Home ALLE BEITRÄGERÊBER APO Wir begeben uns in die Phase der neuen Revolutionen

Wir begeben uns in die Phase der neuen Revolutionen

by rcadmin

Der folgende Text ist dem Buch Rêber APOs “Sosyalizmde ısrar insan olmakta ısrardır” (Auf dem Sozialismus zu beharren bedeutet, auf dem Menschsein zu beharren) aus dem Jahr 1998 entnommen. Er wurde vor der Verschleppung Rêber APOs auf der Gefängnisinsel Imrali verfasst.

Zur Gültigkeit sozialistischer Politik

Rêber APO

Noch immer bestimmen die USA die internationale Strategie, innerhalb derer die Türkei und ihre Führung einen wichtigen Platz einnimmt. Den Balkan, den Kaukasus und den Mittleren Osten betreffend kann es zu strategischen Beziehungen mit der türkischen Führung kommen. Eine solche Beziehung muss jedoch nicht dauerhaft und unausweichlich sein. Das anwachsende Interesse des Imperators für diese Beziehung ist auch mit seinem skeptischen Charakter verbunden. Er lässt die Türkei nicht los, ist aber auch immer auf der Suche nach Alternativen zu ihr, da er stets befürchten muss, sie zu verlieren. Dies wird oft vor allem von türkischen Ministerpräsidenten mit den Worten betont “Sie unterstützen uns sehr viel; zum ersten Mal gibt es ein derartig hohes internationales Interesse für uns; unsere strategische Bedeutung ist verstanden worden”. Ja, sie haben es verstanden, sie wissen aber auch, dass die türkische Führung vergänglich ist. Denn die USA sehen, dass sie diese Arbeit nicht mehr allein durch Agenten bewerkstelligen können und entwickeln deshalb andere Maßnahmen.
So ungefähr könnte die Haltung der USA dargestellt werden. In ihrer Strategie heißt es “Wir werden die Türkei bei ihrem Niedergang mit der selben größten Sorgfalt behandeln, gleichgültig, ob 24 oder eine Stunde vorher”. Gleichwohl jedoch bereitet ihnen andererseits die Frage Panik, was dagegen zu tun möglich sei. Während sie die PKK zum Terroristen Nummer Eins abstempeln, machen sie sich auch Gedanken darüber, wie sie mit der PKK direkt oder indirekt Beziehungen aufnehmen können. Dafür mobilisieren sie ihre Kollaborateure, laden sie sogar zu hohen Anlässen ein und schalten alle ihre kleinen und großen Agenten ein. Sie geben grünes Licht dafür, in unseren Kreisen einen gemäßigten Flügel zu entwickeln, nach dem sie ganz verrückt sind. Mit großer Beharrlichkeit suchen sie danach. Vor allem, wenn sie besonders laut “Terrorist PKK” rufen, dann meinen sie flehend: “entwickelt eine gemäßigte PKK”. Dies zeigt, dass sie sich in einem Engpass befinden und offenbart zugleich, dass sie ganz nah daran sind, unsere politische Kraft, die PKK, anzuerkennen, einschließlich unserer militärischen Kräfte, und sich daher nicht scheuen werden, Kontakt mit uns zu suchen.
Es ist falsch zu glauben, die US-Strategie werde gegenüber einer sich aufschwingenden revolutionären Entwicklung kein Interesse aufweisen und lediglich versuchen, sie mit Diffamierungsmethoden, wie sie “terroristisch” zu nennen, zu erwürgen. Die USA werden sich bemühen, in die inneren Angelegenheiten der Revolution einzugreifen. Wenn es ihr nicht gelingt, einen gemäßigten Flügel ausfindig zu machen, werden sie in die Revolution eindringen und sich bemühen, solch einen Flügel zu entwickeln. Diese Haltung würden sie, wenn sie bis dahin existieren würden, selbst 10 oder 50 Jahre nach einem Sieg der Revolution beibehalten. Daran haben wir keine Zweifel. (…) Wir werden sehr genau verfolgen, welche Strategie, welche Beziehungen und welche Ziele sie haben. Von daher fürchten wir sie nicht und haben auch keine Angst davor, Kontakte mit ihnen aufzunehmen. Doch werden wir ihren Absichten, Zielen und imperialistischen Ausbeutungswerten mit Skepsis gegenüber stehen. Wir müssen sie sehr gut verstehen, ihre politische Absichten für heute und für die kommenden 10 oder 50 Jahre sehen und dagegen arbeiten. Wir werden Kontakte zu ihnen knüpfen, um sie besser kennen zu lernen, um von ihnen Rechenschaft für ihre jahrelange würdelose Politik gegen uns zu verlangen.

