden ein Ende finden. Ich möchte mit meiner Aktion ein Zeichen meiner Verbundenheit mit diesen Zielen setzen. Ich opfere ich mein eigenes Leben, um euch wertvollen Menschen eine Nachricht zu senden. Meine Aktion ist nicht gleichbedeutend mit den Selbstmorden all der Frauen, die von Ausweglosigkeit und Schmerz erfüllt sind. Sie ist eine Aktion der Liebe zum Leben, der Bewusstseinsentwicklung und der Freiheit. Sie ist eine Fortsetzung der Widerstandslinie von Leyla Kasim, Zilan und Sema. Ich werde überglücklich sein, wenn dieser Aufruf und meine Aktion vom gesamten Volk und allen kurdischen Frauen wahrgenommen wird. Selbst wenn nur in bescheidenem Maßen, meine Aktion wird den Widerstand des südkurdischen Volk und dessen neu entstehenden Organisierung unterstützen. Zum Abschluss möchte ich als südkurdische Kaderin meine Selbstkritik abgeben. Es ist mir nicht gelungen, eine ausreichend starke Führungsrolle zu spielen. Ich habe es nicht geschafft, die Ideologie des Vorsitzenden Apos ausreichend zu verbreiten, der den Kampf für die Freiheit der Frau als gesellschaftliche Revolution in Südkurdistan definiert.

Lang lebe der Vorsitzende Apo!
Lang lebe die PKK und die PAJK!
Lang lebe die KJB und KKK!
Lang lebe die HPG und YJA-STAR!
Lang leben unsere Gefallenen, die dem Weg unserer Freiheit folgen!
Nieder mit dem Verrat und dem internationalen Komplott!
Nieder mit jeglicher Rückständigkeit und Herrschaft!

Mit vielen Grüßen und voller Respekt
01. Februar 2006

An meine geliebte Familie!

Zuallererst schicke ich viele Grüße und Respekt an meine Mutter, meinen Vater, meine Schwestern, meine Brüder, alle meine Verwandten und Freunde. Ich hoffe, es geht euch allen gut und küsse jeden Einzelnen von euch.

Liebe Familie,
in den letzten zehn Jahren habe ich euch aufgrund der Bedingungen unseres Kampfes und ein wenig auch wegen meiner Wut auf euch keinen Brief geschrieben. Es war uns damals nicht gelungen, in Bezug auf meinen Beitritt zur kurdischen Freiheitsbewegung, die vom Vorsitzenden Apo und der PKK angeführt wird, und zur Frauenfreiheitsbewegung zu einem gegenseitig Verständnis zu gelangen. Dadurch entstanden zahlreiche Probleme. Doch nach zehn Jahren bin ich voller Hoffnung, dass ihr diesen Weg und diesen Widerstand verstehen werdet, für den sich tausende junge Frauen und Männer aus alle vier Teilen Kurdistans entschieden haben. Ob ihr wollt oder nicht, ihr seid als Familie ein Teil dieser Revolution. Es wird euch nicht gerecht, eure Tür und eure Herzen all den Freundinnen und Freunden, den Ideen und Zielen zu verschließen, für die sich Millionen Menschen und eure Tochter von ganzem Herzen einsetzen! Ihr habt eine wichtige Position in der Gesellschaft und werdet weithin respektiert. Ihr gehört zu den Kurdinnen und Kurden, die im Laufe ihrer Geschichte Halabdscha, den Anfal-Operationen, all den Opfern und Vertreibungen mit Patriotismus begegnet sind. Ihr gehört zu einem Volk, dessen Widerstandsphilosophie auf der Haltung basiert `Löwe ist Löwe, egal ob männlich oder weiblich`. Ihr dürft es deshalb nicht als Schande und Angriff auf eure Ehre verstehen, wenn eine Frau sich dem Kampf für die Lösung der nationalen Frage anschließt und dadurch ihre Willenskraft unter Beweis stellt. Ihr dürft all die rückständigen und traditionellen Eigenschaften der Gesellschaft nicht länger gut heißen. Ihr müsst euch endlich eingestehen, dass die Frau ein Teil der Gesellschaft ist. Denn die Frau als Menschen zu akzeptieren bedeutet, die Willenskraft der Gesellschaft und des Volkes zu stärken. Solange das nicht geschieht, wird etwas Entscheidendes im Leben fehlen. Es ist nun auch für euch an der Zeit, eine Entscheidung zu fällen. Ihr müsst Verantwortung für die Geschichte des Volkes und die Menschheit als Ganzes, den Widerstand und die damit verbundenen Heldentaten übernehmen. Genau wie all die anderen von Würde und Ehre erfüllten Kurdinnen und Kurden müsst ihr sagen können `Es gibt uns und wir werden mit all unserer Kraft Unterstützung leisten`.

