Weil Frau Widerstand bedeutet – Rosa Luxemburg

Proletarierin, Ärmste der Armen, Rechtloseste der Rechtlosen, eile zum Kampfe um die Befreiung des Frauengeschlechts und des Menschengeschlechts von den Schrecken der Kapitalherrschaft.

Rosa Luxemburg

aus der Stêrka Ciwan, Januar 2018 von Nûjîn Welat

Am 9. Januar wurden die drei Freundinnen Sara, Rojbîn und Ronahî vom türkischen Geheimdienst (MIT) in Paris ermordet. Das gerade die Genossinnen, die Leitbilder des kurdischen Frauenfreiheitskampfes, als Ziel ausgesucht wurden hatte die Absicht gehabt, den kurdischen Freiheitskampf zu liquidieren. Es ist der Charakter des Faschismus freie Frauen zu fürchten. Diese Furcht war auch der Grund für den Mord an Rosa Luxemburg. Sie wurde ebenfalls in Monat Januar des Jahres 1919 im Auftrag des Staates von Faschisten umgebracht. Deshalb ist auch Rosas Konterfei des öfteren neben dem der Freundin Sara zu sehen und der Grund warum wir ihr in dieser Januar Ausgabe einen Text widmen möchten.

Doch wer war Genossin Rosa?

Rosa Luxemburg wurde 1871 als Tochter jüdischer Eltern in Polen geboren. Schon als Schülerin engagierte sich Rosa in illegalen politischen Vereinigungen. Auf dem Gymnasium hat Rosa dann erste Kontakte mit der sozialistischen Bewegung. Sie nimmt an den Parteitagen der SPD teil und bestimmt die Politik der Sozialdemokraten (vorerst nur in Polen). 1898 reist Rosa dann nach Deutschland (damals Deutsches Kaiserreich) und arbeitet zuerst in den polnisch sprechenden Gebieten, bald auch im ganzen Reich als Rednerin und Publizistin. Des weiteren lehrt sie an der Parteischule der SPD in Berlin, unternimmt Redetourneen durch Deutschland und spricht nicht selten vor ein- bis zweitausend Menschen. Sie war eine der wenigen Frauen in der aktiven Politik. Dabei waren bis hin zu den linken Parteien Vorurteile gegenüber Frauen weit verbreitet. Das hinderte Rosa aber nicht sich politisch zu engagieren. Sie erlag sogar wie Heval Sara, die Frau und Kurdin zugleich war, einer Mehrfachdiskriminierung, da sie eine Jüdin war. In Deutschland bzw. im deutschem Reich wurde sie neben dem offenen Antisemitismus zudem als Polin, sprich als Ausländerin in Deutschland diskriminiert. Man betitelte sie als kreischende Polin, die in Deutschland zur Revolution aufstachelte. Solche Aussagen sind typisch für das sogenannte „fortschrittliche“ deutsche Bürgertum gegenüber einer freien Frau, die nicht nur geistig, sondern auch an persönlichem Mut den Männern überlegen war. Ein weiteres Beispiel von männlichem Chauvinismus zeigt ein Briefwechsel zwischen zwei von Rosas männlichen Genossen über sie auf, sie schrieben: „ […]das giftige Luder wird noch sehr viel Schaden anrichten, umso größeren, weil sie blitzgescheit ist.“ Jedoch vermochte Rosa wie Heval Sara, mit ihrer menschlichen Wärme und ihrem mitreißenden Temperament die Menschen für sich zu gewinnen.

Bis heute haftet Rosa Luxemburg der Ruf einer Rednerin an, die die ZuhörerInnen zu begeistern und zu mobilisieren wusste. Auf Grund ihrer politischen Arbeiten floh sie vorahnend in die Schweiz, um einer möglichen Verhaftung zu entgehen. In der Schweiz fing sie an zu studieren, unterbrach das Studium aber zeitweise wegen politischer Aktivitäten. Anschließend promoviert Rosa in Zürich. Sie war also eine promovierte Akademikerin – zu einer Zeit, wo noch kaum Frauen studierten. Sie war eben eine starke Frau und lebte stets gegen die engen Vorstellungen ihrer Zeit. Dies brachte sie auch auch zum Ausdruck in dem sie nicht in die typische Ehefrauen Rolle schlüpfte, sondern selbstbestimmt als Frau ihre Vorstellung der freien Liebe auslebte. Als die russische Revolution ausbrach, begrüßte sie diese voller Hoffnung aber blieb als kritische Revolutionärin hellsichtig und kritisierte die dogmatische Entwicklung der Bolschewiki. Im Jahre 1905 ging sie illegal nach Polen, wo sie mit all ihrer Kraft versuchte, den ersten Weltkrieg zu verhindern. Sie war unter anderem die wichtigste Repräsentantin internationalistischer und antimilitaristischer Arbeiten. Nach Anbahnung des ersten Weltkrieges gründete sie sofort die „Gruppe Internationale“ (Kriegsgegner innerhalb der SPD), aus der später der Spartakusbund (Vereinigung marxistischer Sozialisten in Deutschland) hervorging. Sogar Lenin hatte die Größe Rosas erkannt und entwickelte 1907 gemeinsam mit ihr ein Antikriegsprogramm im Rahmen des internationalen Arbeiterbewegungskongresses. Lenin nannte Rosa sogar den „Adler der Revolution“.