Ist die Menschheit am Ende?

Es ist nicht möglich, die Macht der USA als größten Imperator unserer Zeit zu übersehen und sie nicht von allen Seiten zu betrachten. Es geht vor allem nicht, sie zu leugnen, gleichgültig, ob wir Beziehungen zur ihnen unterhalten oder nicht. Es ist wichtig, gegen sie zu kämpfen, wenn keine Beziehungen zu ihnen bestehen. Es ist aber besonders wichtig, gegen sie zu kämpfen, wenn wir die besten Beziehung zu ihnen haben. Wenn der Imperialismus sich durch seine ständige Erneuerung entwickelt, so muss dies auch unsere Revolution tun, um jederzeit gegen ihn kampffähig zu sein. Dies ist notwendig für den Sieg und für eine große Entwicklung.
Es ist vollkommen offensichtlich, dass der Imperialismus existiert und dass er nicht ausradiert ist. Früher war in der türkischen Linken weit verbreitet, den Imperialismus für überwunden zu halten, bis dahin, dass heute der Begriff Imperialismus von ihnen nicht mehr zu hören ist, als wenn es den Imperialismus nicht mehr gäbe.
Es gibt den Imperialismus, und zwar dergestalt, dass er das Innere der Menschen beherrscht. Durch die Verfeinerung seiner Methodik und Konzentration befindet er sich in den Köpfen und Herzen. Anstelle des groben Militarismus, der groben politischen Unterdrückung und der groben wirtschaftlichen Ausbeutung ist eine neue Art des Imperialismus entstanden, die über den Menschen als Individuum hinausgeht. So beruht ihre gegenwärtige Entwicklung darauf, die Menschen in die Kulturlosigkeit und Emotionslosigkeit zu treiben, die menschlichen Triebe aufzuwühlen und die Menschen zu vertieren.
Diese Seiten der imperialistischen Entwicklung müssen gesehen werden. Er befindet sich in einem Angriff gegen Natur und Umwelt, die Seele und Geschichte der Menschen. Die in den letzten Jahren als Umweltverschmutzung bekannte Realität, die Zerstörung der Umwelt, in der es immer weniger Lebensgrundlagen für die Menschen gibt, drückt die Erbarmungslosigkeit des imperialistischen Angriffs aus. Die Angriffe gegen die Geschichte und historischen Werte der Menschen sind groß angelegt. Mit dem so genannten “American way of life”, der imperialistischen amerikanischen Lebensweise, sollen sämtliche ethischen Werte, das Geschichtsbewusstsein und die historischen Werte der Menschen unter dem Motto “Geschichtslosigkeit” oder “das Ende der Geschichte ist gekommen” vergessen gemacht werden.
Ist es tatsächlich die Geschichte, die am Ende ist? Oder ist es der Imperialismus, der ausstirbt und durch seinen permanenten Geschichtsverlust am Ende ist? Oder ist die Menschheit am Ende?
Diesen Fragen muss nachgegangen werden. Der Imperialismus schwärzt die Seele und das Gewissen. Denn er basiert nicht nur auf reinem Profit. Sicherlich gibt es noch die grobe Ausbeutung. Doch sind wir heute damit konfrontiert, dass er die bislang nicht eroberte menschliche Seele in Besitz genommen hat und vermarktet; genau wie die Frauen und die menschlichen Gefühle. Unter dem Namen der Globalisierung werden die Vielfalt der Nationen, Kulturen und die Seelen der Völker zerstört. Der Imperialismus hat diesen Werten den Krieg erklärt. Durch die grenzenlose Unterstützung internationaler Spekulation (Börsen, Banken…), von Monopolen und multinationalen Konzernen, hat er für seine Angriffe die Basis geschaffen, Fuß zu fassen.