Als ich euch verlassen habe, war ich 15 Jahre alt. Heute bin ich 24. Ich bitte euch darum, ein wenig objektiv zu denken und euch einmal zu fragen `Was tut unsere Tochter da genau? Wofür und wie kämpft sie? Wäre sie auch in der Lage wie Awar, Xalit oder all die anderen zurückzukehren und ein Leben nur für sich zu führen?`

Die Freundinnen und Freunde sollen euch besuchen gehen. Besucht ihr auch sie. Lest meine Briefe und erkundigt euch nach meinem Leben und dem der Freundinnen und Freunde. Verfolgt den Fernsehsender ROJ TV und den Radiosender `Mezopotamya`nin Sesi`. Lest die Bücher des Vorsitzenden Apos. Ihr werdet dadurch verstehen, warum sich eure Tochter für diesen Weg entschieden und an diesem Leben festgehalten hat. Ich möchte euch nicht vorschreiben, was ihr zu tun habt. Entscheidet am besten auf der Grundlage eures Gewissens selbst.

In diesem Zusammenhang möchte ich nur eine Sache zu meiner eigenen Verfassung sagen. Ich habe in den vergangenen neun Jahren nicht einen einzigen Tag an Verrat gedacht oder etwas bereut. Ich habe in der PKK sehr viel gelernt und verstanden. Daher bin ich heute voller Stolz. Die Liebe für meine Mutter, meinen Vater, meine Geschwister und die gesamte Menschheit ist eine der grundlegendsten Dinge, die ich hier gelernt habe. Es gab eine Zeit, in der ich sehr wütend auf euch war. Damals sagte ich mir `Warum verstehen sie mich falsch und betrachten sich nicht als Teil der PKK!`. Mit der Zeit habe ich verstanden, dass all das nicht allein eure Schuld ist. Denn die Quelle eurer Einstellungen liegt in jahrhundertealten Problemen und Rückständigkeiten auf der Ebene von Politik und Bewusstsein. Es ist mir nicht gelungen Gelegenheiten zu schaffen, mit euch über all das zu diskutieren. Das war und ist ein Fehler meinerseits. Ich möchte mich dafür bei euch entschuldigen. Ich möchte euch versichern, dass ihr als Familie einen Platz in meinem Herzen und in meinen Gedanken habt – genauso wie alle Kurdinnen und Kurden. Ich bin bereit mein Leben für den Aufbau eines von Glück erfüllten Lebens zu opfern. Meine Antwort auf all die Mühe, die ihr für mich aufgebracht habt, ist nicht Verrat an den Gefallenen zu üben, sondern ganz im Gegenteil Verantwortung für sie zu übernehmen und mich für sie aufzuopfern.

Diese Aktion ist eine Antwort auf die Politik der Verleugnung gegenüber dem kurdischen Volk und der Isolation des Vorsitzenden Apos. Gäbe es etwas Wertvolleres als mein eigenes Leben, das ich gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung auf dem Weg zur Freiheit des kurdischen Volkes und der Frau einsetzen könnte – ich wäre auch dazu bereit. Das kurdische Volk ist jeden Tag auf den Straßen und macht große Schritte in Richtung Erfolg. In einer Phase wie dieser als Frau wie ich das eigene Leben zu opfern, betrachte ich als sehr unzureichend. Aus diesem Grund weiß ich, ähnlich wie viele andere Freundinnen und Freunde, dass ich dem Volk und all den von Schmerz erfüllten Frauen auch in Zukunft etwas schuldig sein werde.

Ich hätte gerne noch viele weitere Dinge geschrieben und an jeden Einzelnen von euch persönliche Worte gerichtet, doch es bleiben nur noch wenige Stunden bis zu meiner Aktion. Aufgrund der wenigen verbleibenden Zeit kann ich euch nicht ausführlicher schreiben. Denn da sind noch meine Geschwister und viele andere Menschen, an die ich meine Worte richten müsste. Zum Abschluss möchte ich noch etwas zum Ausdruck bringen. Wenn ihr von wirklicher Liebe füreinander erfüllt seid, dann versteht bitte mein Ziel und meine dafür ausgewählte Methode richtig. Kommt nicht zu falschen Schlussfolgerungen. Denn ich habe für genau das gelebt und für genau das aus eigener Überlegung den Plan für meine Aktion geschmiedet. Mein letzter Wunsch ist es, dass Awaz sich wieder der Guerilla anschließt, in die freien Berge Kurdistans zurückkehrt und meine Waffe trägt. Denn ich liebe ihn sehr. Er hat es verdient, in den Reihen der Freundinnen und Freunde zu sein.

Legt auch all den anderen Männern und Frauen bei ihren Anstrengungen keine Hindernisse in den Weg, ihre eigene Zukunft zu gestalten und einen eigenen Willen zu entwickeln.

Ich grüße euch zum Abschluss und sende euch meine Liebe und meinen Respekt. Ich hoffe, dass ihr von Glück und Ehrgefühl erfüllt seid.

Mit vielen Grüßen und voller Respekt
Eure Guerilla-Tochter Leyla Wali Hüseyin – Viyan Soran
01. Februar 2006
die Nacht, in der die Aktion ausgeführt wird

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