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Stimmung eines Herzens

by rcadmin

ŞEHÎD ATAKAN MAHIR

Wenn ich eines Tages falle, lang hinschlage
du vor meiner Leiche
dem Schrei des Krieges nicht erschreckst –
beuge dich über mich und küsse mich.
Wie vertrocknete Erde nach Wasser dürstet
zärtlich wie die Mutter die Hand nach der Wiege streckt
wie die gläubige Hand die Ikone berührt
voller Sehnsucht wie der Regentropfen auf die Erde fällt;
wie die Geliebte…
Nimm an, ich wär ein Roma-Kind
wie ein geflicktes Bündel auf dem Rücken der Mutter
halbnackt, vertrieben, auf Wanderschaft.
In der Hand ein Stück Brot
gerade aus dem Müll gezogen
Hände und Gesicht voll Schmutz
Sauberkeit nicht weiß, voller Sehnsucht nach Wasser
in meinem Herzen
eine Leere…
Nimm an, ich wär ein Koloniekind
in einer großen Steppe
barfüßig
leicht gebeugt, leicht beleidigt
etwas rebellisch
und wieder in meinem Herzen
eine Leere…
Nimm an, ich wär so furchtbar einsam
Bedürftig nach einer Umarmung
Beuge dich über mich und küsse mich.
Auch wenn mein Leib nicht nach Rosen
sondern wie die leeren
zerstörten
verbrannten Dörfer Kurdistans
ohne Fußspuren von Kindern
nach Asche riecht –
vergessen auf den Seiten des Krieges
Auch wenn ich nicht in weiße Seide gehüllt bin
sondern in der Echtheit und Nacktheit der Natur
Wenn ich zum Beispiel gefallen bin
Und zwar im Krieg
Von meinem Körper dir
Mein Herz, mein Gedanke
mein Körper wie ein Frühlingsblatt bleibt
Oder:
ein Teil meines Gesichtes.
Wenn du dich nicht erschreckst,
dann beuge dich über mich und küsse mich
weine jedoch nicht.
Schlage deine Waffe an meine
deine Faust soll in meiner fest bleiben
Sieh das Leuchten meiner Augen als deinen Pfad
Lass meine ewige Ruhe deine Hoffnung auf Sieg werden
Du wirst sagen ein Blatt der Eiche ist gefallen
Du wirst es aufheben und riechen
Dein Herz wird vielleicht Schmerzen.
Aber so viel soll dir zumutbar sein, Genosse!
Vergesse nicht,
wir sind keine Guerilla aus der Zeit Jesu,
sondern die aus der Zeit des Weltraums.
Weder Spartakus hat wie wir gelebt
Noch Che wie wir gekämpft
Ohne Zweifel werden unsere Körper eine Gegenleistung
Für die Botschaft eines blauen Himmels ohne Wolken
Dafür sollen sie sein, Genosse!
Der Griff nach der Sonne ist nicht nur nah
wir haben sie endlich ergriffen
Die Morgendämmerung gehört nun uns
Unser Lied spielt unendlich lang
Die Berge tanzen im Kreis
Unsere Kinder sind verrückt wie der Wind
Schau:
Aus Dörfern ist sogar der Hahn zu hören
die Farben unserer Fahne tönen die Wolken
nicht der Regenbogen spannt über Kurdistan
das neue Leben ist es –
Die Freiheit soll deine sein, Genosse!

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