Offensichtlich wird, dass der Imperialismus weder eine Rückentwicklung macht, noch dass er am Ende ist. Im Gegenteil ist seine Weiterentwicklung festzustellen. Der Imperialismus ist nicht am Ende, sondern er vertieft sich, expandiert und dringt in die Psyche der Menschen ein.
Selbstverständlich ist ein Auflösungsprozess des Imperialismus auch denkbar, da jedem Prozess eine Entwicklungs- und Niedergangsphase innewohnt. Folglich würde hier an Stelle der Imperialisierung der Prozess der De-Imperialisierung beginnen. Doch die gegenteilige Tendenz ist als Entwicklung zur Kenntnis zu nehmen. Eine Schwächung und Rückentwicklung des Imperialismus wäre dann zu erkennen, wenn erstens die Staaten immer unabhängiger werden, und wenn zweitens die Völker sich vereint zum gemeinsamen Leben hin bewegen
Während die erste Phase des Imperialismus durch die Phase nationaler Befreiung und der groben Ausbeutung der Arbeit im 19. Jahrhundert geprägt ist, kennzeichnet das 20. Jahrhundert die zweite Phase. Beide große Phasen haben letztlich die imperialistische Ausbeutung und politische Unterdrückung zu einer Rückentwicklung geführt. Mit größter Wahrscheinlichkeit wird das 21. Jahrhundert das Jahrhundert, in der die vom Imperialismus verursachten Schäden in den Köpfen, Seelen und Kulturen der Menschen aufgehoben werden. Zu den Aufgaben in dieser Zeit gehört insbesondere, die Schäden an der Umwelt zu beheben, das Problem des Bevölkerungswachstums zu lösen, die sog. Geschichtslosigkeit und die Konsumierung der historischen Werte zu beenden; mit der Erstickung der menschlichen Seele aufzuhören; die Verdinglichung der Frauen zu beenden, die Vermarktung und Ausbeutung der Sexualität zu verhindern, und den Frauen zu ermöglichen, der Menschheit Dienste zu erweisen, sie wieder mit der menschlichen Kultur, Geschichte und Natur zu befreunden. Mit Überzeugung kann ich bereits heute sehen, dass die Befreiung der Frauen sich als wichtigstes Ziel der Revolutionen des 21. Jahrhunderts aufdrängt.
In diesem Sinne geht es hier nicht um das Ende der Revolutionen, sondern um den Eintritt in die Phase der Revolutionen, die tiefgehende und sensible Arbeiten voraussetzen. Anders gesagt bedeutet das, dass wir die Phase des groben Klassen- und Nationalkampfs verlassen haben und in die Phase der tiefgehenden sozialen, kulturellen, geistigen, psychischen und ethischen Revolutionen eingehen werden. Diese sind mindestens genauso bedeutungsvoll wie die militärischen, politischen und wirtschaftlichen Revolutionen. Wie kann denn ohne die geistige, soziale und natürliche Revolution des Menschen von einer gesunden Revolution oder einem gesunden Leben gesprochen werden?
Folglich wird es notwendig, den intensivierten und verinnerlichten Angriffen des Imperialismus mit tiefgreifenden, geistigen, ethischen, moralischen, historischen und weltumspannenden Revolutionen zu begegnen.

