Home ALLE BEITRÄGESTÊRKA CIWAN Wachsende Unterdrückung? Oder Kampf für Freiheit?

Wachsende Unterdrückung? Oder Kampf für Freiheit?

by rcadmin

XELÎL ROJAN

Für die letzten 3 Monate hat die Corona-Krise das Denken und das Zusammenleben der Gesellschaft in massivem Ausmaß bestimmt. Nun hoffen alle, dass möglichst schnell das Leben wieder „normal“ wird, so wie man es vorher gekannt hat. Doch wir dürfen solch eine Krise weder als etwas völlig Einmaliges noch als etwas rein Zufälliges begreifen, sondern als ein Symptom eines großen Chaos, in dem sich das System befindet. Je nachdem ob wir das richtig verstehen, werden wir entweder für einen Ausweg kämpfen oder auf noch tiefere Abhängigkeit und Unterdrückung zulaufen.

Werfen wir einen Blick in das kapitalistische Weltsystem, welches uns als eine Geschichte des Erfolgs verkauft wird. Von den Wirtschaftsliberalen, bis hin zu den Marxisten sind sich alle einig, dass die Gesellschaft sich mit fortschreitender Zeit stetig verbessert. Seit seiner Entstehung ist es jedoch vor allem ein System, das sich dadurch auszeichnet, das Leben für die Menschen schwerer und unglücklicher zu machen und die Gesellschaft zu zerstören. Die Erzählung, dass die Geschichte ein permanenter Fortschritt sei und dass die westliche Zivilisation die beste aller möglichen Welten wäre, können wir als Ideologie und Propaganda dieses Systems beschreiben. Wo immer Katastrophen über Menschen hereinbrechen, verkaufen die Regierungen uns diese als „Ausnahmezustand“ und sich selbst und den Staat als Medizin.

Das Corona-Virus zeigt uns das sehr deutlich: Es wird von den Staaten und Behörden als ein unvorhersehbares Unheil dargestellt, welches plötzlich über die Gesellschaft hereingefallen ist. Dann stellen sie sich als große Retter der Gesellschaft dar, welche diese in der Krise beschützen. Doch, wenn wir uns von dieser Propaganda befreien, sehen wir, dass das Virus ganz und gar nichts Plötzliches war, sondern ein direktes Symptom des zivilisatorischen Systems. So wie bereits im 14. Jahrhundert die Pest in Europa als Konsequenz von extremer Abholzung von Wäldern, Verstädterung und Zunahme von Handel wütete, so erleben wir in Folge von Industrialisierung, Massentierhaltung und imperialisierter Wirtschaft ständig Ausbrüche von Viren, seien es AIDS- oder verschiedene Grippe-Viren. Diese Krankheiten raffen in den ausgebeuteten Ländern des Südens schon immer unschuldige Menschen hinweg, Krankheiten und Epidemien sind also klar Teil dieses Systems.

Hauptsache die Sorgen gehen weg“

Wenn wir uns hingegen den Umgang der Staaten mit diesen Situationen anschauen, können wir feststellen, dass sie diese vor allem dazu nutzen, die eigene Herrschaft auszubauen und die Gesellschaft und demokratischen Elemente weiter zu entwaffnen. Unter dem Deckmantel der Sicherheit werden Überwachungsmaßnahmen eingeführt, Polizeibefugnisse ausgeweitet und Menschen in noch stärkere Abhängigkeit gebracht, da sich das gesamte Gesundheitswesen in der Hand von Konzernen und Staaten befindet. So werden wir langsam an diese Zustände gewöhnt, akzeptieren sie, sehen sie als normal an und wehren uns nicht. Diese passive Haltung zeigt sich von der gesellschaftlichen Dimension bis in die persönlichsten Gefühle der Menschen: Man wartet und hofft, dass das Schlimmste vorbei geht, man erduldet alles um die Symptome zu lindern und will einfach wieder zum „Normalzustand“ zurückkehren. Wenn wir uns selbst betrachten, können wir das ganz genau feststellen. Immer wieder werden wir von Sinnkrisen gepackt und fragen uns, warum wir eigentlich in diesem Hamsterrad mitlaufen, warum wir Zahnräder in der Maschine des Systems spielen? Doch, anstatt unser Leben radikal zu hinterfragen und uns auf die Suche nach einem sinnvollen Dasein zu machen, lenken wir uns ab, betäuben uns oder gehen zum Psychiater, Hauptsache die Sorgen gehen weg. Dass in Wahrheit alles nur immer schlimmer wird, wollen wir nicht wahrhaben. Und genauso verhält sich die Gesellschaft, wenn wir diesen trügerischen Vorhang nicht herunterreißen und die Wurzel des Problems offenlegen.

Chaosintervalle – Zeiten historischer Entscheidungen

Rêber APO beschreibt unsere aktuelle Zeit, in der sich der krisenhafte Charakter unseres Systems immer deutlicher zeigt, als Chaosintervall. Die bisherigen liberalen Methoden der Staaten und Kapitalisten funktionieren nicht mehr, Zusammenbrüche in der Wirtschaft ereignen sich in immer kürzeren Abständen, die Gesellschaft gerät in Aufruhr und Unzufriedenheit und merkt, dass es so nicht mehr weiter gehen kann. Das System wird von Jahr zu Jahr schwächer und schaffte es nur durch äußerste Gewalt und psychologische Kriegsführung, sich auf den Beinen zu halten. Der Faschismus in der Türkei ist eines der deutlichsten Beispiele hierfür.

Chaosintervalle können wir als Zeiten historischer Entscheidung ansehen. Denn wo die bisherigen Methoden des Systems ihr Versagen unter Beweis stellen, entsteht eine Lücke und es ist nicht vorherzusehen, wie diese gefüllt wird. So wird sich in den kommenden Jahren zeigen, welche Kräfte sich am stärksten organisieren und ein alternatives System errichten

können. Es könnten diejenigen faschistischen Kräfte sein, welche um alles in der Welt das Machtmonopol der Staaten aufrechterhalten wollen und dabei jegliche Art von Kolonialismus, Ausbeutung und Repression einsetzen. Diese Kräfte versuchen, unseren Willen und unsere Perspektive zu zerstören und uns zu Sklaven dieses Systems, welches gegen jegliche Gesellschaftlichkeit ist, zu machen.

Die andere Alternative ist die Errichtung einer Demokratischen Moderne, in der die Gesellschaft sich ein eigenes System aufbaut, mit dem sie das Leben ihrer MitgliederInnen sichern und eine wirkliche Lösung für ihre Probleme erarbeiten kann. Doch welches der beiden sich letztendlich durchsetzen wird, das liegt in deiner, in meiner, in unser aller Hand. Zu glauben, es würde von alleine alles gut werden, ist ebenso ein Trugschluss, wie die Hoffnungslosigkeit, welche uns tagtäglich beigebracht wird. Es ist also an uns zu entscheiden, welchen Weg wir selbst einschlagen. Denn in Zeiten der Entscheidung gibt es keine neutrale Position. Es gibt entweder die Seite der Kapitulation oder des Widerstandes.

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