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Über Şengal

by rcadmin

STÊRKA CİWAN

Şengal ist sowohl der Name einer Stadt als auch eines Distrikts in Sükurdistan. Die Zahl der êzîdischen Bevölkerung im Gebiet Şengal wird auf 400.000 geschätzt. Im Vergleich: man geht davon aus, dass in ganz Başûr ca. 800.000 – 1.000.000 ÊzîdInnen leben. Die große Mehrheit der ÊzîdInnen lebte seit Jahrhunderten im Gebiet von Mossul innerhalb der Grenzen des heutigen Irak in Şengal und im Regierungsbezirk Şêxan. Die Bevölkerung verteilte sich vor allem auf das Gebirge, sowie auf das ezidische Hauptsiedlungsgebiet Şengal. Man spricht auch davon, dass in den Bergen Şengals mehr als 35.000 Menschen leben.

GEOGRAFIE
Şengal liegt an der Grenze zu Rojava. Das Gebiet Şengal besteht aus Gruppen mehrerer Hügel. Es beginnt ca. 90km westlich von Mossul und weitet sich süd-westlich in Richtung Hesekê aus und ist von Hesekê ca. 50km weit entfernt.
Der zwischen den Flüssen Tîgrîs und Xabûr positionierte Çiyayê Şengalê setzt sich zusammen aus Gebirgsketten. Einige Gipfel erreichen nur eine Höhe von 900 Metern, dahingegen erreicht der Gipfel Çêl Mêra mehr als 1300 Meter Höhe. Çêl Mêra ist der Name des Gipfels und gleichzeitig ein bekanntes Heiligtum der ÊzîdInnen.
Nördlich des Çiyayê Şengalê liegt der Xatuniya See. Eine zweite Gebirgskette – die al Tawq (arabisch für Halskette) – befindet sich südlich des Çiyayê Şengalê. Die Hügel und Täler des Gebirges verschmelzen langsam mit der gleichnamigen Hauptstadt der Region: Şengal.

Klima
Wenn man in Şengal lebt, hat man kalte, feuchte Winter, doch im Sommer erlebt man hohe trockene Hitzen. Der westliche Teil des Şengal Berges ist eher trocken. Der westliche Teil ist fruchtbarer.

Wichtige Orte
Hunderte von ÊzîdInnen pilgern jedes Jahr nach Şerefedîn in Şengal um das Pilgerfest „Cimaya Şerfedîn“, das Fest zu Ehren ihres Heiligen Şerefdîn, dem die gleichnamige Heiligenstätte gewidmet ist, zu feiern. Diese Heiligenstätte wurde im 13. Jahrhundert zu Ehren des Şêx Şerefedîn, einem der höchsten Heiligen der ÊzîdInnen, errichtet und befindet sich im nördlichen Teil des Şengal-Gebirges. Sie ist nach Laleş die zweitwichtigste Heiligenstätte.

Geschichte
Die Geschichte Şengals ist eine blutige. Schon im römischen Reich wird Şengal zum Schauplatz grausamer Kriege. Im Laufe der Zeit gab es zahllose Kämpfe von ÊzîdInnen gegen Kolonialmächte wie das Osmanische und das Persische Reich. Immer wieder wurden die Siedlungsstätte der ÊzîdInnen (zu denen Şengal seit mehr als 800 Jahren gehört) kaltblütig angegriffen. So wie wir es oft in der Geschichte der KurdInnen lesen, waren auch für viele ÊzîdInnen das Gebirge eine Zuflucht. Das Şengal-Gebirge erhebt sich aus einer Wüste. Diese geografische Lage nutzen einige êzîdische Stämme im Kampf gegen die Angreifer, um die eigene Macht zu festigen und eine eigene Autonomien aufzubauen.
Besonders harte Angriffe erlitt das Şengal-Gebirge im 19. Jh, als unter Führung Ali Paşas und später Süleyman Paşas zwei große Feldzüge im Şengal-Gebirge durchgeführt wurden. Bei beiden Feldzügen wurden in Şengal große Verwüstungen angerichtet. Hunderte ÊzîdInnen kamen ums Leben.
Dies ist nur ein kleiner Einblick in eine Geschichte voller Zerstörung aber auch Widerstand. Wenn wir einen größeren Schritt wagen und uns die Gegenwart anschauen, sehen wir, dass ÊzîdInnen in Şengal auch heute noch ständig mit Bedrohungen von außen konfrontiert werden. Das 73. Ferman vom 03. August 2014 ist noch heute in den Tränen tausender Mütter und Kinder zu lesen. An diesem Tag haben die IS-Banden, mit Hilfe der KDP, einen großen Genozid gegen die dort lebenden KurdInnen gestartet. Noch heute sind tausende von Frauen, unter ihnen auch viele Mädchen, spurlos verschwunden. Nur mit dem Eingriff der Freiheitsbewegung konnten schlimmere Folgen unterbunden werden.
Auch wenn die Drohungen der Besatzerstaaten noch weiterhin präsent ist, haben die ÊzîdInnen in Şengal neuen Mut geschöpft. Durch die Organisierung der Freiheitsbewegung wurde das Rätesystem für Şengal ins Leben gerufen. Die Widerstandseinheiten Şengals (YBŞ – Yekîneyên Berxwedana Şengal) und die Fraueneinheiten Şengals (YJŞ – Yekîneyên Jinên Şengal) wurden ins Leben gerufen, damit sich das Volk in Şengal selbständig beschützen kann.
Im März hat die KCK bekannt gegeben, dass die PKK sich aus Şengal zurückzieht, um Angriffe auf Şengal zu vermeiden. Auch ohne direkte Unterstützung der PKK, sollen die ÊzîdInnen in der Lage sein sich selbst zu verteidigen.

Wichtige Entdeckungen
In Şingal wurde 1980 ein neues Minerals entdeckt. Die Forscher Zeki A. Aljubouri und Salim M. Aldabbagh benannten dieses extrem seltene Mineral Sinjarit.

Eine weitere interessante Entdeckung ist das Tell Maghayaliyah, eine befestigte Siedlung wahrscheinlich aus dem Neolithikum (ca. 7000 v. Chr.) erhalten. Forschungen zufolge lebten in dieser Ur-Siedlung ca. 150 Menschen. Archäologische Funde beweisen, dass die Menschen dort einen „Halb-Sesshaften“ Lebensstil geführt haben. So zeigt sich, dass Şengal eines der ältesten Siedlungsgebiete auf der Welt ist.

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