Die Menschheit muss verteidigt werden

Zweifellos wird der Imperialismus nicht mehr wie früher mit groben Angriffen gegen die Volksrevolutionen und die sozialen Strukturen der Menschen allein vorgehen können. Er wird andere Methoden anwenden und tut dies bereits. Er bezieht sich dabei auf seine technologischen Errungenschaften und kann daher die Welt psychologisch umfassend leiten. Weltweit installiert er wissenschaftliche und technische Führungen und beabsichtigt, durch die technologische Entwicklung die Menschen als Geisel zu nehmen. Von Atombomben wird er keinen Gebrauch mehr machen, denn sonst würde auch er selbst keine Welt mehr zum Leben haben. Es ist für ihn auch nicht mehr notwendig, weitere Gebiete zu besetzen, denn es gibt zum Einen kaum einen Ort mehr, der von ihm nicht besetzt ist, zum Anderen ist es nicht mehr erforderlich. Für den Imperialismus ist es daher zu einem Zwang geworden, eine andere Form der Besetzung, eine andere Art Waffentechnik in Betracht zu ziehen. Diese Absichten werden bereits umgesetzt. Dies ist der psychologische Krieg. In diesem Zusammenhang auch benutzt er diese tiefgehenden Methoden und wird sie auch weiterhin ausbeuten.
Es ist hier die Rede davon, die Kriege in die Köpfe und Seelen der Menschen zu pflanzen und sie dort auszuführen. Er wird den neuerdings geschaffenen Grad der Abhängigkeit der Köpfe und Seelen weiterentwickeln. Deshalb ist die Revolution des Kopfes, der Seele und ihre besondere Methodik erforderlich. Das bedeutet eine Revolution für das unabhängige Denken, für den Nichtverkauf der Seele und für die Verteidigung der elementaren menschlichen Werte. Wir können dies auch eine Verteidigungsrevolution nennen.
Denn wenn es die Absicht ist, die Menschheit zu vernichten, muss sie verteidigt werden. Wenn die Umwelt zerstört wird, dann muss dem mit geeigneten technischen Mitteln vorgebeugt und sie verteidigt werden. Wir werden gegen die zeitlose Vernichtung der sozialen Gruppen und Nationen, sowie gegen die Zerstörung der Sprachen und Kulturen stehen.
Tatsächlich ist dadurch, dass die Menschen in Stress und Spannung getrieben werden, eine neue Art der Krankheit entstanden. Darüber hinaus gehend ist der Stress zur Ursache aller Krankheiten geworden.
Gegen all dies muss der Mensch eine rettende Aufgabe in sich sehen. Der Stress ist ein Phänomen des Imperialismus ebenso wie neue Krankheiten. Der Kampf dagegen ist der antiimperialistische Kampf. Die Formen dieses Kampfes müssen gefunden werden. (…)
Es wird ersichtlich, dass die Revolution die einzige Lösung gegen diese Erscheinungen ist. Denn es liegt in der Natur der imperialistischen Entwicklung, viele Krankheiten mit sich zu bringen. Sie kann nur durch eine neue Gesellschaftsordnung – also durch eine Revolution – überwunden werden. Auch dafür werden wir die notwendige Technik finden. Für den Sozialismus eröffnet sich der Weg einer neuen Theorie. Mit den Theorien des Sozialismus des 19. Jahrhunderts kann in dieser Phase kein erfolgreicher Beitrag geleistet werden. Dies bedeutet, dass wir weder mit den Bewertungen und eingeprägten Theorien des Sozialismus des 19. Jahrhunderts, noch mit den Bewertungen der Nationalen Befreiungsrevolutionen und des Imperialismus des 20. Jahrhunderts die sozialistische Theorie bereichern können. Wir können für die sozialistische Theorie einen Beitrag leisten, indem wir die Probleme des 21. Jahrhunderts, d.h. unsere gegenwärtige Probleme, nicht nur offenlegen und analysieren, sondern auch damit zusammenhängend die notwendige Methodik für die Lösung entwickeln.
Die Notwendigkeit einer neuen Theorie bedeutet aber nicht, die Vergangenheit vollkommen zu leugnen. Einen Beitrag für den Sozialismus zu leisten heißt, ohne die alten Parteiauffassungen und Kampfmethoden zu leugnen, das für diese Phase erforderliche Parteiverständnis und einen an Taktik reichen Kampf zu führen. Es muss viel mehr darüber gesprochen werden, die alten sozialistischen Kampftaktiken durch die Entwicklung neuer Taktiken zu erweitern. Die Zeit der klassischen Theorie und Praxis des Sozialismus ist weder zu Ende noch hat der Sozialismus eine entscheidende Niederlage erlitten. Im Gegenteil wird er durch die Umsetzung der unausweichlich gewordenen neuen Theorien mit neuen praktischen Formen zu einer großen Kraft werden. Genauso wie der Kampf gegen den Imperialismus und seine Führer sein muss, so muss es ihn auch für den neuen Sozialismus geben. Der Zerfall des Realsozialismus in der Sowjetunion bedeutet nicht, dass alles vorbei ist. Die Errungenschaften der damaligen Zeit werden in verschiedenen Formen wieder den Weg zum Sozialismus eröffnen. Auch die damaligen Erfolge kleiner und großer Länder und Völker zeugen davon, dass sie auf einen stabilem Fundament basieren und daher dem neuen Sozialismus eine Grundlage bieten können. Hierbei ist es wichtig, sich des wissenschaftlichen Charakters des Sozialismus bewusst zu sein. Mit unserem Befreiungskampf zeigen wir diese Tatsache ganz deutlich.