Anfang 1915, gerade als Rosa Luxemburg zur einer Planungsbesprechung aufbrechen wollte, um die erste internationale Frauen-Antikriegskonferenz zu organisieren, wurde sie verhaftet. Den ersten Weltkrieg (1914-1918) verbrachte sie fast ganz in politischer Haft. Erst ende 1918 kam sie wegen ihrem schlechten Gesundheitszustand frei und ging wieder zurück nach Deutschland. Als politische Autorin verfasste sie (auch in ihrer Haftzeit) mehrere kritische Texte und Analysen. Sie war unter anderem Herausgeberin der Zeitung „Die Rote Fahne“, (die bis heute erscheint). “Akkumulation des Kapitals” ist wohl das bekannteste Werk Luxemburgs. Sie hatte dieses ökonomische Hauptwerk geschrieben, als sie sich politisch und theoretisch mit dem Imperialismus auseinandersetzte und gegen die Kriegstreiberei des Deutschen Kaiserreichs kämpfte.

Mit der Theorie der Akkumulation des Kapitals hat sie einen wichtigen Impuls, vor allem für die Rolle der Frau, gegeben. So können wir alle, Frauen wie Männer, die kapitalistische Produktionsweise besser, umfassender verstehen. In ihrer Theorie kommt das Nicht-kapitalistisch Produzierende Milieu innerhalb einer Gesellschaft, auch bezogen auf die ganze Welt vor. Denn Rosa Luxemburg zeichnet sich dadurch aus, dass sie in ihren Schriften immer eine internationale Perspektive berücksichtigt. Dadurch sind ihre Werke nicht nur für den verstaubten Bücherschrank geeignet, sondern für die Analyse der kapitalistische Moderne relevant. So schreibt sie etwa, dass beispielsweise Hausarbeitstätigkeiten nicht restlos in Lohnarbeit übergehen, sie nehmen auch nicht ab, sondern bleiben eine für kapitalistische Gesellschaften notwendige, nicht-kapitalistische Produktionsweise. Sie war eben eine überzeugte Kritikerin des Kapitalismus und aus dieser Einstellung schöpfte sie die Kraft gemeinsam mit Karl Liebknecht eine revolutionäre Alternative zur SPD, die KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) zu gründen. Nur vierzehn Tage nach der Gründung der KPD wurde Rosa Luxemburg (sowie Karl Liebknecht) zuerst misshandelt und dann ermordet. Ihre Gegner fürchteten den Einfluss Luxemburgs und wollten jegliche revolutionäre Prozesse verhindern. Dies ist den Konterrevolutionären aber nicht gelungen. Weder bei Heval Sara noch bei Rosa Luxemburg. Nur vier Tage nach dem Mord an Rosa konnten Frauen in Deutschland zum ersten mal wählen.

Dies war einer der Kämpfe, den Luxemburg gemeinsam mit Clara Zetkin begonnen hatte. Inzwischen wurde z.B. die Stiftung der Linkspartei benannt. Mehrere Straßen, Plätze und Schulen wurden um sie zu ehren nach ihr benannt. Jährlich marschieren mehrere tausende Menschen bei der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration in Berlin mit, um den ermordeten revolutionären Sozialisten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zu gedenken. Und jährlich marschieren auch tausende KurdInnen in Paris um den drei Freundinnen zu gedenken. Wie wir sehen können, wurde der Freiheitskampf nicht durch die Hinrichtungen der freien Frauen gestoppt, sondern hat ihn im Gegenteil gestärkt. Der Kampf endet sicherlich nicht durch feige, hinterhältige Morde des Feindes. Deshalb ist die beste Antwort auf diese Hinrichtungen den Kampf der Frauenbewegung zu stärken. Wir müssen Rosa Luxemburgs Aufruf folgen: „Proletarierin, Ärmste der Armen, Rechtloseste der Rechtlosen, eile zum Kampfe um die Befreiung des Frauengeschlechts und des Menschengeschlechts von den Schrecken der Kapitalherrschaft.“ Der mit Rosas, Saras, Rojbîns und Ronahîs begonnene Widerstand, muss vor allem heute mit uns jungen Frauen, fortgesetzt werden, bis ein freies Leben erreicht ist. Nur so können wir unseren Märtyrerinnen gerecht werden.

Related posts

Der Ort des Widerstands der jungen Frauen: Heftanîn

Das Abkommen über Şengal vor zwei Monaten ist die Fortsetzung des Völkermordes an den ÊzidInnen

MEŞA DIRÊJ FOTOS VERÖFFENTLICHT

Kommentieren