Deutschland wird nicht nur zusehen

Während die USA die Aufgabe eines Hauptdarstellers und Imperators spielen, wird Deutschland gewiss nicht nur zusehen. Denn Deutschland hat sowohl im 19. als auch im 20. Jahrhundert imperialistische Interessen. Aus diesem Grund verursachte es zwei große Weltkriege und mehrere kleine Kriege. Angefangen von der faschistischen Expansion bis hin zum Völkermord hat sich Deutschland zum Übel der Menschen entwickelt. Deutschland hat nicht nur den Massenmord an Juden ausgeführt, sondern durch die Unterstützung der Ittihat und Terraki* den Mord an den Armeniern durchführen lassen. Ist es möglich, auch heute die deutsche Unterstützung im Krieg in Kurdistan zu übersehen? Es ist tatsächlich sehr wichtig, den Anteil des deutschen Imperialismus bei den Massenmorden sowohl im Inneren als auch außerhalb seiner Grenzen gut zu verstehen und einzuordnen.
Japan baut sich auf und ist dabei, weltweit zu expandieren. Dafür muss es dieses faschistische Regime füttern und ist stets darauf bedacht, dabei nicht hinter den USA und Deutschland zu stehen. Hinter dem Vorwand, den Mittleren Osten zu entwickeln, versteckt sich die Absicht, diese Region wirtschaftlich abhängig zu machen und dorthin zu expandieren. Es erwacht sehr spät und bringt die Entwicklung zu einem schlechten Ende.
Von großer Bedeutung ist eine genaue Bewertung der Rückentwicklung in Russland. Ist Russland imperialistisch? Wird in Russland mit dem Zerfall des Realsozialismus der Imperialismus kommen oder wird eine neue sozialistische Entwicklung eingeleitet werden? Um diese Fragen beantworten zu können, muss zunächst der widersprüchliche politische Charakter Russlands erörtert werden. In Russland ist deutlich zu sehen, dass der Zerfall des Realsozialismus nicht das Ende des Landes mit sich gebracht hat. Heute ist vielmehr ein Kampf zwischen den sich entwickelnden sozialistischen, den nationalistischen und denjenigen Kräften, die Interesse am Kapitalismus haben, dominierend. Diese Widersprüche ermöglichen es, neue Beziehungen zu imperialistischen Ländern aufzubauen. Daher muss die Aufgabe Russlands im Balkan, im Kaukasus und im Mittleren Osten gut untersucht werden.

Welchen Ausweg wird die kurdische Revolution finden?

Die steigenden imperialistischen Widersprüche werfen die Fragen auf, welche Auswege die Revolution Kurdistans finden wird und wie sie von ihnen Gebrauch machen kann. Die Auflösung des Realsozialismus hat in den imperialistischen Ländern zur Zuspitzung ihrer Widersprüche geführt. Dieser Zustand bringt mehr Vorteile als der frühere Status quo mit sich, und am Ende der Entwicklung wird die Überwindung der Widersprüche stehen. Auch erhöht das Chaos, das als “Neue Weltordnung” der USA bezeichnet wird, die Chancen der Revolution.
Zudem gibt es im Mittleren Osten einige Veränderungen. Zur Zeit sieht es so aus, als ob der altbekannte arabisch-israelische Konflikt den Weg der Kompromisse begeht. Dieser Prozess wird keinen grundlegenden Frieden und daher nicht die gewünschte Kompromissbereitschaft bringen. Denn Israel bzw. seine zionistischen Ausprägungen werden sich nicht nur auf Israel beschränken. Genauso wie der Kampf gegen den Imperialismus und seine Führer sein muss, so muss es ihn auch für den neuen Sozialismus geben.. Israel wird sich nicht mit Palästina und den arabischen Staaten zufrieden geben. Sein Interesse wird darin bestehen, sein Einflussgebiet auszuweiten.
Ganz offensichtlich ist sein Einfluss auf die Türkei und die türkische Führung. Wir wissen auch, dass es über die Türkei ihre Beziehungen zu den Turk-Staaten ausweiten will. Zudem ist bekannt, dass viele arabische Führungen sich auf Israel stützen. Aus diesem Grund kann der genannte arabisch-israelische Konflikt nicht ohne weiteres durch Kompromisse gelöst werden. Im Gegenteil werden sich durch die genannte Politik die Widersprüche vertiefen. Dennoch ist der Weg des Kompromisses notwendig; zum einen, da die politischen Kräfteverhältnisse dies erfordern, zum anderen, weil deutlich wird, dass die alten Methoden der Auseinandersetzung weder die eine noch die andere Seite vorwärts bringen. Diese Auseinandersetzungsformen werden daher immer sinnloser. Weder die Araber konnten entsprechend ihren Wünschen Israel ausradieren, noch konnte Israel die Araber in die Knie zwingen. Im Falle beider Seiten kann vom absoluten Sieg keine Rede sein. Beide waren letztlich gezwungen, Friedensgespräche aufzunehmen. Es ist beiden Seiten im Voraus nicht gelungen, das Fundament für ihre jeweiligen Absichten aufzubauen und ihre Pläne zu realisieren. So gingen sie den Weg der Mitte und führen gegenwärtig Dialoge. Allerdings muss betont werden, dass genauso wenig wie eine militärische Beendigung des Konflikts möglich ist, auch ein langfristiger, stabiler und strategischer Frieden so nicht möglich wäre. Hier geht es um eine unentschiedene Phase, in der die Unentschlossenheit die Politik der Kompromisse prägt. Dieser labile Zustand kann jederzeit zerstört werden. Es wird zu Kompromissen kommen, deren Umsetzung immer wieder blockiert sein wird: sie werden begleitet sein von ihrer Widersprüchlichkeit.
An dieser Stelle muss auch die Lage des Iran aus dem östlichen Blickwinkel berücksichtigt werden. Der Iran ist ein Staat, der sich seit jeher im Konflikt mit den Führungen der arabischen Staaten, des Kaukasus und des Mittleren Ostens befindet. Der langjährige Iran-Irak Krieg fußte in historischen Widersprüchen. So befindet sich der Iran auch im Konflikt mit der Türkei. Dabei geht es nicht in erster Linie um religiösen Differenzen. Der Konflikt zwischen beiden hat politische Gründe und ist Resultat historischer Widersprüche. Daher ist es für ihn schwierig, mit der Türkei Kompromisse zu schließen, und erst recht, eine Freundschaft auf Vertrauensbasis mit der Türkei zu entwickeln. Das gilt auch für die Beziehungen des Iran mit dem Irak und anderen arabischen Staaten. Die großen Widersprüche zwischen ihnen wirken blockierend. Daher wird der Iran an den Widersprüchen unserer Region immer beteiligt sein. Diese Haltung hatte der Iran sowohl zu Zeiten des Schah als auch heute, und wahrscheinlich wird er sie auch in der Zukunft beibehalten. Doch kann er seine Widersprüche weder mit Kriegen noch durch stabile Kompromisse überwinden.

*Ittihat und Terraki: Organisationen der sogenannten Jungtürken um Kemal Atatürk.

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